Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0791 (06:25 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0665 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 110,28. In der Folge notiert EUR-JPY bei 119,03. EUR-CHF oszilliert bei 1,0573.

Die Unterstützungsprogramme, die in China im Kampf gegen das Coronavirus verfügt wurden, waren im Vergleich zu den Maßnahmen des Westens recht überschaubar. Das ist ein brachialer Unterschied.

Es gab keine hektische Betriebsamkeit, aber eine klare Gangart im Kampf gegen das Virus. Dank dieses Politikansatzes hat Peking die Lage in der Corona-Krise mittlerweile gut im Griff, wenn man den offiziellen Daten folgt. Das Corona-Problem Chinas besteht heute maßgeblich darin, dass jetzt Corona von außen importiert wird.

Chinas Wirtschaft fährt nach dem starken Einbruch sukzessive wieder hoch. Das gilt übrigens für viele asiatische Länder. Wir verweisen auch auf die Daten der Industrieproduktion Taiwans im Februar, die mit einem Anstieg um mehr als 20 % im Jahresvergleich stellar ausfielen (siehe Datenpotpourri).

Das temporäre Problem des Coronavirus weicht in Asien Stück für Stück. Der Westen bewegt sich noch in der virulenten Phase in der Corona-Krise und hat sich für eine andere Gangart entschieden. Eher widerwillig werden Elemente der Krisenpolitik Chinas adaptiert. Das erfordert dann eben auch eine andere Begleitmusik, die in der Tonalität der Hymne "unlimitiert" ausfällt.

Das Thema unlimitierter Interventionsbereitschaft hat breiten Raum gegriffen. Das gilt für die EZB, es gilt für die EU. Es gilt allen voran auch für die USA und das UK.

Gestern legte die US-Notenbank sportlich nach. Nachdem man bereits den Commercial Paper Markt unter die Notenbank-Fittiche genommen hatte und ein Kaufprogramm im Volumen von mindestens 700 Mrd. USD für Staatsanleihen (500 Mrd.) und mit Hypotheken besicherte Anleihen (200 Mrd.) verabschiedete, wurde gestern nachgeliefert. Bei Bedarf agiert die US-Notenbank unlimitiert.

Zwei weitere bisher nicht direkt subventionierte Marktsegmente wurden auf die Interventionsliste der Federal Reserve gesetzt. Finanztitel, die mit Unternehmens- und Verbraucherkrediten hinterlegt sind, werden jetzt auch durch die Notenbank erworben. Damit wurde das TALF-Programm analog zu 2008/2009 faktisch wiederbelebt.

Zusätzlich verfügte die US-Notenbank in den letzten Wochen durch Zinssenkungen um 1,50 % ein Zinsregime am Geldmarkt, das sich nahe dem Nullzins bewegt.

Das massive Konjunkturpaket, das gestern im Senat scheiterte, ist nicht eine Frage des "ob", sondern nur des "wann".

Der Westen agiert in der akuten Phase nach dem Motto "whatever it takes". Das ist wie eine Vollkaskoversicherung mit überschaubarer Selbstbeteiligung. Das ist grundsätzlich richtig, weil es darum geht ein exogenes Problem eines Virus nicht zu einem endogenen Problem werden zu lassen. Die gesunden Strukturen der westlichen Ökonomien dürfen nicht Opfer dieses Virus sein. Das hätte auch massivste Folgen für die "kleine Frau" und den "kleinen Mann".

In dieser Krise geht es den westlichen Staaten auch darum, deutlich zu machen, dass man an der Seite der breiten Gesellschaft steht. Das wird laut Meinungsumfragen auch von der Bevölkerung goutiert.

Das Volumen ist voraussichtlich deutlich überdimensioniert. Das wird ökonomische Folgen nach der Akutphase des Virus haben. Diesbezüglich verweisen wir als nicht perfektes Indiz noch einmal auf die Daten der Industrieproduktion in Taiwan, wohlwissend, dass eine Schwalbe noch keinen Sommer macht.

Das Thema der Überdimensionierung der Maßnahmen bedarf einer Vertiefung. Sie ist erforderlich, um die Dynamik der Algorithmen der westlichen Märkte und der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft zu zähmen. Anders lassen sich die Marktreaktionen der letzten Wochen nicht interpretieren. Überdimensionierung hat aber immer Folgen. Wir unterstellen, dass die Welt nicht am Coronavirus scheitert.

Wir sind bei dem IWF, dass es insbesondere im 1. Halbjahr 2020 zu massiven Einbrüchen in der Weltwirtschaft kommen wird. Bereits für das 2. Halbjahr sehen wir analog zu der aktuellen Lage in Asien dann positive Tendenzen von der ermäßigten Basis, die sich 2021 deutlich verstärken sollten. Wirken werden das Grundrauschen der Weltwirtschaft, Aufholeffekte aus dem 1. Halbjahr 2020, global verfügte Konjunkturmaßnahmen, erhöhte Lagerhaltung bei andauerndem Niedrigzinsniveau. Die Basis für stärkeres Wachstum, als heute unterstellt und diskontiert, ist zukünftig ausgeprägt. Der Begriff Anlagenotstand wird dann neu definiert!

Das Datenmaterial von Johns Hopkins darf man nur als eine Annäherung verstehen. Das RKI teilte gestern mit, dass die Zahl der Genesungen in Deutschland bei mindestens 2.809 stehe. Johns Hopkins führt Deutschland mit 453 Genesungen. Auch in anderen europäischen Staaten stimmen die Todesdaten, jedoch nicht die Genesungsdaten. Die Tendenzen sind von Relevanz. Die absoluten Werte sind hinterfragbar. Die steigende Zahl der Infektionen hat damit zu tun, dass intensiver getestet wird als in den Vorwochen. In den Vorwochen war die Dunkelziffer wohl höher.

Coronavirus global: Die Zahl der Infizierten legte um 43.067 auf 382.108 zu. Die Zahl der Genesungen stieg um 3.058 auf 101.857, während die Zahl der Todesfälle um 1.869 auf 16.574 zunahm. Damit liegt die Zahl der akuten Fälle bei 263.677 (Vortag 225.537).

In Europa nahm die Zahl der Infizierten um 48.564 auf 218.642 zu. Die Zahl der Genesungen legte um 1.549 auf 14.481 zu, während die Zahl der Todesfälle um 1.530 auf 10.336 stieg. Ergo liegt die Zahl der akuten Fälle bei 193.825 (Vortag 148.340).

In den USA hat sich die Zahl der Infizierten um 11.232 auf 46.438 erhöht. Die Zahl der Todesfälle liegt bei 586 (Vortag 471).

In Hubei/Wuhan liegt die Zahl der Infizierten bei 67.801. Die Zahl der Genesungen nahm um 444 auf 60.323 zu. Es kam zu weiteren sieben Todesfällen (aktuell 3.160). Damit gibt es derzeit noch 4.318 akute Fälle (Freitag 4.768).

In Gesamtchina inklusive Hubei liegt die Zahl der Infizierten bei 81.552 (Vortag 81.439), es kam zu 73.277 Genesungen und es sind 3.281 Todesfälle zu beklagen. Ergo liegt die Zahl der aktuell Infizierten bei 4.994 (ex Hubei 676).

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Stimmung bricht ein!

Laut Erstschätzung sank der Index des Verbrauchervertrauens der Eurozone per März von zuvor -6,6 auf -11,6 Punkte (Prognose -14,2) auf den niedrigsten Wert seit November 2014.

Taiwan: Das war nicht erwartet worden!

Die Industrieproduktion stieg per Berichtsmonat Februar im Jahresvergleich um 20,34 % nach zuvor -2,11 %. Es ergab sich der höchste Anstieg seit August 2010.

USA: Überraschend stark!

Der Chicago Fed National Activity Index (Sammelindex aus 85 US-Einzelindikatoren) stieg per Berichtsmonat Februar von zuvor -0,33 (revidiert von -0,25) auf +0,16 Punkte.

Russland: Überraschend positiv!

Das BIP legte per Februar im Jahresvergleich um 2,9 % nach zuvor 1,7 % (revidiert von 1,6%) zu.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.0970 - 1.1000 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Bleiben Sie gesund & viel Erfolg!