Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,2383 (07:32 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,2342 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 107.42. In der Folge notiert EUR-JPY bei 133.00. EUR-CHF oszilliert bei 1.1994.

Auf ersten Blick sieht die US-Wirtschaft bezüglich quantitativer Indikatoren gut aus. Der IWF erhöhte die Prognose für das BIP im laufenden Jahr.

Im „beige Book“ der regionalen Federal Reserves wird auf die quantitative Performance abgestellt.

Dieser Blick greift aber bei weitem zu kurz. Der IWF zeigt sich bezüglich der Entwicklung der US-Staatsverschuldung kritisch. Diese Position kennen Sie hinlänglich aus unseren Kommentierungen.

So bemängelt der IWF, dass im Gegensatz zu anderen Staaten, allen voran der Eurozone, die Staatsverschuldungsquote in den kommenden Jahren in den USA auf 123% der BIP ansteigen wird.

In der Tat stellt sich die Frage, was ein Wachstum im Dunstkreis von 2,5% für einen qualitativen Hintergrund hat, wenn es dazu öffentlicher Defizite von mehr als 5% bedarf.

Die selbsttragenden Kräfte sind in einer derartigen Konstellation nicht gegeben. Sich in einer solchen Situation solitär auf den quantitativen BIP-Aspekt zu fokussieren, käme dem Verhalten vor der Krise 2007/ 2009 gleich.

Der Qualitätsaspekt nagt an dem Hegemonialstatus des USD an den Märkten. Es ist aber nicht nur dieser Katalysator. Der Ansatz der US-Außenpolitik, sich mit Freund und Feind offen und zum Teil aggressiv anzulegen (Handel, Klima, Regime-Change, Infragestellung von international Konventionen, Vereinbarungen und Verträgen, FATCA), darf als ein weiterer Treiber interpretiert werden, die Rolle des USD in der jetzigen Bedeutungsform in Frage zu stellen.

Der Iran reagierte. Laut TV-Berichten wendet sich der Iran in Auslandsgeschäften vom USD ab. Künftig solle der Euro den USD diesbezüglich ersetzen. Es ist aber nicht nur der Iran. Russland baut USD-Bestände ab. Die aufstrebenden Länder wickeln zunehmend Geschäfte in Ihren Heimatwährungen ab.

Der Aufbau alternativer Strukturen (AIIB, New Development Bank, CIPS, Börsen) losgelöst von westlicher Dominanz und Missbrauch wird von den aufstrebenden Ländern täglich weiter forciert.

Vor diesem Hintergrund ist der Ausbruch der Währungen ohne Fehl und Tadel, Gold und Silber, gestern durchaus interessant. Ich bin nicht bereit, einen neuen Trend im Edelmetallsektor auszurufen. Dafür wurde in diesem Sektor seit 2011 zu viel manipuliert, aber die Bewegung an dem Markt sollte im Fokus stehen.

Gleiches gilt auch für die Widerstandsfähigkeit des Euros auf dem erhöhten Niveau.
Losgelöst von der letzten Zinserhöhung in den USA und der erheblichen Zinsdifferenz zu Gunsten des USD als auch verbesserten quantitativen Prognosen kann der USD nicht wirklich an Boden gewinnen.

Aus Deutschland erreichten uns gestern positive Nachrichten. Die führenden deutschen Wirtschaftsinstitute haben die BIP-Prognose für Deutschland für das laufende Jahr von 2,0% auf 2,2% erhöht (2019 Anpassung von 1,8% auf 2,0%).

Der Auftragsbestand der deutschen Industrie  markierte mit einer Reichweite von 5,6 Monaten per Februar einen Rekordwert. Dabei muss aber konstatiert werden, dass diese Datenreihe erst 2015 etabliert wurde.

Die Verbraucherpreise der Eurozone legten per Berichtsmonat März im Monatsvergleich um 1,0% zu. Das entsprach den Erwartungen. Im Jahresvergleich ergab sich eine Zunahme um 1,3% (Prognose 1,4%). Mit Deflation und Deflationsrisiken hat das alles nicht mehr zu tun. Der IWF verwies darauf, dass das Risiko verstärkten inflationären Drucks (auch Lohn-Preisspirale) ernst zu nehmen ist. An dieser Stelle zeigen wir gerne Nähe zu dieser Position des IWF.

Werfen wir einen Blick zu unserem europäischen Nachbarn Russland. Dort wurden gestern die Einzelhandelsumsätze veröffentlicht. Per Berichtsmonat März kam es im Jahresvergleich zu einem Anstieg um 2,0% nach zuvor 1,8%.

Nachdem in diversen Talkrunden die russische Wirtschaftslage als prekär (u.a. Elmar Brok, Herr Röttgen) klassifiziert wurde, sehen wir uns genötigt, bitter notwendige Sachlichkeit zu forcieren.

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Währungsrelation EUR/ USD favorisiert. Erst ein Ausbruch aus der Bandbreite 1,2230 1.2560 eröffnet neue Opportunitäten.

Viel Erfolg!

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