Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1237 (07:15 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1200 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 107.72. In der Folge notiert EUR-JPY bei 121.05. EUR-CHF oszilliert bei 1.1071.

Der Inhalt des "Beige Bock" der Fed war nett, vielleicht auch galant, er war auf jeden Fall unterhaltsam, um dem sogenannten Mainstream einen Gefallen zu liefern. Ich bin gerne bereit, zu konstatieren, dass bezüglich des US-Macro-Surprise Index die Statements der Federal Reserve auf der Basis der angreifbaren Methoden der US-Statistik (sportlich hedonisch geprägt!) sachliche Grundlagen haben, dass ein gemäßigtes Wachstumstempo vorliege. Stärker diskutieren darf man das Statement, dass die Aussichten positiv seien.

Die im "Beige Bock" obwaltende Sichtweise ist auf den Moment abgestellt und hat das Ziel, an den US-Finanzmärkten Stabilität zu implementieren, denn der Verlauf der US-Konjunktur ist in den USA viel stärker von der Bewertung der Vermögensgegenstände abhängig als anderswo.

Dieses Geschäftsmodell der USA nennt sich "Asset-Driven Economy" (klassisches Modell "Income-Driven Economy") . Aus diesem Grunde gibt es auch die Working Group on Financial Markets (umgangssprachlich "Plunge Protection Team"), die 1987 nach dem Crash unter Präsident Ronald Reagan gegründet wurde. Dort sitzen die Kräfte zusammen, die sich eigentlich gegenseitig kontrollieren sollten, um gemeinsame Aktionen zu organisieren. Passt das zu freien Märkten?

Dort sitzen die US-Treasury, die US-Zentralbank, die US-Aufsichtsbehörden und die bedeutenden US-Banken der Wall Street an einem Tisch, um gemeinsam zu agieren, Bewertungen an Märkten aufrecht zu erhalten.

Hinsichtlich des positiven Grundtons im "Beige Bock" muss man fragen, warum das Thema Zinssenkungen gleichzeitig von der Fed gespielt wird? Das hat hochqualitative Gründe, die nachfolgend angeführt werden.

Faktencheck:

  • Das US-Wachstum basiert maßgeblich auf Kredit, nicht maßgeblich auf wiederkehrenden Einkommen (Asset-Driven versus Income-Driven Economy).
  • Selbsttragende Elemente sind bei einer Neuverschuldung von 4,5% des BIP für 2,0%-2,5% Wachstum nicht gegeben. Diese Daten sind prekär.
  • Die Konsumverschuldung nimmt latent zu und markiert monatlich neue historische Höchststände. Anders ausgedrückt ist der hohe Konsumanteil der US-Wirtschaft (knapp 70% des BIP korreliert mit Konsum) anfällig.
  • Die US-Zoll- und Sanktionspolitiken belasten den US-Standort mit Kosten. Die Sanktionen und Zölle wirken nachhaltiger Investitionstätigkeit in den USA quantitativ (Kosten) und qualitativ (Absatzmärkte, Sicherheit der Einkaufslogistik) entgegen. Tendenziell wird damit der Kapitalstock nicht gefördert, sondern geschmälert (siehe Einlassungen der US-Unternehmerverbände).
  • Die US-Zoll- und Sanktionspolitiken als auch die US-Geopolitik erodieren sukzessive den Leitwährungsstatus der USA, der bisher verhinderte, dass die Mechanismen der schwachen Strukturdaten angemessen diskontiert wurden.
  • Mit der aggressiven Form der US-Geo- und der US-Handelspolitiken isolieren sich die USA politisch, was über die politische Achse zusätzlich den Leitwährungsstatus des USD erodiert.

Auch im Bereich der Betrachtung der Gewinnentwicklung der Unternehmen in unterschiedlichen Regionen der Welt ergibt sich keine überbordende Attraktivität.

China und Russland liegen vorne ...

   

    

Fazit: Wir nehmen die Signale des "Beige Bock" der Fed zur Kenntnis und verweisen auf die Kraft des normativ Faktischen, die bisher unzureichend diskontiert ist.

Datenpotpourri:

Eurozone:

Laut finaler Berechnung legten die Verbraucherpreise per Juni im Monatsvergleich um 0,2% (Prognose 0,1%) und im Jahresvergleich um 1,3% (Prognose 1,2%) zu. Die Kernrate stieg im Jahresvergleich um 1,1% nach zuvor 0,8%. Die Bautätigkeit per Mai enttäuschte mit einem Rückgang auf Monatsbasis um 0,27% nach zuvor -1,70% (revidiert von -0,81%).

USA:

Neubaubeginne fielen per Juni im Monatsvergleich um 0,9% auf 1,253 Mio. Objekte (annualisierte Darstellung). Die Prognose lag bei 1,261 Mio. Neubaubeginnen. Die Baugenehmigungen gingen im Monatsvergleich um 6,1% auf 1,220 Mio. zurück (annualisierte Darstellung) und markierten den tiefsten Wert seit Sommer 2017. Die Prognose lag bei 1,300 Mio. Genehmigungen.

Japan:

Der Reuters Tankan Index sank per Juli von 6 auf 3 Punkte und markierte den schwächsten Wert seit August 2016. Der Handelsbilanzsaldo stellte sich per Juni auf 589,5 Mrd. JPY nach zuvor -968,3 Mrd. JPY. Exporte sanken per Juni um 6,7% (Prognose -5,6%) und Importe um 5,2% (Prognose - 0,4%) im Jahresvergleich.

Russland:

Die Einzelhandelsumsätze nahmen per Juni im Jahresvergleich um 1,4% nach zuvor 1,4% zu (Prognose 1,0%). Die Arbeitslosenrate fiel per Juni von zuvor 4,5% auf 4,4% und markierte den tiefsten Wert seit vor 1993 (wir haben keine längere Historie). Reale Löhne stiegen per Juni im Jahresvergleich um 2,3% nach zuvor 1,6%.

Conclusio:

Sowohl zuletzt in China als auch in Russland sind die Konjunkturdaten ungleich besser als im Westen. "Food for thought"!

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone 1.1100-30 negiert den positiven Bias des Euros.

Viel Erfolg!