Externe Quelle: Postbank

Die Wirtschaft des Euroraums ist im 3. Quartal erstmals nach fünf aufeinander folgenden Rückgängen wieder gewachsen. Das Plus blieb mit 0,4% im Vorquartalsvergleich aber hinter unserer Prognose von +0,6% zurück. Sein Vorjahresniveau unterschritt das BIP noch um 4,1% nach einem Minus von 4,8% im 2. Quartal. Für unsere bisherige BIP-Prognose für das Gesamtjahr 2009 ergibt sich nach den heutigen vorläufigen Daten ein leichtes Abwärtsrisiko. Die EWU insgesamt hat im 3. Quartal aus der Rezession herausgefunden. Zugleich konnten auch die drei größten Mitgliedsländer positive Wachstumsraten verbuchen. In Deutschland erhöhte sich das BIP um 0,7%, in Italien um 0,6% und in Frankreich um 0,3%. Als enttäuschend ist dabei vor allem die Entwicklung in Frankreich zu werten, wo die Prognosen (PB Research: +0,7%; Consensus: +0,6%) recht deutlich verfehlt wurden. Deutschland blieb im 3. Quartal zwar auch geringfügig hinter den Erwartungen zurück (PB Research und Consensus jeweils +0,8%), dies wurde aber durch die leichte Aufwärtsrevision des 2. Quartals von +0,3% auf +0,4% kompensiert. Bezieht man die mittelgroßen und kleineren EWU-Länder, die erst teilweise Daten für Q3 vorgelegt haben, mit in die Betrachtung ein, so ergibt sich ein noch sehr uneinheitliches Bild der konjunkturellen Entwicklung. Spanien, Griechenland und Zypern verzeichneten immer noch eine schrumpfende Wirtschaftsleistung. Dagegen erzielten die Slowakei, Österreich und Portugal deutlich überdurchschnittliche Wachstumsraten. Detaildaten zum BIP werden sowohl für die EWU als auch für Deutschland erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. Für Deutschland hat das Statistische Bundesamt aber bereits Indikationen veröffentlicht, aus welchen Bereichen Wachstumsimpulse gekommen sind. Danach haben im 3. Quartal die Investitionen in Ausrüstungen und Bauten zugelegt. Ersteres weist darauf hin, dass sich die bessere Stimmung in den Unternehmen recht zügig in wieder zunehmenden Investitionen niederschlägt. Dies ist ein positives Zeichen für eine Fortsetzung der Erholung. Hinsichtlich der Bauinvestitionen ist allerdings zu vermuten, dass der hier vermeldete Zuwachs in erster Linie auf dem staatlichen Infrastrukturprogramm basiert, dessen Umsetzung im Sommer an Schwung gewonnen hat. Impulse kamen auch von den Exporten, die im Zuge der globalen Konjunkturerholung zulegen konnten. Im Gegenzug stiegen aber auch die Importe spürbar an. Der Nettoeffekt des Außenbeitrags dürfte damit gering gewesen sein. Die privaten Konsumausgaben sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes geschrumpft und haben damit das Wachstum gebremst. Trotz des deutlichen Zuwachses enthält die BIP-Entwicklung Deutschlands - vorbehaltlich der noch ausstehenden Detaildaten - auch den einen oder anderen Wermutstropfen. Die derzeitige Erholung basiert in erster Linie auf einer Verbesserung des globalen Umfeldes und auf den staatlichen Maßnahmen zur Konjunkturstützung. Die binnenwirtschaftliche Endnachfrage ohne den Staat ist dagegen gespalten. Von einem selbsttragenden Aufschwung ist unsere Wirtschaft damit noch weit entfernt.

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