Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1364 (07:25 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1353 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 111.97. In der Folge notiert EUR-JPY bei 127.26. EUR-CHF oszilliert bei 1.1360.

Handelsdeal China/USA:

US-Präsident Trump und der chinesische Staatschef könnten laut Medienberichten auf einem Gipfel Ende des Monats einen Handelsdeal schließen. China könne Zölle auf US-Importe, wie landwirtschaftliche Produkte, Chemikalien und Autos senken, während die USA die Strafzölle auf Einfuhren aus China abbauten. Auch ein 18 Mrd. USD umfassendes Geschäft zur Lieferung von US-Flüssiggas nach China stehe im Raum. Angeblich gebe es aber auch noch Streitpunkte.

Wenn man bedenkt, dass China in der Folge des Handelskonflikts Maßnahmen (Zollsenkungen, Marktöffnungen, Geldpolitik, Steuern) in einem Volumen von mehr als 600 Mrd. USD verfügt hat, die eine positive konjunkturelle und strukturelle (Zollsenkungen, Marktöffnungen) Wirkung erzielen werden und auf der anderen Seite Zölle stehen, die maximal 125 MRD. Mrd. USD (25% auf 500 Mrd. USD) ausmachen und die US-Unternehmen und US-Verbraucher belasteten (strukturelle Belastung, Verschlechterung der Terms of Trade), ist die Wahrscheinlichkeit nicht unerheblich, dass die US-Administration in einer Position lediglich vermeintlicher Stärke ein nicht unerhebliches Interesse daran hat, einen Handelsdeal auf die Beine zu stellen.

Fakten schlagen am Ende immer Lautstärke und meistens auch intellektuelle Dreistigkeit oder gar politische Unverfrorenheit.

Europa sollte sich weder von Lautstärke, Dreistigkeit oder gar Unverfrorenheit in eine Position einer sachlich nicht zulässigen Gutmütigkeit in Handelsfragen mit den USA verführen lassen. Mehr gibt es hier nicht zu sagen!

EU freundlich in Brexit-Fragen!

Die EU will Großbritannien bei den Austrittsverhandlungen aus der EU weiter entgegenkommen. O-Ton Michel Barnier: "Wir wissen, dass es in Großbritannien ein Misstrauen gibt, der Backstop könne eine Falle werden, in der die Briten auf immer an die EU gebunden sind. Das ist nicht der Fall. Und wir sind bereit, weitere Garantien, Versicherungen und Klarstellungen zu geben, dass der Backstop nur temporär sein soll. Was es geben kann, ist die Zusage einer Begrenzung des Backstops durch ein Abkommen über die künftige Beziehung in Form eines interpretierenden Dokuments."

Barnier bekräftigte, dass die Mitgliedstaaten offen seien für eine Verlängerung der Brexit-Frist, aber nur unter Bedingungen. Das Ziel einer Verlängerung müsse klar sein. Es könne nicht darum gehen, dass man in Großbritannien ein Problem zu vertagen versuche. Auch müsse ein Aufschub des für den 29. März geplanten Brexit vom Europäischen Rat beschlossen werden.

Viel mehr zärtliche Handreichung kann es von der EU nicht geben, ohne dass die EU die Interessen des UK über die eigenen Interessen stellte. Das wäre dann aber ein Affront gegen die Vitalinteressen eines jeden Kontinentaleuropäers und Iren und zerstörte das Selbstverständnis der EU.

Für die, die die Eurozone abschrieben und Aristoteles missachteten:

Die Ratingagentur Moody's sieht die Kreditwürdigkeit Griechenlands zuversichtlicher. Moody's hob die Bewertung der langfristigen Verbindlichkeiten um zwei Stufen auf B1 von zuvor B3 an. Damit bewegt sich die Bewertung der Staatsanleihen dennoch weiter auf Ramschniveau. Entscheidende Aspekte für die Höherstufung seien Verbesserungen im Arbeitsmarkt, eine positive Konjunktur und die Entspannung bei der Entwicklung der Staatsschulden. Die Reformanstrengungen des Landes zahlten sich aus, heißt es bei Moody's. Den Ausblick setzte Moody's auf stabil. "Food for a lot of thought!"

Trump und freie Märkte das passt nicht ...

Der US-Präsident gibt sich immer wieder Mühe, politische Preise an so genannten freien Märkten zu etablieren. Das gilt für den Ölpreis, es gilt aber auch für die Bewertung des USD.

US-Präsident Trump O-Ton: "Wir haben einen Herrn bei der Fed, der einen sehr starken USD mag. Ich mag einen starken USD, aber ich will einen USD, der großartig für unser Land ist, keinen USD, der so stark ist, dass er uns vom Handel mit anderen Ländern abhält."

Wir nehmen diese Spielart der USA zu Kenntnis. Wo sind eigentlich die Stimmen geblieben, die uns in Europa in arroganter Manier in meiner Jungbankerzeit die Leviten ob der freien Märkte lasen? Die USA mutieren bezüglich unverzichtbarer westlicher Werte immer mehr zu gnadenlosen Opportunisten. Will sich Europa in diese Reihe höflich und galant einordnen und Lippenbekenntnissen frönen?

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Die Arbeitslosenquote der Eurozone hat damit den tiefsten Stand seit 10/2008 markiert und bewegt sich nur noch 0,5% oberhalb des historischen Tiefs bei 7,3% per 01/2008. Das ist der Fruchtstand der Strukturreformen und der Solidarität innerhalb der Eurozone. An diese Stelle erinnere ich mich gerne an die Talkshows, die ich 2012/14 gegen die Prof. Dr. Luckes & Co. führen durfte. Was wäre passiert, wenn die die Eurozone zerlegt hätten? "Food for thought!"

Die Konjunkturdaten der Eurozone verleiten nicht zu Euphorie, aber sie dürfen als Basis solider Zuversicht ob der handels- und geopolitischen Belastungen der letzten zwölf Monate (exogene nicht endogene Entschleuniger!) im Kontext von Widerstandsfähigkeit interpretiert werden.

An den Daten der USA wird deutlich, was passiert, wenn der Konjunkturzyklus basierend auf Kredit reif ist und Zinserhöhungen schmerzen. Mehr noch wird hier klar, dass die Verschlechterung der Terms of Trade bezüglich US-Zollpolitik und Unsicherheit den US-Investitionsgüterzyklus nicht positiv befruchtet, ganz im Gegenteil!

Aber im Großen und im Ganzen überwiegen die Aspekte des Lichts gegenüber dem Schatten bei Daten und bei Nachrichten, mindestens für Europa und aufstrebende Länder!

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.1200-30 neutralisiert diese Bewertung.

Viel Erfolg!