Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1511 (07.26 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1484 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 113.82. In der Folge notiert EUR-JPY bei 131.01. EUR-CHF oszilliert bei 1.1413.

Es wird zunehmend ernst, wenn man sich das Bild der US-Geopolitik betrachtet. Bisher ging ein großer Teil an den Finanzmärkten davon aus, dass es um "Trump-Deals"geht. Die Entwicklung der letzten Wochen lässt diese Chance unverändert offen, aber bei genauerem Hinsehen ist eine andere, eine gefährlichere Variante, erkennbar, sowohl für die global aufgestellte Weltwirtschaft als auch für die Souveränität vieler Staaten!

Die US-Regierung will laut US-Handelsminister Ross die EU in einem künftigen Freihandelsabkommen zum Verzicht auf ein Abkommen mit China zwingen. Vorbild sei die Vereinbarung zum Freihandelsabkommen USMCA. Sollte ein Vertragsstaat ein Handelsabkommen mit einem "nicht marktwirtschaftlich verfassten Land" schließen, könnten die zwei anderen das USMCA binnen 6 Monaten verlassen und ein Zweierbündnis bilden.

Faktisch zielt das auf China. Handelsminister Ross erklärte, die Aufnahme der Ausstiegsklausel in das USMCA helfe, sie in andere Abkommen zu integrieren, insbesondere in die Abkommen mit der EU und Japan (aktuell verhandelt). Brüssel und Tokio gelten in den USA (Kfz) als erpressbar. Washington hat die Strafzolldrohung nur für die Dauer der aktuellen Freihandelsgespräche ausgesetzt. Faktisch läuft die Ausstiegsklausel auf den Versuch hinaus, einen Wirtschaftsblock gegen China und damit das Megaprojekt "OBOR" zu zementieren, dem Japan und die EU angehören sollen. Ross äußert dazu: "Es ist eine Art Giftpille."

Ja, genau das ist zu verhindern, denn die Zukunft liegt im Osten (Skaleneffekte, unerschlossenes Humankapital, Verschuldung)! Die USA wollen die für die EU bitter notwendige Landbrücke Lissabon/Wladiwostok/Shanghai verhindern.

Man kann die Rede von Wilbur Ross nicht isoliert betrachten. US-Vizepräsident Pence sprach letzte Woche vor dem konservativen Washingtoner Hudson Institute. Er betonte, dass China mit dem Projekt "Made in China 2025" eine weltweit führende Rolle in Spitzentechnologien wie Robotik, Biotechnologie und Künstliche Intelligenz erlangen wolle.

Nun ist das Wirtschaftsprogramm Chinas mehr als legitim. Erwarten wir, das China den Anspruch auf Platz 3 oder Platz 5 in obigen Wirtschaftsfeldern verfolgte? Ich wünschte mir von Europa hohe Ziele und Pläne und nicht nur Reaktionen auf das Weltgeschehen. Pläne gibt es bei der EU nur für Erweiterungen, wobei die Kandidaten (u.a. Ukraine) nicht einmal die Bedingungen zur Assoziierung erfüllen.

Ob das die EU wohl stärkt? Sind das die zielführenden Pläne oder Pläne Dritter? Zusätzlich versuche Peking, laut Pence, die militärische Überlegenheit der USA zu minimieren oder zu brechen. Wenn man hinsichtlich der Kaufkraftparität Nummer 1 in der Weltwirtschaft vor den USA ist, dann erfordert dieser Platz auch militärische Präsenz. Das wissen die USA doch viel besser.

Bezüglich des implizit angesprochenen Risikos des Missbrauchs militärischer Macht werfen wir einen Blick auf die letzten 70 Jahre und vergleichen den Trackrecord der USA und Chinas? Was ist Ihr Ergebnis. Wer ist gefährlich?

Pence ist konkret bei der Nennung der Maßnahmen, um Chinas Scheitern zu gewährleisten. Man habe das Committee on Foreign Investment (CFIUS) gestärkt, um Investoren aus China leichter abwehren zu können. Man setze darauf, dass US-Unternehmen es sich künftig zweimal überlegen, ob sie Geschäfte in der Volksrepublik machten. Explizit forderte Pence den Konzern Google auf, seine Aktivitäten in China unverzüglich einzustellen. Darüber hinaus stellte der US-Vizepräsident Behauptungen auf, die als Grundlage für Sanktionen gegen die Volksrepublik dienen können.

Demnach mische sich Peking in Amerikas Demokratie ein, unter anderem in die Zwischenwahlen in diesem Jahr und in die Präsidentenwahl im Jahr 2020. Aus Geheimdienstkreisen sei zu hören, gegenüber Chinas Einmischung verblasse diejenige Russlands, behauptete Pence. Mit Moskaus angeblicher Einmischung in die US-Wahl hat Washington Sanktionen gegen Russland begründet.

Das entspricht einer hybriden Kriegserklärung an China. Vorwürfe/Sanktionen wegen angeblicher Einmischung in US-Politik, ohne sie nachweisen zu müssen (ist ja alles geheim!), ist nach den UN/Irak-Erfahrungen in den USA offenbar en vogue! Hier handelt es sich aber auch um eine hybride Kriegserklärung an die Globalisierung, an die Unternehmen, die globalisiert sind, und vor allen Dingen auch an Europa, das mit seinen "Hidden Champions" und Exporterfolgen zu einer Geisel der US-Machtpolitik degeneriert werden soll.

Die USA stehen noch für 15% des Welt BIP bei schwachen Strukturdaten, 85% warten auf eine klare Ansage ihrer politischen Eliten, dass dieser Ansatz der USA, der bezüglich unserer Werte mehr als fragwürdig ist, eben ein Ansatz bleibt!

Freitag wurden nachfolgende US-Daten veröffentlicht:

Die Arbeitslosenrate sank per September von 3,9% auf 3,7% Die Quote U-6, die in Ansätzen mit europäischen Daten vergleichbar ist, stieg von 7,4% auf 7,5%. Die Partizipationsrate verharrte bei 62,7%. Außerhalb der Agrarwirtschaft wurden 134.000 neue Jobs geschaffen (Prognose 185.000). Der Vormonatswert wurde von 201.000 auf 270.000 revidiert. Das US-Handelsbilanzdefizit stellte sich per August auf 53,2 Mrd. USD nach zuvor 50,0 Mrd. USD.

Die US-Verbraucherkredite lieferten mit einem Anstieg um 20,08 Mrd. USD (Prognose 15,0 Mrd.) einen neuen historischen Höchstwert, der noch einmal unterstreicht, wie abhängig die US-Wirtschaft vom Schmierstoff Kredit ist.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.1460 - 1.1490 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Viel Erfolg!

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