Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0440 (06:02 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0391 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 129,44. In der Folge notiert EUR-JPY bei 135,14. EUR-CHF oszilliert bei 1,0463.

Die Finanzmärkte mäandern weiter auf den zuletzt bekannten Niveaus. Mutige Protagonisten können darin bei Risikoaktiva einen Bodenbildungsprozess erkennen wollen.

Aktienmärkte waren in den letzten 24 Stunden wenig verändert. Der Euro konnte etwas an Boden gewinnen. Das hat durchaus Gründe. Der französische Notenbankchef Villeroy hat seine Sorge über die Auswirkungen der Euro-Abwertung auf die Inflation Ausdruck verliehen. Er sagte, ein zu schwacher Euro würde dem Preisstabilitätsziel der EZB zuwiderlaufen. Man würde die Wechselkursentwicklung sorgfältig beobachten, da sie ein wichtiger Treiber für importierte Inflation sei. Zusätzlich nähert sich der EUR gegenüber dem USD der „Diskomfortzone“ der US-Notenbank, die bei 1,00 – 1,03 angesiedelt sein dürfte (anekdotische Evidenz), denn ein zu starker USD verschlechtert die Exportchancen der USA.

Abstrakt gesagt nähert sich die Bewertung des Euros Niveaus an, die aus politischer Sichtweise seitens der EZB und der Fed als wenig tolerierbar gelten. „Food for thought“ insbesondere für Devisen-Absicherungen von Exporten seitens der Wirtschaft der Eurozone.

Gold stand gestern unter starkem Druck und sackte bis zu 1.795 USD pro Unze, um sich dann zügig auf mehr als 1.820 USD pro Unze zu erholen.

Der Preis, den die Welt für die Ukrainekrise bezahlt ist hoch. Er wird deutlich an den gestutzten Wirtschaftsprognosen und den erhöhten Inflationsprognosen der EU, die gestern vorgestellt wurden. Das BIP der Eurozone soll nun um 2,7 % zulegen. Bisher lag die Prognose bei 4,0 %. Die Preisinflation der Eurozone wurde von zuvor 3,5 % auf 6,1 % revidiert. Für Deutschland liegt die BIP-Prognose nun bei 1,6 % nach zuvor 3,6 %. Die Inflationsprognose wurde von 3,7 % auf 6,5 % angepasst.

Aber es gibt wegen des immer höher ausfallenden Preises erste Widerstände. Ungarn verhindert derzeit das sechste Sanktionspaket gegen Russland. Die Türkei will Schweden und Finnland den NATO-Beitritt verwehren. Bundeskanzler Scholz warnt vor der Eskalation der Krise. An dieser Stelle habe ich eine Frage: Wenn wir immer weiter sanktionieren, eskalieren wir dann damit?

EU-Kommission - Verschuldung im Euro-Raum bleibt trotz Abebben hoch

Trotz der Kosten in Folge des Ukraine-Kriegs lässt die Verschuldung in der Eurozone nach Einschätzung der EU-Kommission nach.

Kommentar: Das mag zunächst hinsichtlich der aktuellen Kameralistik vertretbar sein, aber deckt es das im Raum stehende Risikocluster ab? Vor diesem Hintergrund liefert die Kommission hier aus meiner Sichtweise eine bemerkenswert oberflächliche Einschätzung!

Das Staatsdefizit im gesamten Währungsraum soll laut Annahmen der Kommission per 2022 auf 3,7 % und per 2023 auf 2,5 % sinken. Im ersten Corona-Jahr 2020 war das Staatsdefizit wegen der Finanzhilfen hinsichtlich der Corona-Pandemie stark auf sieben Prozent angezogen. Im letzten Jahr kam es zu einer Reduktion auf 5,1 %. Die Schulden im Verhältnis zum BIP dürften laut Prognose in der Eurozone per 2022 auf knapp 95 % des BIP und 2023 auf circa 93 % des BIP fallen. Das wäre weiter über dem Niveau vor der Corona-Krise. In der Spitze lag die Schuldenstandquote im Verhältnis zum BIP im Jahr 2020 bei einem Rekordwert in Höhe von 99,2 %. 2021 kam es zu einem Rückgang auf gut 97 %.

Wie begründet die Kommission ihre Prognosen: Die Kommission erwartet, dass ein starker Arbeitsmarkt und das Hochfahren der Wirtschaft nach der Corona-Krise die Volkswirtschaften unterstützen würde und in der Folge dazu beitragen würde, die Staatsverschuldung und die Defizite zu senken.

Kommentar: In der Tat wäre das sicherlich so, wenn es den 24. Februar nicht gegeben hätte.

Die Kommission räumt ein, dass die Euro-Länder verschiedene Pakete geschnürt hätten, um Firmen und Verbraucher seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine von den stark gestiegenen Energiepreisen zu entlasten. Auch trieben Hilfen für Geflüchtete aus der Ukraine die Staatsausgaben nach oben.

Kommentar: Korrekt und ein Ende dieser Ausgaben ist nicht absehbar. Die Kommission verzichtet darauf, existentielle Risiken für Europa zu benennen (Gasembargo, Stillstand der Ökonomie), die im Raum stehen und zu fatalen Entwicklungen der Staatshaushalte führen können. Sie verzichtet darauf, das Thema Konkurrenzfähigkeit der Eurozone nach der Teilung der Welt durch die Sanktionspolitik zu adressieren (hinsichtlich mittel- und langfristiger Projektion). Alle diese Themen sind relevant für die Projektionen der Staatsverschuldung. Mehr noch sind es ausschließlich negative Vorzeichen, die den Wirtschaftsstandort international belasten würden.

Wir nehmen die Einlassungen der Kommission zur Kenntnis.

Habeck optimistisch zur Zahlungsabwicklung von russischem Gas

Bundeswirtschaftsminister Habeck hat sich optimistisch gezeigt, dass die Zahlungsabwicklung der anstehenden Gas-Rechnungen mit Russland keine Probleme verursacht.

Kommentar: Der Optimismus freut uns, denn die Gaslieferungen sind essentiell, dass Deutschland überhaupt funktionieren und leben kann. Wir brauchen Bestätigung.

Habeck geht davon aus, dass die Zahlungsabwicklung funktioniert und klappt. Soweit Gesprächskanäle mit russischen Firmen, mit Gazprom, da waren, sei das geklärt. Die Zahlungen würden im Einklang mit den Sanktionsbestimmungen der EU stehen. Die Unternehmen würden ihre Rechnungen in Euro bezahlen. Russische Banken könnten das Geld dann auf ein sogenanntes Konto "K" überführen. Dort könnte das Geld dann in Rubel von der russischen Seite getauscht werden.

Hintergrund: Russland/Gazprom hatte auf Rubelzahlungen bestanden und einen technischen Weg eröffnet. Jetzt in der zweiten Mai-Hälfte werden Rechnungen für deutsche Importeure fällig, es wird sich zeigen, inwieweit die Zahlungen akzeptiert werden.

Kommentar: Sollten die von Deutschland gewählten Modalitäten wider Erwarten Probleme bereiten, wird es kritisch für Deutschland und das gesamte Westeuropa (Lieferketten). Warum geht Polen diesen Weg nicht wenn dieser Weg akzeptiert wird?

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Das heutige Datenpotpourri unterstreicht die globalen Verwerfungen durch die Ukrainekrise. An ihnen wird deutlich, wer den Preis bezahlt (Europa und in Teilen USA). Es wird aber auch deutlich, wer überwiegend profitiert (Asien). Sofern die Corona-Beschränkungen in China eingestellt werden, sollte der asiatische Motor stärker anspringen. In Asien sollte Japan wegen der Sanktionspolitik gegen Russland jedoch im relativen Vergleich weniger stark performen.

Eurozone: Rekorde bei deutschen Großhandelspreisen und Devisenreserven der Eurozone

Die Handelsbilanz wies in der saisonal bereinigten Fassung per Berichtsmonat März ein Defizit in Höhe von 17,60 Mrd. EUR nach zuvor -11,30 Mrd. EUR (revidiert von -9,40 Mrd. EUR) aus. Hintergrund sind unter Anderem erhöhte Importpreise.

Die Devisenreserven der Eurozone erklommen per Berichtsmonat April einen neuen Rekordwert mit 1.144,22 Mrd. EUR nach zuvor 1.102,8 Mrd. EUR.

Die deutschen Großhandelspreise legten per April im Monatsvergleich um 2,1 % nach zuvor 6,9 % zu. Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 23,8 % nach zuvor 22,6 %. Das war ein neuer Rekordwert in der uns bis März 1969 vorliegenden Historie dieser Datenreihe.

USA: New York hat den „Blues“ im Verarbeitenden Gewerbe

Der New York Fed Manufacturing Index brach per Berichtsmonat Mai von zuvor 24,60 auf -11,60 Zähler ein. Die Prognose lag bei 17,0 Punkten. Damit wurde das tiefste Niveau seit Mai 2020 markiert.

Thailand: BIP etwas besser als erwartet

Das BIP stieg per erstem Quartal 2022 im Quartalsvergleich um 1,1 % (Prognose 0,9 %) nach zuvor 1,8 %. Im Jahresvergleich kam es zu einer Zunahme um 2,2 % (Prognose 2,1 %) nach zuvor 1,9 %.

Indonesien: Starke Exporte

Per Berichtsmonat April nahmen die Exporte im Jahresvergleich um 47,76 % (Prognose 35,97 %) nach zuvor 44,36 % zu. Wichtige Exportgüter Indonesiens sind Steinkohle und Palmöl. Importe verzeichneten ein Plus im Jahresvergleich um 34,97 % nach zuvor 30,85 %. Der Handelsbilanzüberschuss stellte sich auf 3,25 Mrd. USD nach zuvor 4,53 Mrd. USD.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überschreiten des Widerstandsniveaus bei 1.0870 – 1.0900 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!