Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1345 (07:13 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1317 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 110.61. In der Folge notiert EUR-JPY bei 125.50. EUR-CHF oszilliert bei 1.1336.

Wir haben mehrmals darauf verwiesen, dass die US-Position in dem Handelskonflikt mit China nur Ausdruck vermeintlicher Stärke ist, dass Washington ultimativ den Kompromiss stärker braucht als Peking. Die Nachrichtenlage des Wochenendes liefert diesbezüglich erbauliche Informationen.

Im Handelsstreit zwischen den USA und China zeigte sich Donald Trump konziliant. So wird Trump die von ihm gesetzte Frist für eine Einigung in dem Konflikt bis zum 1. März verschieben. Ein neues Datum stehe nicht im Raum. Es seien Fortschritte in den Verhandlungen erreicht worden. Ein Handelsabkommen könne auf einem Gipfeltreffen mit Xi Jinping in Florida abgeschlossen werden. Wir konstatieren, dass Trumps Politik gegenüber China der Weltwirtschaft nutzt.

Ohne die disruptive Gangart Washingtons wären wesentliche Fortschritte der Öffnung Chinas Wirtschaft gegenüber der Weltwirtschaft nicht möglich gewesen. Damit ist ein fairerer internationaler Waren- und Dienstleistungsverkehr gewährleistet. Mehr noch erhöht sich dadurch nicht nur der Potentialwachstumspfad Chinas, sondern auch der der Weltwirtschaft, da Chinas Import- und Exportzölle gesenkt wurden und die Beteiligungsmöglichkeiten in China liberalisiert wurden (so Teslas neues Werk ohne Beteiligung Chinas etc.).

In London liegen die Nerven aus guten Gründen mehr und mehr blank. Die voraussichtlichen Konsequenzen eines ungeregelten Austritts des UK aus der EU werden immer deutlicher von den betroffenen Unternehmen über ihre Verbände kommuniziert. Damit nimmt der Druck im politischen Kessel im UK zu.

Die Austritte diverser Parlamentarier aus ihren Parteien und auch Rücktrittsdrohungen von Ministern sind Beleg dafür, dass es nicht nur Populisten und Opportunisten in Westminster gibt.

Die verantwortungslose Politik Mays, die Uhr einfach runterlaufen zu lassen, die dem verantwortungslosen und vermeintlich elitären Kreis um Jacob Rees Mogg, Nigel Farage, Boris Johnson und Nigel Lawson & Co. gefallen haben mag, erfährt spürbare Opposition.

Das Thema Verlängerung des Austrittsprozesses, um den Schaden eines Brexits für die Menschen im UK mindestens zu lindern, kommt in den Fokus.

Die Abstimmung über Mays Abkommen soll spätestens am 12. März erfolgen. Für den Fall des erneuten Scheiterns erwägt Theresa May eine Verschiebung des EU-Austritts um bis zu zwei Monate. Es geht ihr auch darum, Rücktritte von Ministern zu verhindern, die Forderungen nach einem Ausschluss eines ungeregelten Brexit stellen. Das klingt nach einer Fortsetzung des opportunistischen Ansatzes ihrer Politik - der Brite sagt dazu: "Kicking the can down the road!" Das macht wenig Sinn, es würde aber die Situation an den Märkten temporär entspannen.

Interessanter ist das Modell, das in Brüssel erwogen wird. In Brüssel wird kolportiert, dass man bereit sei, den Austrittsprozess um bis zu 21 Monate zu verlängern, um in dieser Zeit professionellere Vorkehrungen treffen zu können und das Thema Backstop zu entschärfen.

Dieses Modell würde die Mängel des Versagens der politischen Elite des UK in den letzten zwei Jahren bezüglich der Verhandlungsführung in weiten Teilen heilen können. Die Betonung liegt auf "können", denn es setzte voraus, dass diese britischen Eliten sich dann auch wirklich professionell verhielten und die Demut an den Tag legten, dass nicht das britische Parlament in 27 andere Regierungen hineinregieren kann, um egozentrische Forderungen durchzusetzen.

Derzeit darf etwas mehr Zuversicht bezüglich des Situation um den Brexit obwalten.

Mario Draghis Worte von einer Konferenz in Bologna am Wochenende sind Ausdruck von Sachlichkeit und verdienen es, hier veröffentlicht zu werden. Außerhalb der EU zu sein, möge zu mehr Unabhängigkeit führen, aber nicht notwendigerweise zu größerer Souveränität. Das träfe auch auf die gemeinsame Währung zu. Ein Land müsse entscheiden, entweder von der EU geschaffene Regeln zu akzeptieren, um am gemeinsamen Markt teilzunehmen oder es müsse Verbindungen zu seinem größten Handelspartner lockern. Länder, die den Euro verlassen, wären dennoch von den geldpolitischen Schritten der EZB betroffen, was ihre eigenen Spielräume einschränkte. "Food for plenty of thought!"

Datenveröffentlichungen der letzten 24 Handelsstunden:

Der IFO-Geschäftsklimaindex kam per Februar noch einmal unter Druck. Der Index sank unerwartet stark von zuvor 99,3 (revidiert von 99,1) auf 98,5 Punkte (Prognose 99,0). Damit markierte der Index das schwächste Indexniveau seit Dezember 2014. Der Lageindex sank von 104,5 auf 103,4 Zähler (Prognose 103,9), während der Erwartungsindex von 94,3 auf 93,8 Punkte verlor (Prognose 94,2).

Laut finaler Berechnung sanken die Verbraucherpreise der Eurozone per Januar im Monatsvergleich um 1,0%. Im Jahresvergleich stellte sich ein Anstieg um 1,4% ein (Prognose 1,4%). Die Kernrate verharrte bei 1,2%.

Das Stimmungsbild - insbesondere in Deutschland - ist getrübt ob des Brexits als auch des im Raum stehenden Handelskonflikts mit den USA. Die Zurückhaltung im Investitionssektor als Folge der von den USA ausgehenden Verunsicherung der letzten zwölf Monate ist der entscheidende Katalysator dieser Stimmungslage. Sollten sich diese Risiken verringern oder sogar auflösen, sind erhebliche Aufholeffekte vor allen Dingen im Investitionssektor absehbar.

Es ist aber nicht alles so trüb, wie es gemacht wird. Die deutsche Bauwirtschaft hatte im Dezember so viele Aufträge wie noch nie zuvor erhalten. Es waren 7,3 Mrd. Euro, das war 10,3% höher als im Vorjahr. Mehr noch hat die deutsche Elektro- und Metallbranche im letzten Jahr einen neuen Exportrekordwert aufgestellt (Link). Vielleicht ist das Glas Wasser doch halbvoll?

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.1200 - 30 neutralisiert diese Bewertung.

Viel Erfolg!