Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1848 (06:18 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1825 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 106,06. In der Folge notiert EUR-JPY bei 125,65. EUR-CHF oszilliert bei 1,0768.

Zu Wochenbeginn gibt es viele Akzente, die eine erhöhte Portion Risikofreude erlauben. So haben sich Japan und Großbritannien auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Bundesfinanzminister Scholz stellte nach den Beratungen mit seinen EU-Kollegen fest, dass der wirtschaftliche Einbruch weniger stark ausfiele als noch vor Kurzem gedacht. Im Konflikt Athen/ Ankara sind zarte Entspannungen erkennbar.

IT-Airbus: ZF unterstützt uns!

Die deutsche Wirtschaft stimmt sich auf Ihnen bekannte Forderungen für den europäischen IT-Airbus aus dem Forex-Report ein. Der Autozulieferer ZF fordert eine europäische IT-Infrastruktur für Cloud-Computing. Der Konzernchef Wolf-Henning Scheider sagte in einem Interview mit dem Spiegel:

"Die deutsche Autoindustrie ist wettbewerbsfähig bei Software und autonomem Fahren, doch wenn es darum geht, große Mengen an Daten zu speichern und zu verarbeiten, sind wir in Europa aufgeschmissen."

Bei dem für Fahrassistenzfunktionen wichtigen Cloud-Computing sei man auf die USA oder China angewiesen. So nutze ZF Großrechner von Microsoft und Amazon. Diese Abhängigkeit sei riskant. Scheider befürchtet, dass der Konflikt der USA mit China im Extremfall dazu führen könnte, dass ZF für Projekte in China künftig nicht mehr mit US-Firmen kooperieren darf. Fazit: Es ist nicht mehr länger tolerierbar, dass Deutschland und die EU diese offenen Flanken zulassen, denn es geht um existentielle Themen. Souveränität erfordert zwingend und zeitnah den umfassenden IT-Airbus.

Brexit: DIHK warnt Scholz eher entspannt

Das mögliche Scheitern der Verhandlungen des UK mit der EU sorgt die deutsche Wirtschaft. Britische Autoimporte aus Deutschland stellen das Schwergewicht dar. Der Automobilbranche drohen ohne Abkommen Zölle in Höhe von circa zwei Mrd. Euro. Die Zölle verteuerten die Fahrzeuge und könnten zu einem Nachfragerückgang führen. Die Produktion von rund drei Mio. Kfz stünde in den kommenden fünf Jahren im Risiko.

Ein Brexit ohne „Deal“ könnte Lieferketten abbrechen lassen. Lange Wartezeiten an den Grenzen seien zu befürchten. Im UK gebe es laut DIHK immer noch keine funktionierende Infrastruktur für die Zollabwicklung. Die labile Verhandlungslage mit dem UK hätte bereits Folgen. So ist das UK von Rang drei auf Rang fünf der wichtigsten Exportmärkte Deutschlands abgerutscht.

Laut DIHK sei es für die Unternehmen elementar, dass die künftigen Beziehungen zwischen der EU und dem UK mit Prioritäten geregelt würden. Es gelte, den EU-Binnenmarkt zusammenzuhalten, Zölle zu vermeiden, Transportwege aufrechtzuerhalten und die Bürokratie beim Warenaustausch so gering wie möglich zu halten.

Diese Einlassungen der DIHK sind sachlich nicht anfechtbar. Sie zeigen aber auch auf, dass das UK, das mit dem harten Brexit flirtet, Hausaufgaben nicht gemacht hat. Der DIHK hat auf den Mangel an britischer Professionalität nicht hingewiesen. Das gilt bezüglich der politischen Unzuverlässigkeit als auch für die Frage des Infrastrukturaufbaus an den Grenzen. Diese Probleme kann die EU nicht lösen.

Bundesfinanzminister Scholz sagte, die EU sei gut auf den Brexit vorbereitet. Er will auch keine besonders schweren Konsequenzen eines ungeregelten Brexit erkennen. Das ist richtig, Deutschland wäre aber schwerer beeinträchtigt als die Rest-EU.

Nord Stream 2 - Polen mischt sich in deutsche Innenpolitik ein

Polens Ministerpräsident Morawiecki fordert Deutschland und die EU auf, den mit Russland betriebenen Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 als Konsequenz des Giftanschlags auf den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny zu beenden. Wir fragen, warum nicht die Gaspipeline via Ukraine/Polen? Das träfe Moskau doch auch, oder?

Diese Forderung ist sportlich, da sie eine rechtlich fragwürdige Vorverurteilung beinhaltet. Dass Polen Probleme bei dem europäischen Rechtskodex hat, ist selbst in Brüssel bekannt (wer im Glashaus sitzt). Diese Einlassung ist eine Einmischung in deutsche Innenpolitik. Würde sich das Polen auch gefallen lassen?

Morawiecki monierte, dass man mit einem Staat, der internationale Standards und das Völkerrecht verletze, nicht nur bei sich zu Hause, sondern auch auf dem Gebiet der EU- und Nato-Mitgliedsländer, keinen konstruktiven Dialog führen könne.

Hier liefert Morawiecki einen nicht tolerierbaren Doppelstandard, denn diese Vorwürfe, dass internationale Standards nicht eingehalten würden und Völkerrecht verletzt würde, müsste Polen in eine oppositionelle Haltung zu wem führen?

Mehr noch greift dieses hier nicht genannte Land in die Souveränität von Drittstaaten wie kein anderes Land ein.

Die augenfällige Asymmetrie im Diskurs Polens wirft Fragen auf, wessen Interessen durch Polen innerhalb der EU vertreten werden.

Datenpotpourri der letzten 24 Stunden:

Eurozone: Spanien erholt sich schneller als erwartet

Die Industrieproduktion Spaniens sank per Berichtsmonat Juli im Jahresvergleich um 6,4 % (Prognose -9,9 %) nach zuvor -14,3 % (revidiert von -14,0 %).

USA: Preisinflation nimmt zu

Die Verbraucherpreise legten per Berichtsmonat August im Monatsvergleich um 0,4 % (Prognose 0,3 %) nach zuvor 0,6 % zu. Im Jahresvergleich ergab sich ein Zunahme um 1,3 % (Prognose 1,2 %) nach zuvor 1,0 %.

Die Kernrate verzeichnete einen Anstieg um 0,4 % (Prognose 0,2 %) nach zuvor 0,6 %. Im Jahresvergleich legte die Kernrate um 1,7 % (Prognose 1,6 %) nach zuvor 1,6 % zu. Das Federal Budget (Teilmenge der öffentlichen US-Verschuldung) stellte sich per August auf 200,00 Mrd. USD (Prognose -245 Mrd. USD) nach zuvor -63,0 Mrd. USD.

Russland: Rückläufiger Aktivsaldo in der Handelsbilanz

Die Handelsbilanz wies per Berichtsmonat Juli einen Überschuss in Höhe von 4,253 Mrd. USD (Prognose 5,500 Mrd. USD) nach zuvor 5,290 Mrd. USD aus.

China: China läuft!

Ausländische Direktinvestitionen nahmen per Berichtsmonat August im Jahresvergleich um 2,6 % nach zuvor 0,5 % zu. Das war der höchste Anstieg seit Januar 2020. Hauspreise stiegen im Jahresvergleich per August um 4,8 % nach zuvor 4,8 %.

Japan: Erholung läuft verhalten
Der Tankan-Index für den Sektor der Verarbeitenden Gewerbes legte per September von zuvor -33 auf -29 Zähler zu und erreichte den höchsten Indexstand seit März 2020 (Tiefpunkt -46 per 06/2020). Das Pendant des Dienstleistungssektors nahm von -24 auf -18 Zähler zu (Höchster Wert seit März 2020, Tiefpunkt per 05/2020 bei -36).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.1620 - 50 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!