Stets ein verstärktes Auge auf die Aktivitäten an den Junkbondmärkten zu werfen, ist in diesen Tagen gewiss keine schlechte Idee. Die im Hochzinssektor anlegenden Fonds sind in den Jahren nach dem Höhepunkt der Finanzkrise in 2008/2009 mit Kapital überschüttet worden. Ganz einfach schon allein deswegen, weil viele Spekulanten und Investoren auf der Suche nach Segmenten waren, die höhere Renditen abwarfen als die Staatsanleihemärkte.

Im Sektor der Ramschanleihen wurde man in Zeiten von rekordniedrigen Zinsen fündig. Nun, Bondkönig Jeff Gundlach von DoubleLine Capital warnte gegenüber Wall Street Week, dass das Pilgern unter Anlegern in den Junkbondsektor in großem Ärger und Problemen enden dürfte.

Hauptgrund ist selbstverständlich einmal mehr die Sorge vor in der Zukunft steigenden Leitzinsen in den Vereinigten Staaten. Sollten die Zinsen irgendwann beginnen zu klettern, so Gundlach, werde es vor allem im Ramschanleihesektor zu einer Massenflucht unter Anlegern und Spekulanten kommen.

Tja, es ist gewiss kein Geheimnis, dass die Zinsentwicklung Schlüssel zu den Investitionsaktivitäten an den Finanzmärkten ist. Wann die Zinsen in den USA dann einmal tatsächlich steigen werden, bleibt vorerst abzuwarten. Nach Prognosen, welche die erste Zinsanhebung der Fed für Frühjahr dieses Jahres vorsahen, folgten Verschiebungen auf Juni und nun bereits September.

Ob in diesem Zuge frei werdendes Kapital an die amerikanischen Staatsanleihemärkte fließen wird, bleibt ebenfalls erst einmal abzuwarten. Denn gerade Investoren im Junkbondsektor sind ja nicht ohne Grund im Ramschanleihesektor engagiert. An den Treasury Märkten lassen sich derartige Renditen einfach nicht verdienen, wenn man die aktuelle Entwicklung verfolgt.

Zurzeit liegt der Zins der US-Staatsanleihe mit 10-jähriger Laufzeit gerade einmal bei mickrigen 1,9%. Gundlach sieht deshalb große Gefahren an den Junkbondmärkten heraufziehen, die sich vor allem aus der Tatsache ableiten, dass eine Massenflucht aus dem Hochzinssektor wieder einmal zum selben Zeitpunkt einsetzen dürfte.

Wenn jedermann zum selben Zeitpunkt aus einem Markt heraus wolle, fänden sich eben nicht genügend oder schlimmstenfalls überhaupt keine Käufer zu bestimmten Kursen. Eine potenziell einsetzende Talfahrt an diesen Märkten dürfte deshalb sehr rasant und extrem vonstatten gehen.


Trotz seiner Bauchschmerzen ist Gundlach davon überzeugt, dass die Federal Reserve ihren Leitzins erst im Jahr 2016 anheben wird, weil die aktuelle Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten eigentlich überhaupt nichts anderes zuließe. Nachdem das amerikanische Bruttoinlandsprodukt im 4. Quartal 2014 um unterdurchschnittliche 2,2% wuchs, sehen die aktuellen Prognosen der Fed of Atlanta gerade noch ein mickriges Wachstum von 0,1% im 1. Quartal dieses Jahres vor.

Fakt ist, dass sich im gleichen Atemzug auf die Aktivitäten in der Weltwirtschaft abschwächen. Aktuelle Schätzungen zum Wachstum in China sehen für das 1. Quartal gerade noch 5,3% vor, was weit unter dem durch die Pekinger Staatsführung veranschlagten Gesamtjahreswachstumsziel von 7% liegt.

Mit ein Grund, weswegen sich die Federal Reserve in Sachen Zinsanhebungen wohl noch einige Zeit mehr lassen wird, ist allein die Tatsache, dass sich der starke Außenwert des US-Dollars – wie zuvor berichtet – negativ auf die Handelsbilanz, die Unternehmensbilanzen und die Gewinnentwicklung in den Vereinigten Staaten auszuwirken beginnt.