Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1120 (07:22 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1116 im fernöstlichen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 108.37. In der Folge notiert EUR-JPY bei 120.52. EUR-CHF oszilliert bei 1.1005.

EU-Ratspräsident Tusk will den EU-Mitgliedsstaaten eine Verlängerung der Brexit-Frist empfehlen, um einen ungeordneten EU-Austritt des UK zu verhindern. Tusk verwies auf die Ankündigung des britischen Premierministers Johnson, das Gesetzgebungsverfahren zum Brexit auf Eis zu legen, was bedeutet, dass ein ungeordneter Brexit anstünde, sofern der Bitte des UK nicht nachgekommen würde, die Frist für den Brexit zu verlängern. Tusk wird ein schriftliches Verfahren innerhalb der EU vorschlagen.

Dabei kann man nicht der EU vorwerfen, für die Verlängerungen verantwortlich zu sein. Diese Verantwortung liegt solitär in London. Das Vereinigte Königreich hatte knapp dreieinhalb Jahre Zeit, sich professionell mit dem Thema Brexit auseinanderzusetzen. London hatte zu liefern, nicht Brüssel, denn London will raus.

In London setzte man auf das Prinzip der Verzögerung und Verweigerung, um Brüssel ultimativ unter Zeitdruck zu setzen und in dem Zeitdruck zu Kompromissen im Sinne Londons zu verleiten.

Dieses "Spiel" des "Brinkmanship" scheiterte. Die Bezeichnung "Brinkmanship" ist abgeleitet vom englischen Wort "Brink" (Rand eines Abgrunds). "Brinkmanship" bezeichnet die Fähigkeit bis zum Äußersten zu gehen, um den Gegner zum Nachgeben zu bewegen, wodurch der Gegner aus Angst vor dem gemeinsamen Absturz zum Nachgeben gebracht werden soll. Wir danken Brüssel dafür, die Interessen der 27 Staaten in diesem "Spiel" nicht geopfert zu haben. Merci!

Die Kosten, die dieses Spiel Londons quantitativ (konjunkturell und fiskalisch) und qualitativ (Ansehen) für die 27 Staaten mit sich brachte, sind massiv. So weit zur britischen Haltung gegenüber Kontinentaleuropa. Das konziliante Verhalten der EU in dem Prozess, dass sich auch aktuell weiter abzeichnet, trägt dem Blick der 27 Staaten der EU auf das zukünftige Verhältnis Rechnung und kann durchaus auch als ein Zeichen der Solidarität gegenüber den Bürgern des UK interpretiert werden.

Fakt ist, dass eine dritte Verlängerung noch einmal die Kosten für alle Beteiligten erhöhte. Das wird auch in der britischen Wirtschaft deutlich. Nachdem die Abwertung des Pfundes und der Vorbereitungsdruck auf einen Brexit der Wirtschaft temporär Unterstützung verliehen, liefern diese Katalysatoren kaum noch Schub.

Ablesbar ist das an dem Auftragseingang für die britische Industrie. Der Verband CBI (vergleichbar zum BDI) veröffentlicht monatlich einen Index des Auftragseingangs. Der vom CBI ermittelte Auftragsindex sank per Oktober unerwartet stark von zuvor -28 auf -37 Punkte (Prognose -28) und markierte den tiefsten Wert seit März 2010. Das Niveau und die Tendenz dürfen als prekär charakterisiert werden.

   

   

Die Chance auf einen ungeregelten Brexit ist aber nicht vom Tisch. Die französische Ministerin für Europa-Fragen, Amelie de Montchalin, zeigte sich skeptisch gegenüber dem britischen Antrag. Sie sagte vor dem Senat:

"Wir wurden um eine Verlängerung gebeten. Zu welchem Zweck? Was ist die Rechtfertigung dafür? Mehr Zeit werde das Problem nicht lösen, benötigt werde eine politische Entscheidung. Die gegenwärtige Situation könne nicht endlos beibehalten werden.

Das ist eine unbestechliche Wahrheit. Die Tendenz in der EU geht aber in Richtung einer Fristverlängerung. Man will seitens der EU wohl den Schrecken ohne Ende und hat nicht den Mut für das Ende mit Schrecken, das dann aber belastbare Rahmendaten für eine neue Zukunft böte.

Datenpotpourri:

Eurozone: Paris schwach!

Frankreich: Der Geschäftsklimaindex Frankreichs sank per Oktober unerwartet von 102 auf 99 Punkte. Die Prognose lag bei 102 Zählern.

USA: Divergentes Bild

Der Absatz zuvor genutzter Wohnimmobilien fiel per September um 2,2 % (Prognose -0,7 %) von 5,50 Mio. auf 5,38 Mio. Objekte in der annualisierten Darstellung. Der Richmond Fed Composite Index legte per Oktober unerwartet stark von zuvor -9 auf +8 Punkte zu.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1160 - 80 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!