Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0920 (06:35 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0874 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 107,82. In der Folge notiert EUR-JPY bei 117,75. EUR-CHF oszilliert bei 1,0598.

Die letzten 24 Stunden lieferten viele positive Akzente aus unterschiedlichsten Richtungen.

Im medizinischen Sektor laufen immer mehr klinische Studien wegen diverser Impfstoffe gegen das Corona-Virus (auch zwei aus Deutschland) an. Damit erhöht sich das Potential auf mittlere Sicht, potente Impfstoffe zu generieren.

Entspannungssignale gibt es hinsichtlich diverser Ankündigungen von Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Japan wird alle Einschränkungen einstellen. In Europa kam es zu Ankündigungen, die Maßnahmen zu liberalisieren und Grenzschließungen sukzessive aufzuheben.

In Kontinentaleuropa (ex UK) inklusive Irlands (was für ein Unterschied zum UK!) entspannt sich die Infektionslage. In Deutschland stellt sich die Zahl der akut Infizierten auf nur noch 11.092, in Italien liegt sie bei 55.300, in Spanien bei 58.190. Österreich bringt es noch auf 760 und die Schweiz auf 633 akut Infizierte. Selbst in Norwegen hat man sich erfolgreich um die Ermittlung der Zahl der Genesenden gekümmert. Dort liegen noch 402 Infektionen vor (Zahl der Genesenden 7.727, zuvor wochenlang 32!). Lediglich die Niederlande und Schweden hinken bei der Aktualisierung der Zahl der Genesungen hinterher.

In Asien setzt sich die Entspannung der Corona-Lage weiter fort. China weist 112 akute Fälle auf. Südkorea bringt es auf 681. Japan hat noch 2.139 Infektionen. In Singapur entspannt sich die Lage weiter (16.199). Problemländer sind und bleiben die USA, das UK, Russland, Brasilien und Peru.

Als Folge der Entspannung kommt Asien konjunkturell in Fahrt. In den letzten 24 Handelsstunden erreichten uns aus Japan, Taiwan, Südkorea und Singapur sowohl bei harten Daten als auch Sentiment-Indikatoren unerwartet positive Datensätze. Wir verweisen auf nachfolgendes Datenpotpourri.

Was für den Gesamtdatenmix aus Asien gilt, gilt auch für die Sentiment-Indikatoren der Eurozone, die in den letzten 24 Handelsstunden veröffentlicht wurden. Es kam zu positiven Entwicklungen.

Daraus lässt sich für Asien und Kontinentaleuropa (ex UK) ableiten, dass der Tiefpunkt des konjunkturellen Einbruchs aller Voraussicht nach auf den Monat April 2020 fällt. Sukzessive Erholung steht auf der Agenda. Das Tempo kann unerwartet zulegen, da insbesondere im Sektor des Verarbeitenden Gewerbes perspektivisch Aufholprozesse im Raum stehen.

In den Corona-Problemländern ergibt sich ein diffuseres Bild. Ankündigungen, dass die USA keinen weiteren Shutdown losgelöst von der Corona-Lage in Betracht ziehen, implizieren aber auch zumindest für die USA unter ökonomischen Gesichtspunkten eine hohe Wahrscheinlichkeit der Ausbildung des konjunkturellen Tiefpunkts per April.

In Großbritannien ist die Corona-Lage unverändert prekär. Zusätzlich drohen die Folgen des ungeregelten Brexits. Wir empfehlen Brüssel eine klare Haltung, die nicht durch den Begriff "Einknicken" definiert sein darf. Die EU ist kein Selbstbedienungsladen Londons mehr. Diese Zeiten sollten vorbei sein. Die EU hat 27 Länderinteressen zu vertreten, nicht die Londons.

Premier Johnsons Glaubwürdigkeit ist aus guten und nachvollziehbaren Gründen angeschlagen. Die Verteidigung des Fehlverhaltens seines Beraters Cummings war die Krönung. Sie war grotesk und stellt einen Schlag in das Gesicht eines jeden britischen Durchschnittsbürgers dar.

Werfen wir einen Blick auf einen anderen Aspekt, der für die weitere Marktentwicklung von Bedeutung ist. In diversen Gesprächen und Gesprächsrunden während der letzten fünf Tage verdeutlichte sich mir die Unsicherheit ob der weiteren Entwicklung in der Real- und der Finanzwirtschaft seitens meiner Gesprächspartner. Fakt ist, dass die Positionierungsgrade an den Märkten als ausgesprochen konservativ beschrieben werden müssen. Damit fehlt es ein Stück weit an „Munition“, beispielsweise die Aktienmärkte vor dem aktuellen Datenhintergrund drastisch abzuverkaufen.

Im Gegenteil ergibt sich eine andere Konstellation. "Markets are climbing against a wall of worries". Welche Qualität hat so ein Anstieg? "Food for thought!"

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Stimmungstief tendenziell überwunden

Der IFO-Geschäftsklimaindex legte per Mai von zuvor 74,2 (revidiert von 74,3) auf 79,5 Punkte zu (Prognose 78,3). Der IFO-Lageindex sank von 79,4 (revidiert von 79,5) auf 78,9 Zähler (Prognose 80,0), während der Erwartungsindex von 69,4 auf 80,1 Punkte zunahm (Prognose 75,0). In Belgien legte der Frühindikator per Mai leicht von -36,1 auf -34,4 Zähler zu (Prognose -29,5). Laut IFO-Institut ist der Index, der die Erwartungen der Exporteure misst, per Berichtsmonat Mai von -50,2 auf -26,9 Punkte gestiegen. Per Juni verzeichnete der GfK-Konsumklimaindex einen Anstieg von -23,1 auf -18,9 Zähler.

Japan: Überraschend positiv

Die gesamte industrielle Aktivität nahm in Japan per März um 10,3 % nach zuvor -0,9 % zu (Januar -8,59 %).

Taiwan: Überraschend positiv

Die Industrieproduktion stieg per Berichtsmonat April im Jahresvergleich um 3,51 % nach zuvor +11,18 % (revidiert von 10,41 %).

Südkorea: Positiver Akzent

Der Index des Verbrauchervertrauens legte per Berichtsmonat Mai von 70,8 auf 77,6 Punkte zu.

Singapur: Erwartungen zu negativ

Das BIP sank laut finaler Berechnung per 1. Quartal lediglich um 4,7 % im Quartalsvergleich. Die Prognose war bei -7,4 % angesiedelt. Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um 0,7 % (Prognose -1,5 %).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung im Währungspaar EUR/USD favorisiert. Ein Ausbruch aus der Bandbreite 1.0720 - 1.0980 eröffnet neue Opportunitäten.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!