Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1070 (07:10 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.0927 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 108.10. In der Folge notiert EUR-JPY bei 119.72. EUR-CHF oszilliert bei 1.0957.

Die Anpassung der BIP- und Inflationsprognosen bildete das Gerüst für die von der EZB verfügten Maßnahmen in der Zins- und Geldpolitik. Die EZB übertraf mit den Maßnahmepaketen die Erwartungen an den Finanzmärkten.

Die Inflationsprognose der EZB für das laufende Jahr senkten die EZB-Ökonomen auf 1,2 % (von zuvor 1,3 %). 2020 soll ein Anstieg der Verbraucherpreise von 1,0 % (zuvor 1,4 %) realistisch sein. 2021 wird ein Preisanstieg in Höhe von 1,5 % (zuvor 1,6 %) unterstellt. Mit Deflationsrisiken haben diese Niveaus nichts zu tun. Uns ist auch keine Lehre der Preisinflation bekannt, die das Ziel von zwei Prozent Preisinflation als unverrückbare Größe für Zentralbankpolitik definiert. "Food for thought!"

Die EZB rechnet mit weniger Wirtschaftswachstum im Euroraum im Prognosehorizont. Das BIP werde in diesem Jahr um 1,1 % (zuvor 1,2 %) und 2020 um 1,2 % (zuvor 1,4 %) wachsen. Die aktuellen Konjunkturdaten würden laut EZB eine länger andauernde Schwächephase andeuten. Die Risiken für den Konjunkturausblick überwögen.

Die EZB nimmt maßgeblich exogene Faktoren als Grundlage für eine mittel- bis langfristige BIP-Prognose, ohne auf die endogene Stärke der Ökonomie der Eurozone zu verweisen. Alle neuen Prognosen der EZB bewegen sich für 2019 und 2020 im Dunstkreis des Potentialwachstumspfads. Seit wann ist das Potentialwachstum Ausdruck einer Schwächephase? Das irritiert intellektuell! Mehr noch, fielen die durch die EZB nicht beeinflussbaren Risiken weg oder minimierten sie sich, mögen sich die Vorfestlegungen (siehe unten) der EZB als sportlich und unangemessen erweisen.

Darüber hinaus forderte Mario Draghi mehr nationales Engagement der starken Länder der Eurozone. Die EZB sieht insbesondere Deutschland bei der Stärkung der Konjunktur gefordert. Hier widersprechen wir nicht ansatzweise, aber bitte investiv, nicht konsumtiv!

O-Ton Draghi: "Es ist höchste Zeit, dass die Fiskalpolitik Verantwortung übernimmt." Damit kritisiert Draghi richtigerweise die Politik der Eurozone, die der EZB in den letzten zehn Jahren faktisch Herkulesaufgaben stellte, die sich am Rande des Mandats der EZB bewegten und weiter bewegen.

Damit gleitet der Blick auf den Maßnahmenkatalog, der von der EZB verfügt wurde:

  • Die EZB hat den Leitzins unverändert bei 0,00 % belassen.

  • Die EZB senke den Einlagensatz für Banken erwartungsgemäß von -0,4 % auf -0,5 %. Die EZB wird eine Staffelung ähnlich wie andere Zentralbanken einführen, um spezifische Druck wegen der Negativzinsen zu mildern.

  • Ab November wird die EZB monatlich Anleiheankäufe in einem Volumen von 20 Mrd. Euro tätigen.

  • Die Laufzeiten der Langfristkredite für Banken (TLTRO III) werden von zwei auf drei Jahre verlängert.

Diese Zinspolitik werde solange auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau fortgeführt bis das Inflationsziel von knapp zwei Prozent erreicht sei. Damit ergibt sich eine mittelfristige Vorfestlegung erheblichen Ausmaßes. Wir nehmen das Maßnahmenpaket der EZB zur Kenntnis.

Donald Trump weiter konziliant - vierter Baustein der Deeskalation

US-Präsident Trump könnte sich im Handelsstreit mit China ein vorläufiges Abkommen vorstellen. Er favorisiere aber eine weitergreifende Vereinbarung. Dieser Ansatz eines vorläufigen Abkommens, der die Hitze des eskalierten Streits milderte oder durch rationale Kühle ersetzte, ist der vierte Baustein in der seit drei Tagen währenden Deeskalation. Die bisherigen drei Bausteine waren:

  • Entlassung von John Bolton durch Trump.

  • Liste der Chinesen über Zollbefreiungen einiger Güterklassen

  • Verschiebung des Zeitpunkts der Erhöhung der Zölle durch Trump um zwei Wochen (Fenster der dann wieder aufgenommenen Verhandlungen)

Fakt ist, dass Handelsabkommen komplex sind. Das wird das UK nach dem Brexit noch spüren. Der Gedanke eines vorübergehenden Abkommens entbehrt nicht einer beachtenswerten Smartheit.

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Schwache Industrie - Athen setzt positiven Akzent

Die Industrieproduktion sank per Juli im Monatsvergleich um 0,4 % (Prognose -0,1 %). Der Vormonatswert wurde von -1,6 % auf -1,4 % revidiert. Im Jahresvergleich kam es zu einer Kontraktion um 2,0 % (Prognose -1,3 %) nach zuvor -2,4 % (revidiert von -2,6 %). In Griechenland sank die Arbeitslosenquote im 2. Quartal von zuvor 19,2 % auf 16,9 % und markierte damit den tiefsten Stand seit dem 2. Quartal 2011 (Höchstwert 27,8 % 2014). Per Berichtsmonat August sanken die Großhandelspreise Deutschlands im Monatsvergleich um 0,8 % und im Jahresvergleich um 1,1 % nach -0,1 %.

USA: Endogener Preisanstieg nicht unsportlich!

Die Verbraucherpreise legten im Monatsvergleich um 0,1 % zu (Prognose 0,1 %) nach zuvor 0,3 %. Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 1,7 % (Prognose 1,8%) nach 1,8 %. Die Kernrate der Verbraucherpreise (endogene Preisinflation und durch die Notenbank steuerbare Größe) stieg im Monatsvergleich um 0,3 % (Prognose 0,2 %). Im Jahresvergleich ergab sich eine Zunahme um 2,4 % (Prognose 2,3 %) nach 2,2 %. Damit wurde der höchste Preisanstieg seit 2008 verzeichnet. Das Defizit des Federal Budgets als Teilmenge der öffentlichen Verschuldung stellte sich per August auf -200 Mrd. USD (Prognose -195 Mrd. USD, Vorjahr -214 Mrd. USD) nach zuvor -120 Mrd. USD.

Russland: Positive Tendenz hält an!

Die Devisenreserven legten per Berichtswoche 6. September von zuvor 530,5 Mrd. USD auf 532,7 Mrd. USD zu und markierten damit den höchsten Stand seit Mai 2013.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1160 – 80 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!