Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1076 (07:11 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1023 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 108.76. In der Folge notiert EUR-JPY bei 120.46. EUR-CHF oszilliert bei 1.1006.

Im Brexit-Drama kommt es zu Annäherungen, lautet es in den einschlägigen Postillen. Darüber freuen wir uns und sind ganz begeistert. Aber eigentlich sollte der Deal spätestens per gestern doch stehen. Gut, wir sind dann doch nicht ganz so begeistert. Selbstverständlich sind die von der EU zuvor gesetzten zeitlichen "Deadlines" mittlerweile vollkommen irrelevant. Warum setzt man sie dann? Kann man so Glaubwürdigkeit bei den Bürgern der EU forcieren?

Wer führt hier eigentlich wen vor? Die EU die Briten, die Briten die EU oder alle die Bürger der EU? Ich bin auf Ihre Antworten gespannt.

Die Staats- und Regierungschefs der EU beraten heute über den Abschied des UK aus der EU. Eigentlich wollten sie über den Deal abstimmen, den es bisher aber nicht gibt. Was will man denn beraten, wenn nichts Belastbares vorliegt? Ergo sprengt London den nächsten EU-Gipfel.

Premierminister Johnson will heute nach Brüssel reisen, um weitere Gespräche zu führen. Dafür hatte er Monate Zeit. Die Briten hatten insgesamt knapp dreieinhalb Jahre Zeit, professionell zu agieren, denn der Brexit ist ihr "Baby", nicht das "Baby" der EU!

Nun wird der Brexit-Diskussionszirkus auf dem Gipfel fortgesetzt, was überhaupt nicht geplant war. Anders ausgedrückt setzt Herr Johnson die Agenda des Gipfels und nicht die anderen 27 Staatschefs. Das mag irritieren oder auch nicht.

Wo steht der Diskurs zwischen Brüssel und London?

EU-Ratspräsident Tusk erklärte gestern, das Fundament für diese Einigung sei fertig und könnte theoretisch gebilligt werden. Von Seiten der EU und des UK hieß es dagegen, es gebe noch strittige Fragen. Ergo gibt es einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Da der Deal nicht steht, war die Theorie dann wohl doch nicht so überzeugend.

Es gibt da übrigens noch ein Problem. Selbst wenn ein Deal stehen sollte, muss er noch parlamentarisch in London abgesegnet werden. Die DUP scheint mit den aktuellen Vorlagen nicht einverstanden zu sein. Am Ende könnte viel Aufwand doch nicht zu den von Brüssel oder der Regierung Johnsons gewünschten Resultaten führen.

Ein Zwischenfazit kann man ziehen: Der latent mangelnde Professionalismus seitens Londons in den letzten dreieinhalb Jahren ist in der EU auf extremen guten Willen gestoßen. Der verlängerte Austrittsprozess hat Europa Geld und Ansehen gekostet. Dafür ist London, nicht Brüssel verantwortlich. Das Thema Brexit ohne Deal ist weiter nicht vom Tisch und Analysten müssen weiter über dieses Drama schreiben, da es für Realwirtschaft und Märkte relevant ist. Bisweilen ist ein Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende.

Konjunkturlage USA:

In dem "Beige Book" der Federal Reserve liefern die regionalen Filialen der Fed Zustands- und Erwartungsberichte über die Konjunkturlage in den Vereinigten Staaten.

Der aktuelle Bericht lieferte folgende Ein- und Ansichten:

Die US-Wirtschaft hat laut der Fed den Wachstumskurs im Zeitraum September bis Anfang Oktober mit geringem bis mäßigem Tempo aufrecht erhalten. Pessimismus keimt jedoch zunehmend bei vielen Firmen auf. Es mehrten sich Zeichen, dass die Handelskonflikte die Wirtschaftsaussichten weiter belasteten. Dieser Zustandsbericht ist der nüchternste Bericht in der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump.

Das hat gute Gründe. Man kann isoliert auf die diversen US-Handelskriege und US-Sanktionsregime oder eine unberechenbare US-Geopolitik losgelöst von rechtlichen Grundlagen verweisen, die ihren konjunkturellen Preis einfordern.

Man kann das Thema aber auch abstrakt angehen: Unsere Geld- und Wirtschaftsverfassung basiert auf einer elementaren Grundlage. Diese Grundlage heißt Vertrauen. Vertrauen in Rechtsstaatlichkeit, Vertrauen auf Vertragstreue und Vertrauen auf internationale Institutionen. Wer dieses Vertrauen für seinen Wirtschaftsraum untergräbt, untergräbt den Status des Investitionsstandorts. Wenn es Wirtschaftsräumen an Investitionen mangelt, passiert was?

Ich bin auf Ihre Antworten gespannt.

Datenpotpourri:

Eurozone: Weitgehend neutral

Die Handelsbilanz lieferte per August einen Überschuss in Höhe von 14,7 Mrd. Euro (Prognose 17,5 Mrd.) nach zuvor 24,8 Mrd. Euro. Die Verbraucherpreise nahmen laut finaler Berechnung per September im Monatsverglich um 0,2 % zu (Prognose 0,2 %). Im Jahresvergleich stellte sich ein Anstieg um 0,8 % nach zuvor 1,0 % (revidiert von 0,9 %, Prognose 0,9 %) ein.

Die Kernrate der Verbraucherpreise, die durch EZB-Politik beeinflussbar ist (endogene Preisinflation), legte im Monatsvergleich per September um 0,4 % zu (Prognose 0,4 %). Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 1,0 % (Prognose 1,0 %) nach 0,9 % (revidiert von 1,0 %).

USA: Eher enttäuschend

Die Einzelhandelsumsätze sanken per September unerwartet im Monatsvergleich um 0,3 % (Prognose +0,3 %). Der Vormonatswert wurde von 0,4 % auf 0,6 % revidiert. Im Jahresverglich nahm der Einzelhandelsumsatz um 4,10 % nach zuvor 4,36 % (revidiert von 4,14 %) zu. US-Lagerbestände waren per August im Monatsvergleich unverändert (Prognose 0,2 %). Der Vormonatswert wurde von 0,4 % auf 0,3 % revidiert. Der NAHB Housing Market Index stellte sich per Oktober auf 71 Punkte nach zuvor 68 Zählern (Prognose 68).

RUB: Bestechend solide

Die Industrieproduktion nahm in Russland per September im Jahresvergleich um 3,0 % nach zuvor 2,9 % zu (Prognose 3,0 %).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1160 - 80 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!