Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1598 (07:32 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1543 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 110.48. In der Folge notiert EUR-JPY bei 128.13. EUR-CHF oszilliert bei 1.1557.

Die Aussagen der beiden bedeutendsten westlichen Zentralbanken, der Federal Reserve und der EZB, liefern eine quantitative und qualitative Divergenz, die bemerkenswert ist.

Nach der jüngsten Zinserhöhung der US-Zentralbank (Fed Funds Mittelwert 1,875%) legte der Gouverneur der Federal Reserve New York William Dudley nach. Er nahm unsere Argumentation auf und bezeichnete die US-Fiskalpolitik als nicht nachhaltig. Sie könnte die Zinspolitik bis 2020 beeinflussen. Dudley erwartet, dass die Zinsen etwas über das neutrale Niveau ansteigen werden (=leicht restriktive geldpolitische Haltung).

Auf der anderen Seite lieferte die EZB in Vollkaskomanier den Einstieg in die Zinswende. Das Anleiheprogramm soll Ende 2018 auslaufen. Zinserhöhungen (aktuell 0,00%) sind für das zweite Halbjahr 2019 angedacht.

Die Quantitätsaspekte der wirtschaftlichen Expansion zwischen den USA und der Eurozone liegen nicht weit auseinander.

Aktuelle Prognosen sehen das BIP der Eurozone bei circa 2,0% - 2,3% und das der USA bei 2,4% - 2,7%.

Das Preisniveau in der Eurozone stellt sich auf 1,9%, während das der USA bei 2,8% liegt. Beide Datensätze implizieren mit Sicherheit keinen Anlass für ultralockere Zins- und Geldpolitik (=Kritik an EZB).

Die Qualitätsaspekte der wirtschaftlichen Expansion stehen im diametralen Widerspruch zu den aktuellen Zinspolitiken:

Laut IWF soll das Haushaltsdefizit der USA dieses Jahr bei 5,3% des BIP liegen, während das Defizit der Eurozone bei 0,6% ausfallen soll. Mehr noch basiert das Wachstum der Eurozone maßgeblich auf wiederkehrenden Einkommen (Topqualität), während das Wachstum der USA primär auf Kreditexpansion im Konsumsektor fußt (Wiederholung des Geschäftsmodells, das zur Krise 2008/ 2009 führte).

Anders ausgedrückt fehlen dem US-BIP-Wachstum die selbsttragenden Elemente ganz im Gegensatz zu der Eurozone.

Wir sind mehr als irritiert, dass diese qualitativen Fakten im intellektuellen Diskurs der Eliten der Volkswirtschaft und der führenden Finanz- und Wirtschaftsmedien nahezu vollständig ignoriert werden.

Das erinnert recht stark an das willfährige Verhalten dieser Kreise vor der Krise 2008/ 2009, als es freundlich bestimmt lautete „The crisis is contained!“ – „Food for thought!“

Die USA sind weiter auf Konfliktsuche. Der Handelskonflikt mit China wird seitens Washingtons eskaliert. China antwortet reziprok und ist weise genug, der Kunst der Diplomatie die Tür zu öffnen.

China ist im Zollstreit mit den USA nach der gegenseitigen Verhängung von milliardenschweren Zöllen (jeweils Güter für 50 Mrd. USD, 25% Zoll) unnachgiebig, aber zu Verhandlungen bereit.

O-Ton der China Daily: „China begrüßt einen Dialog und hat keine Angst vor Handelskriegsdrohungen."

Bezüglich der Handelskonflikte fragen wir uns, ob man nicht seitens des Rests der Welt Güter auf die Zollliste setzen sollte, die in den USA gar nicht produziert werden, die aber elementar für die Produktionsprozesse in den USA sind.

Dann versteht man unter Umständen auch das Modell der internationalen Arbeitsteilung in den Kammern des Weißen Hauses und in den Büros der Neokonservativen, die diesen Kurs diktieren, denn am Ende stünden für die US- Wirtschaft belastende Preiseffekte, mehr nicht, weniger auch nicht.

Das Risiko, dass die USA am Ende dieser Entwicklung in einer arbeitsteiligen Welt mit einer recht überschaubaren Menge an echten Partnern dastehen wird, ist ausgeprägt. Ob das für den recht totalitären Machtanspruch der USA hilfreich sein wird, darf kontrovers diskutiert werden.

In Folge der zunehmenden Verunsicherungen maßgeblich durch die USA, aber auch durch selbstverschuldete Problematiken in der EU/ Eurozone inklusive der deutschen Regierungskrise werden jetzt die BIP-Prognosen geschliffen.

Im Zuge der Anfechtungen durch die US-Geo- und Handelspolitik senkte die Bundesbank die BIP-Prognose per 2018 von 2,5% auf 2,0%.

Eine Interpretation lautet: Damit nehmen Risiken einer Überhitzung der Ökonomie ab, denn sowohl das Wachstum in Deutschland als auch der Eurozone liegt weit jenseits der Potentialwachstumsraten, die von den akademischen Eliten der Volkswirtschaftslehre ermittelt wurden…

Datenveröffentlichungen vom letzten Freitag:

Die Verbraucherpreise der Eurozone legten im Jahresvergleich laut finaler Berechnung per Mai um 1,9% zu (Kernrate 1,1%).

Der NY Fed Manufacturing Index stieg per Juni von zuvor 20,10 auf 25,0 Punkte (Prognose 19,0).

Die US-Industrieproduktion sank per Mai um 0,1% (Prognose +0,2%). Der Vormonatswert wurde von +0,7%b auf +0,9% revidiert. Die Kapazitätsauslastung sank von 78,1% auf 77,9%.

Das US-Verbrauchervertrauen nach Lesart der Universität Michigan legte per Juni laut vorläufigen Berechnungen von 98,0 auf 99,3 Punkte zu. Die Prognose lag bei 98,5 Zählern.

Fazit zum Datencocktail :

Überwiegend starke Sentiment-Daten aus den USA dominieren das Bild.

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den EUR gegenüber dem USD favorisiert. Erst ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.1490 - 20 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Viel Erfolg!

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