Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1150 (07:13 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1131 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 105.92. In der Folge notiert EUR-JPY bei 118.10. EUR-CHF oszilliert bei 1.0855.

Die Sehnsucht nach Stabilität bleibt in der Wirtschaft und an den Finanzmärkten ausgeprägt. Unsere gestern gezeigte Skepsis ob der Belastbarkeit des Narratives einer vermeintlichen Entspannung im Rahmen eines Olivenzweigs aus den USA war begründet. Aus den USA sind derzeit keine Olivenzweige verfügbar, dort sind eher Waffendeals angesagt. "Freundschaft" wird in "Cash Flow" gemessen.

Boltons Einlassungen in London sollten die Ohren bei den Brexiteers klingeln lassen, die so laut tönen, Kontrolle über das UK zurückgewinnen zu wollen. Fakt ist, dass das Thema Risikoaversion die reale Weltwirtschaft und die Finanzmarktarena dominiert.

Das aus der Eurozone veröffentlichte Datenpotpourri lieferte sonnige und bewölkte Daten

Aus den nationalen Datensätzen der Eurozone war bereits im Vorwege klar, dass die Industrie der Eurozone im konjunkturellen Tief dümpelt. Europas Industrie hängt stark am Investitionsgüterzyklus. Dieser Zyklus ist von der seit 18 Monaten zunehmenden Krisensituation ausgehend von den USA am schwersten betroffen. Als erste Maßnahme stellen Unternehmen Investitionspläne zurück. Man macht nur noch das Notwendigste im Rahmen von Ersatzinvestitionen, um handlungsfähig zu bleiben. Bei Reduktion der Risiken ergibt sich dann aber für Europas Industrie auch Aufholpotential analog zu dem Geschehen 2010.

Per Berichtsmonat Juni sank die Industrieproduktion im Monatsvergleich um 1,6 % (Prognose -1,4 % nach zuvor +0,8 %. Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um 2,6 % (Prognose -1,2 %) nach zuvor -0,8 %. So weit zu dem Thema "Bewölkt"!

Das BIP der Eurozone legte per 2. Quartal 2019 laut erster Schätzung im Quartalsvergleich um 0,2 % zu (Prognose 0,2 %) nach zuvor 0,2 %. Im Jahresvergleich stellte sich der Anstieg auf 1,1 % nach 1,1 % (Prognose 1,1 %).

Die Niederlande und Portugal reüssierten mit einem Wachstumsclip von 0,5%, während Deutschland mit -0,1% die rote Laterne auch dank des Ausbleibens sinnstiftender Reformpolitik vor sich herträgt.

Der sonnige Datensatz erreicht uns vom Arbeitsmarkt der Eurozone. Hier wird der Erfolg Europas, der Erfolg der Reformpolitik und der Solidarität der Eurozone deutlich! Im 2. Quartal nahm die Beschäftigung um 0,2 % im Quartalsvergleich und um 1,1 % im Jahresvergleich zu.

Niemals in der Geschichte der Eurozone zuvor gab es mehr Beschäftigte. Die Zahl stellte sich auf 159.930.000 nach zuvor 159.550.000. Hier werden wiederkehrende Einkommen geschaffen, die den Konsum nachhaltig und nicht wie in den USA durch Kredit unterfüttern. Schade, dass dieses Thema so wenig in der Öffentlichkeit steht!

Genießen Sie den Chart:

    

    

Arbeit ist sozial und schafft gesellschaftspolitische Stabilität. Wo stünde Europa, wenn die Solidarität in der Eurozone in der akuten Krise aufgekündigt worden wäre, wie es manch ein Ökonom, Analyst und Politiker forderte?

UK: Neue Wendungen

Labour-Chef Corbyn will Premierminister Johnson mit einem Misstrauensvotum stürzen und einen ungeregelten Brexit damit verhindern helfen. Dazu schrieb er die Chefs der Oppositionsparteien als auch mehrere einflussreiche Unterhaus-Abgeordnete der Konservativen an. Corbyn plant eine Übergangsregierung unter seiner Führung. Diese würde Neuwahlen ansetzen und ein zweites Referendum veranlassen.

Wir sind hoch erfreut, dass sich damit eine Chance für die Menschen im UK öffnet, darüber abzustimmen, ob das, was die Regierung Johnson will, das übrigens 2016 von diesen populistischen Protagonisten lauthals ausgeschlossen wurde, wirklich dem nationalen Interesse im Sinne einer Mehrheit entspricht. Das wäre demokratisch. Es wäre höchst undemokratisch, einen Brexit unter massivsten Etikettenschwindel mit "kreativen Wahrheiten" (höflicher ging es nicht!) am Parlament vorbei zu forcieren.

Harren wir der Dinge. Sollte es so kommen, würde der "Brexit-Hangover" wohl noch einmal verlängert werden. Leider lassen sich die massiven Kosten dieses Dramas London nicht in Rechnung stellen. Schade!

Handelskonflikt Washington/Peking

Gestern verband Trump seine Bereitschaft, mit China weiter zu verhandeln und sich möglicherweise zu einigen, mit der Erwartung eines Wohlverhaltens der chinesischen Führung gegenüber den Demonstranten in Hongkong.

Wir begrüßen, dass Herr Trump wieder mit Xi sprechen will. Ob Konditionierungen in Peking gut ankommen, sei dahingestellt.

Würden die USA bei Unruhen in US-Städten, bei denen Demonstranten nicht nur ihr Demonstrationsrecht nutzen, sondern Gesetze missachten und die Wirtschaft lähmen und schädigen, sich äußere Einmischung förmlich verbieten? Und noch eine Frage: War Honkong von 1843 bis 1997 als britische Kronkolonie demokratisch oder autoritär geführt? Passt der Begriff Demokratie zu Kolonie? Misst der Westen einmal mehr nach Gusto mit asymmetrischem Maß? "Food for thought!"

Weiterer Datenpotpourri der letzten 24 Stunden:

USA: Die Importpreise stiegen per Juli im Monatsvergleich um 0,2 % (Prognose 0,0 %). Der Vormonatswert wurde von -0,9 % auf -1,1 % revidiert. Die Exportpreise legten um 0,2 % zu (Prognose 0,0 %). Der Vormonatswert wurde von -0,7 % auf -0,6 % angepasst.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.1020 - 40 negiert den positiven Bias des EUR.

Viel Erfolg!