Chinas anhaltende Wirtschaftsschwäche hat laut Devisenmarktexperten schon längst dazu geführt, dass die Pekinger Staatsführung in den globalen Währungskrieg mit eingestiegen ist. Um auf stetig lauter werdende Vorwürfe aus den Vereinigten Staaten zu reagieren, ließ China ab dem Jahr 2005 eine sukzessive Aufwertung des Yuan gegenüber dem US-Dollar zu. Damals ging es Peking, das durch die Amerikaner wiederholt als Währungsmanipulator betitelt wurde, auch darum, auf der internationalen Bühne nicht als Buhmann dazustehen.

Aufwertung des Yuan

Die neue geldpolitische Leitlinie Chinas zu einer Aufwertung des Yuan erwies sich seit damals als Freifahrtschein für viele Hedgefonds, sich an diesem Markt zu engagieren, um sich an diesen „risikolosen“ Trade dranzuhängen und davon finanziell zu profitieren.

Immerhin knapp 9 Jahre, und somit bis zum Beginn des Jahres 2014, hat dieses Spielchen funktioniert. Immer augenscheinlicher wird, dass Peking seine verfolgte Aufwertungsstrategie vor etwa einem Jahr heimlich, still und leise aus dem Fenster geworfen zu haben scheint.

Seitdem hat der US-Dollar im Außenwert um rund 3,6% gegenüber dem Yuan zugelegt. Am Sonntagnachmittag lag die offizielle Wechselkursrate zwischen Greenback und Yuan bei 6,2562. Währungsexperten sind mehrheitlich der Ansicht, dass China bereits zu Beginn des Jahres 2014 in den globalen Währungskrieg mit eingestiegen ist.

Yuan sollte gegenüber dem US-Dollar nicht zu stark aufwerten

Spätestens ab diesem Zeitpunkt habe auch vieles für eine Wachstumsverlangsamung in China gesprochen. Wie für die meisten anderen Nationen ergeben sich aus einer Abwertungsspirale der eigenen Währung nicht nur Vorteile, sondern auch eine ganze Reihe von Nachteilen. Und dies gilt insbesondere für China.

Natürlich konnte und kann China nicht einfach unbedarft an der Seitenlinie dabei zuschauen, wie der große asiatische Konkurrent Japan seinen Yen beständig zum Abschuss freigibt. Auch Chinas Exportmaschinerie ist im Hinblick auf deren weiteres Funktionieren auf eine Yuan-Währung angewiesen, die im Außenwert nicht zu stark gegenüber dem US-Dollar und dem Yen aufwertet.

Eine Abkehr vom einst in 2005 eingeschlagenen Pfad zu einer Aufwertung des Yuan scheint also längst erfolgt, um sich der Geldpolitik in anderen Wirtschaftsräumen anzupassen. Für China werden mit einer Abwertung des Yuan allerdings nicht nur Vorteile verbunden sein. Schon seit geraumer Zeit unter einem recht hohen Kapitalabfluss leidend, werden globale Investoren einen immer stärkeren Bogen um China machen.

Eine solche Entwicklung wäre nicht gerade sonderlich vorteilhaft für Chinas Unternehmen und Banken, die sich allein in den vergangenen fünf Jahren mit einem Betrag von umgerechnet etwa $1 Billion bei Auslandsinvestoren verschuldeten. Viele Händler sind der Ansicht, dass Chinas Zentralbank den Yuan aus diesem Grund nicht allzu schnell abwerten wird.

Die People´s Bank of China wird sich dies wohl schlichtweg nicht leisten können, da es in einem solchen Fall Zahlungsausfälle in Chinas Unternehmenssektor hageln würde. Und gerade im Angesicht um die jüngsten Vorfälle an Chinas Bondmärkten und den plötzlichen Default der Kaisa Group droht sich die Lage zu verschärfen. Auslandsinvestoren sind aufgrund der jüngsten Vorfälle in Festlandchina ohnehin schon aufgeschreckt worden und werden vorsichtiger.  

Währungskrieg - Bleibt China nichts anderes übrig?

Trotz allem ist es Meinung vieler Experten, dass China langfristig gar nichts anderes übrig bleiben werde, als sich noch deutlich intensiver am globalen Währungsabwertungswettlauf zu beteiligen. Gleichzeitig werden Chinas Regierungsbehörden den Eindruck zu vermeiden wissen, Druck oder Panik verfallen zu sein, da sich der Kapitalabfluss auf diese Weise noch intensivieren könnte. Langfristig dürfte es jedoch kaum eine Rolle spielen, da alle Nationen und Wirtschaftsräume in den Währungskrieg eingestiegen sind oder gerade einsteigen.

Wen interessiert ab einem gewissen Zeitpunkt überhaupt noch der Fluss von Kapitalströmen? Diese Kapitalströme sind fast nur noch rein artifizieller Natur und an Zentralbankversprechen und Nullzinsen rund um die Welt gekoppelt. Wozu gibt es also Kapitalkontrollen, die ohnehin sofort eingeführt werden, wenn das Kartenhaus an den Devisenmärkten ins Wanken gerät und der Abwertungswettlauf in sein letztes Inning gehen wird? Die damit für den globalen Handel verbundenen Schwierigkeiten und Probleme lassen sich indes bislang kaum ermessen und bleiben abzuwarten...