Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1420 (07.28 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1338 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 113.02. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129.08. EUR-CHF oszilliert bei 1.1441.

In eigener Sache: TV-Studio

Wir freuen uns sehr, dass unser TV-Studio gestern auf "Jungfernfahrt" ging. Die Erstschaltung lief mit Dietmar Deffner bei Welt TV und wir bedanken uns für das doch beachtliche Zeitfenster von mehr als fünf Minuten.

Ansätze einer Entspannung:

Noch mehr freuen wir uns jedoch über die merkliche Beruhigung an der politischen Front, die die starke Risikoaversion an den Märkten ansatzweise einfängt und damit Raum für eine sachlichere Diskontierung der zukünftigen Cash-Flows an den Märkten erlaubt.

In der Folge konnten Aktienmärkte zulegen. An den Devisenmärkten kamen die Fluchtwährungen CHF und JPY unter leichten Druck. Der USD verlor leicht an Boden gegenüber dem Euro.

In den Handelskonflikt USA-China kommt Bewegung. Rechtzeitig vor den Midterm-Elections in den USA deutet sich Entspannung an. Das Timing ringt uns doch ein wenig Respekt ab.

US-Präsident Trump will laut Bloomberg bei einem Treffen mit Staatschef Xi Jinping beim G20-Gipfel in Argentinien Ende des Monats eine Lösung des Handelsstreits erreichen. Trump veranlasste die Erstellung eines Entwurfs für ein Handelsabkommen. Beide Staatschefs äußerten sich zuversichtlich, den Konflikt beizulegen.

Gerade weil die USA durch eine Fortsetzung der Handelskonflikte die Bedingungen für nachhaltiges Investment in den USA (erhöhte Inlandskosten durch Zölle) verschlechtern, war und ist ein Kompromiss unabdingbar, will man seitens der US-Administration nachhaltige Schäden für die eigene Wirtschaft verhindern helfen.

Die Weltwirtschaft darf sich darüber freuen, dass erstens China dank der US-Politik die Märkte weiter und schneller öffnet als es zu Jahresbeginn 2018 vorstellbar war.

Da ist durchaus ein "Danke" Richtung Washington angebracht, denn von dieser Öffnung profitiert Europa und der Rest der Welt. Das Maßnahmenpaket, das Peking als Gegenmaßnahme zur Stabilisierung Chinas veranlasst hat (300 Mrd. USD), wird zusätzlich zu der potentiellen Einigung positive Akzente für die Weltwirtschaft setzen.

Lehnen Sie sich einen Moment zurück.

  • China öffnet sich zügiger gegenüber der Welt. Damit ergibt sich ein besseres und belastbareres Konstrukt für die Weltwirtschaft.
  • Die US-Wirtschaft wird aller Voraussicht nach nicht dauerhaft durch die Zölle beschädigt.
  • Chinas unterstützende Maßnahmen setzen noch einen zusätzlichen unterstützenden Akzent für die Weltwirtschaft. Das ist mehr strukturelles Potential, als zu Jahresbeginn in den Analysen unterstellt werden konnte.

Auch die Nachrichtenlage bezüglich des Brexits darf Hoffnungen auf einen sinnvollen Abschied des UK aus der EU wecken.

Bei den Verhandlungen hat die EU laut FT einen Kompromiss zur Irlandfrage vorgeschlagen. Nach dem neuen Vorschlag soll vermieden werden, dass eine Zollgrenze durch die Irische See verläuft. Nordirland soll zur EU-Zollunion gehören und die EU-Standards durchsetzen. Das UK solle sich über eine Vereinbarung verpflichten, EU-Zölle auf Waren von außerhalb der EU zu erheben.

Das ist für einige Brexiteers weiter schwer verdaulich, aber der Ton der Brexiteers wurde zuletzt doch deutlich konzilianter, da die ökonomische Facette der Kraft des normativ Faktischen auch von diesen ideologisch geprägten Protagonisten nicht vollständig ignoriert werden konnte und kann.

Die Einlassungen des britischen Notenbankchefs über die hohe Verunsicherung bei den Unternehmen, aber auch die Schwäche des PMI des verarbeitenden Gewerbes, der mit 51,1 Punkten auf den tiefsten Stand seit Juli 2016 sank, sind jüngste Belege, die zu angemessener Sachlichkeit in Westminster und Whitehall verführen sollten.

Die aktuelle Anpassung der Bewertungen an den Finanzmärkten ist damit gerechtfertigt. Dennoch bleiben Probleme, beispielsweise die Haltung der Regierung in Rom. Ergo ist Euphorie fehl am Platz, Zuversicht aber gewährleistet.

Ein kurzer Blick auf den gestrigen Datenpotpourri:

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützung bei 1.1290 1.1320 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Viel Erfolg!

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