Mitte dieser Woche ist es wieder so weit. Eine Handvoll Bürokraten und Zentralplaner, die sich anmaßen exakt zu wissen, wo der Leitzins zu liegen habe und in diesem Zuge die Zins-, Bond- und Währungsmärkte außer Rand und Band bringen, kommen zu ihrem nächsten Treffen zusammen. Im Hinblick auf die dieswöchige Zusammenkunft der Mitglieder des Offenmarktausschusses der Federal Reserve wird sich an den Finanzmärkten wohl alles um die Erwartungen zu bevorstehenden Zinsanhebungen drehen. Zentrale Frage ist und bleibt, wie man den Finanz- und Bondmärkten etwaige Zinserhöhungen verklicken will, ohne für neuerliche Turbulenzen zu sorgen.

Die bevorstehende Aufgabe gleicht der viel besagten Quadratur des Kreises. Hinzu kommt, dass die Federal Reserve von mehr und mehr Marktteilnehmern an ihren in der Vergangenheit begangenen Fehlern gemessen wird. Jetzt steht nichts anderes als die Glaubwürdigkeit der Institution als solche auf dem Spiel.

Seit dem Jahr 2008 hält die Fed die kurzfristigen Zinsen bei nahe Null Prozent. Komplettiert wurde diese Zinspolitik durch weitere finanzrepressive Maßnahmen, zu denen insbesondere drei Runden des Quantitative Easing (QE) zählten, in dessen Zuge langfristige Staatsanleihen und Hypothekenbonds angekauft wurden.

Auf diese Weise hält man bei der Fed die komplette Renditestruktur an den Bond-, Hypotheken- und Verbraucherkreditmärkten auf künstlich niedrigem Niveau. Natürlich blieb es in diesem Zuge nicht aus, die US-Wirtschaft ein weiteres Mal enormen Verwerfungen auszusetzen.

Denn die rekordniedrigen Zinsen halten die Banken – neben einer historisch schwachen Nachfrage nach Krediten – davon ab, frische Darlehen an Unternehmen zu vergeben, die für die Schaffung von Arbeitsplätzen verantwortlich zeichnen. Letztendlich geht im Bankensektor die Sorge um, mehrheitlich auf gering verzinsten Vermögenswerten sitzen zu bleiben, wenn die Zinsen – die Banken ihren Konteneinlegern zahlen, um deren Kapital zu verwalten – in der Zukunft deutlich in die Höhe schießen sollten.

Anstelle einer Kreditvergabe an den Unternehmenssektor werden insbesondere die an der Wall Street aktiven Banken und Spekulanten dazu ermutigt, sich mit der durch die Fed zur Verfügung gestellten Liquidität an überseeischen Börsen und Rohstoffmärkten zu engagieren.  Nur auf diese Weise lassen sich die multimilliardenschweren Boni überhaupt noch bezahlen.


Zusätzlich hat die enorm hohe Menge billigen Geldes die Preise für Agrarland, Aktien und Junkbonds auf eine Weise inflationiert und aufgeblasen, wie man es in der Geschichte noch nicht gesehen hat. Selbst Unternehmen mit zweifelhaften Zukunftsperspektiven waren in den letzten Jahren dazu in der Lage, sich über die Junkbondmärkte mit Kapital zu rekordniedrigen Zinsen voll zu saugen.


Betrachtet man die Dinge unter diesem Gesichtspunkt, so könnten sich steigende Zinsen in der Tat als vorteilhaft für das wirtschaftliche Wachstum erweisen. Warum? Indem perversen Anreizen, himmelschreienden Fehlallokationen von Kapital sowie außer Rand und Band geratenden Spekulationen, die allesamt keinen produktiven Hintergrund aufweisen, endlich ein Riegel vorgeschoben würde.

Leider haben die Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed diese Lektionen im Laufe ihrer Karriere nicht gelernt. Dies gilt vor allem für die Tatsache, dass billiges Geld keinen Beitrag dazu leistet, um das ökonomische Wachstum zu befördern. In der Wirtschaft selbst bestehen einfach viel zu krasse Ungleichgewichte, um diese allein durch ein Bewerfen mit gedrucktem Geld zu heilen.


Hinzu kommt, dass man an der Wall Street nun über Jahre an rekordniedrige Zinsen gewöhnt wurde, weshalb es der Fed sehr wahrscheinlich nicht gelingen wird, ihren Leitzins abrupt und plötzlich anzuheben. Es stellt sich also die Frage, auf welche Weise man bei der Fed zu kommunizieren gedenkt, um die Anleger bei der Stange zu halten.

Aktuell geht man an den Finanzmärkten mehrheitlich davon aus, dass die Fed ihren Leitzins im Juni oder Juli nächsten Jahres erstmals anheben wird. Ein weiteres Problem – neben der Kommunikation – resultiert aus der Rezession in Europa sowie einer sich verlangsamenden Wirtschaft in China und anderen Schwellenländern. Die arg gebeutelten Ölpreise könnten somit noch weiter fallen.


Insbesondere in den letzten Monaten und Jahren hatten sich die ökonomischen Prognosen der Fed als weitaus zu optimistisch erwiesen. Dies führte dazu, dass ein Ende der Ankäufe von langfristigen Anleihen immer wieder verschoben wurde. Dasselbe könnte sich nun im Falle einer Erhöhung der auf rekordniedrigen Niveaus verharrenden US-Zinsen wiederholen.