Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1648 (07:18 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1528 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 110.67. In der Folge notiert EUR-JPY bei 128.92. EUR-CH Foszilliert bei 1.1579.

Die EU bewegt sich ein Stückchen, also lebt sie noch! Das ist positiv. Entsprechend konnte der Euro leicht zulegen. Die EU hat sich auf eine Erklärung zu Flüchtlingsfragen geeinigt. Man vereinbarte unter anderem Flüchtlingszentren. Die Verteilung der Flüchtlinge wird laut der Erklärung eine Kür und keine Pflicht.

Das ist kein großer Wurf. Es war dennoch der größtmögliche Wurf. Ergo ist für Euphorie kein Raum. Es mag jetzt Raum für Ruhe in der CDU/CSU generiert worden sein. Die Dissonanz innerhalb der EU ist damit aber unverändert gegeben. Faktisch ist hier ein Schritt zu einem Europa der zwei Geschwindigkeiten eingeschlagen worden. Das muss aber noch viel weiter gehen, um die zum Teil markanten Fehler der Vergangenheit (Erweiterung losgelöst von Einstiegskriterien) in wichtigen Ansätzen zu heilen.

Fazit:

Gutmenschentum hin oder her, am Ende wird Europa gezwungen sein, deutlich zwischen Wirtschaftsflüchtlingen und wirklich Asyl suchenden Menschen zu differenzieren.

Die nivellierende Praxis der letzten mehr als 20 Jahre (großer Teil der anerkannten Asylsuchenden sind Wirtschaftsflüchtlinge) höhlte ansonsten das wertvolle reale Asylrecht, das Ausdruck des humanistischen Geistes Europas ist, aus. Das Risiko einer entzweiten europäischen Gesellschaft mit entsprechenden politischen Risiken darf nicht außer Acht gelassen werden.

Die Deutsche Bank hat den 2. Teil des US-Stresstests nicht bestanden. Laut Fed haben sich teilweise erhebliche Schwächen gezeigt. Die Tragweite der Folgen lässt sich derzeit nicht bewerten. Dieses Thema muss im Fokus bleiben.

Der Druck, der von den USA, aber auch weniger laut, dennoch nicht weniger effizient aus Europa, auf China bezüglich der Öffnung der Märkte ausgeübt wurde und wird, bringt Ergebnisse. China lockert Einschränkungen unter anderem in den Sektoren Banken-, Auto und Schwerindustrie. Die Liste mit Einschränkungen wurde von 63 auf 48 Sektoren verkürzt (gilt ab Ende Juli). Wir begrüßen diese Entwicklung, da sie Elemente für nachhaltige Entwicklungen für Wirtschaft und Märkte inkludiert.

Aus Italien erreichten uns gestern positive Nachrichten bezüglich der Staatsverschuldung. Im ersten Quartal wurde das in Prozent ausgedrückte Haushaltsdefizit auf den niedrigsten Wert seit dem 1. Quartal 2000 gedrückt (bezüglich der ersten Quartale). Das Haushaltsdefizit soll per 2018 von zuvor 2,3% auf 1,6% des BIP sinken.

Insgesamt ergaben sich von der Nachrichtenfront mit Ausnahme der Deutschen Bank Problematik positive Grundtendenzen.

Die Datenfront lieferte eine Vielzahl an Nuancen:

Japan setzte überwiegend positive Akzente. Die Arbeitslosenrate sank per Mai von zuvor 2,5% auf 2,2% (P. 2,5%). Das Verbrauchervertrauen verlor per Juni von 43,8 auf 43,7 Punkte. Bauaufträge gingen per Mai (J) um 18,7% nach zuvor +4,0% zurück. Neubaubeginne stiegen per Mai (J) um 1,3% (P. -6,1).

Das galt nicht für Deutschland: Per Mai sanken die heute früh veröffentlichten realen Einzelhandelsumsätze unerwartet im Monatsvergleich um 2,1% (Prognose. -0,5%). Im Jahresvergleich fielen sie um -1,6% (Prognose +1,8%) nach +1,0%. Das lässt sich nicht auf die Fußballweltmeisterschaft schieben ... Die deutschen Verbraucherpreise nahmen per Juni gemäß vorläufiger Berechnungen im Monatsvergleich um 0,1% und im Jahresvergleich um 2,1% zu.

Der Economic Sentiment Index der Eurozone setzte mit einem nur leichten Rückgang per Juni von 112,5 auf 112,3 Punkte (Prognose 112,0) leicht positive Akzente. Das Indexniveau ist damit weiter als hoch im historischen Kontext zu klassifizieren.

Aus den USA erreichten uns etwas schwächere Datensätze: Die Revision des BIP per ersten Quartal 2018 lieferte uns einen auf das Jahr hochgerechneten Wachstumsclip in Höhe von 2% (Prognose 2,2%). Der Kansas City Fed Composite Index sank per Berichtsmonat Juni von zuvor 29 auf 28 Punkte.

Beide Daten sind etwas schwächer, aber nicht ansatzweise kritisch bezüglich der quantitativen Betrachtung.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert, sofern das Unterstützungsniveau bei 1.1490 - 1.1520 nicht unterschritten wird.

Viel Erfolg!

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