Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0154 (05:43 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0073 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 136,99. In der Folge notiert EUR-JPY bei 139,08. EUR-CHF oszilliert bei 0,9929.

Finanzmärkte weiter nervös

Das Thema der Ukraine-Krise bleibt beherrschend. Mangelnde Anzeichen für eine Entspannung der Krise führen immer wieder zu verstärkter Risikoaversion. Versuche, an den Aktienmärkten einen Boden auszubilden sind zart erkennbar. Es fehlt aber an Durchschlagskraft.

Die Kapitalmärkte bleiben unruhig und volatil. Nach dem erheblichen Rückgang der Kapitalmarktrenditen in den USA und Deutschland bildet sich erkennbar ein Renditeboden aus. Aktuell liegt die Rendite der Bundesanleihe mit 10-jähriger Laufzeit bei 1,33 % und das Pendant der US-Treasury bei 3,09 %.

Der USD bleibt stark. Nachdem Fitch das Rating bei AAA bestätigte und den Ausblick von „Negativ“ auf „Stabil“ änderte, droht von dieser Seite kein Risiko für den USD. Das zeigt sich auch in der Bewertung der Edelmetallpreise. Gold notiert auf dem Niveau von August/September 2021.

Entscheidend für die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten ist die Frage, ob es tendenziell Entspannungssignale gibt. Eine weitere Eskalation der Krise würde insbesondere das europäische Versorgungsproblem massiv ausweiten. Das hätte Rückwirkungen auf das globale Lieferkettenproblem in bisher nicht gekannter Form, weil Europa für die Versorgung von Schlüsseltechnologien verantwortlich zeichnet (u.a. Anlagen- und Maschinenbau).

Auch das Thema der globalen Ernährungssicherheit würde an Dramatik gewinnen. Die Frage der daraus folgenden politischen Instabilitäten sollte nicht aus dem Fokus geraten. Sri Lanka liefert ein Beispiel, wenn Regierungen die Grundversorgung nicht sicherstellen. Die Bauernproteste in den Niederlanden, die jetzt auch anderenorts Raum greifen, mahnen.

G-20: Die Welt teilt sich

Das Außenministertreffen der G-20 Länder war für die G-7 Länder eine markante Ernüchterung. Es wird immer deutlicher, dass sich die G-7 Länder durch den Politikansatz im laufenden Jahr bereits isoliert haben. Das Risiko einer dauerhaften Teilung der Welt nimmt zu, unter der Kontinentaleuropa der größte Verlierer wäre (Hintergrund exportseitiges Geschäftsmodell).

Deutschland, die Realität schmerzt

Die Realität der Entwicklung des westlichen Sanktionsregimes gegen Russland schmerzt zunehmend. Die Ziele, einerseits Russland in die Knie zu zwingen und andererseits Russland international umfassend zu isolieren, sind zunächst nicht aufgegangen.

Im Gegenteil treffen die Sanktionen insbesondere Europa, allen voran Deutschland. Das Risiko, dass Deutschland der größte Verlierer dieses Konflikts nach der Ukraine wird, ist real und wird täglich greifbarer. Notfallmaßnahmen, die wir seit 1949 noch nie kannten, stehen heute im Raum. Die sekundären und tertiären Folgen (Investitionen, Arbeitsmarkt, Verarmung, politische Instabilität) dieser Krise werden weder politisch noch medial angemessen reflektiert. Derzeit steht Situationsmanagement vordergründig im Raum. Das ist nachvollziehbar, jedoch nicht ausreichend.

Wir leben in einem energetischen Zeitalter, ohne Energie geht nichts. Da Europa nur wenig eigene Rohstoffe hat, wird Europa immer abhängig sein, denn ohne Rohstoffe, egal welcher Art, geht auch nichts. Ob es sinnvoll ist, Rohstofflieferungen an die Moral der Länder zu binden, die uns beliefern, darf diskutiert werden. Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass Moralaspekte im bisherigen Diskurs beliebig angewandt wurden. Mehr noch gibt es nicht nur eine Moral, es gibt viele!

Aktueller Hintergrund der Äußerungen unseres Wirtschaftsministers ist die Sorge, dass Russland nach der Wartung der Nord Stream 1-Pipeline (Dauer zehn bis elf Tage) durch die Ostsee seine Gaslieferungen nach Westeuropa nicht wieder aufnimmt. Derzeit sind sie gedrosselt. Hintergrund war laut russischer Darstellung das Fehlen einer Turbine, die in Kanada gewartet, aber wegen des Sanktionsregimes nicht geliefert wurde. Dieses Problem ist nun behoben. Die Turbine kommt.

Die Sorge Habecks teile ich. Die Chance, dass dieses Szenario jedoch nicht eintritt, liegt in meinen Augen bei mehr als 50 %. Russland würde sich selbst mehr schaden, als nutzen. Bisher hat Russland seine Verträge eingehalten, soweit es das westliche Sanktionsregime erlaubte. So weit zum Hoffnungswert.

Zu Beginn des Sanktionsregimes wurde den deutschen Bürgern seitens unserer Regierung nicht das Szenario feil geboten, mit dem sie heute konfrontiert sind. Es gab sehr wenige Stimmen, die vor den Folgen dieser Politik warnten. Wenden wir uns den Nachrichten zu, die uns seit Freitag erreichten:

Angesichts eines möglichen völligen Stopps bei der Belieferung mit russischem Gas hat Bundeswirtschaftsminister Habeck vor einem „politischen Albtraum-Szenario" gewarnt. Die Regierung versuche sich mit ihren Maßnahmen auf das Schlimmste vorzubereiten, um genau dies zu vermeiden.

Kommentar: Herr Habeck, erst käme das ökonomische, dann das gesellschaftspolitische und zuletzt das politische Albtraum-Szenario. Sri Lanka liefert diesbezüglich Erkenntnisgewinn. Ich erinnere Sie an Ihre Worte zu Beginn des Sanktionsregimes, auch an Ihre Worte der letzten Woche, dass Sie noch auf eine weitere Runde Sanktionen gegen Russland Lust hätten. Die Lust der Bevölkerung und der Unternehmer sollten sie nicht außer Acht lassen, denn deren Interessen haben Sie zu vertreten.

Angesichts der stark steigenden Gaspreise warnte Habeck davor, dass es ohne weitere politische Flankierung eine zu starke soziale Spaltung geben würde.

Kommentar: Ja, diese Erkenntnis ist richtig. Kann ein strukturelles Problem wegsubventioniert werden?

Verbraucherschutzministerin Lemke kündigte ein Moratorium für das Abstellen von Strom und Gas an, sollte die Bundesnetzagentur den Energieversorgern erlauben, die erhöhten Preise an die Verbraucher weiterzugeben. Man müsse einerseits sicherstellen, dass die Versorger die Energieversorgung im Land aufrechterhalten können, andererseits dürfe niemandem in einer Krisensituation der Strom oder das Gas wegen Zahlungsverzugs abgestellt werden. Im Krisenfall müssten neue Hilfspakete her.

Kommentar: Der Staat sind wir alle (Thema linke Tasche, rechte Tasche). Sollte das strukturelle Energieproblem weiter forciert werden, kommt der Staat auch an seine Grenzen, insbesondere hinsichtlich der Sekundär- und Tertiäreffekte auf das zukünftige Steueraufkommen. Eliten sollten elitär sein …

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Frankreich mit Rekorddefizit in Handelsbilanz

Frankreich: Die Handelsbilanz wies per Mai ein Defizit in Höhe von 12,99 Mrd. EUR (Prognose -12,80 Mrd.) nach zuvor -12,72 Mrd. EUR aus und markierte das größte Defizit in der uns bis 1970 vorliegenden Historie der Datenreihe. Importe stellten sich auf 60,77 nach zuvor 59,81 Mrd. EUR, während Exporte bei 47,78 nach zuvor 47,09 Mrd. EUR lagen.

Italien: Die Industrieproduktion sank per Mai im Monatsvergleich um 1,1 % (Prognose -1,1 %) nach zuvor +1,4 % (revidiert von 1,6 %). Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 3,4 % (Prognose 4,0 %) nach zuvor 3,9 % (revidiert von 4,2 %).

USA: Arbeitsmarktbericht: „Household“ oder „Establishment Survey“ aussagekräftig?

Arbeitslosenrate U-1:

3,6 % (Prognose 3,6 %) nach 3,6 %

Arbeitslosenrate U-6 (vergleichbar mit Eurozone):

6,7 % nach 7,1 %

Beschäftigung außerhalb des Agrarsektors:

372.000 (Prognose 268.000) nach 384.000

Durchschnittslöhne (M/J):

0,3 %/5,1 % (Prognose 0,3 %, 5,0 %) nach 0,4 %/5,3 %

Wochenarbeitszeit:

34,5 Std (Prognose 34,6 Std.) nach 34,5 Std

Partizipationsrate:

62,2 % nach 62,3 %

 

Hinweis: Es gibt eine augenfällige Diskrepanz zwischen dem ADP Report und dem Report des BLS bei neu geschaffenen Stellen. Es gibt bei dem BLS zwei Umfragen, den „Household Survey“, demnach wurden 315.000 Jobs verloren und den „Establishment Survey“, demnach wurden wurden 372.000 Jobs generiert. Aus historischer Betrachtung nimmt der „Household Survey“ die Veränderungen am US-Arbeitsmarkt zeitnäher auf als der „Establishment Survey“.

Im US-Großhandel nahmen die Lagerbestände per Mai im Monatsvergleich um 1,8 % (Prognose 2,0 %) nach zuvor 2,0 % zu. Der Absatz im Großhandel stieg um 0,5 % (Prognose 0,9 %) nach zuvor 0,8 % (revidiert von 0,7 %).

Die US-Verbraucherkredite legten per Mai um 22,35 Mrd. USD (Prognose 31,9 Mrd. USD) nach zuvor 36,76 Mrd. USD (revidiert von 38,07 Mrd. USD) zu.

China: Preisentwicklung nicht prekär

Die Verbraucherpreise nahmen per Juni im Jahresvergleich um 2,5 % nach zuvor 2,1 % zu.

Die Erzeugerpreise stiegen per Juni um 6,1 % nach zuvor 6,4 %.

Russland: Versatz bei Preisinflation rückläufig

Die Verbraucherpreise nahmen per Juni im Jahresvergleich um 15,9 % (Prognose 16,1 %) nach zuvor 17,1 % zu. Das war der geringste Anstieg seit Februar (9,2 %).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überschreiten des Widerstandsniveaus bei 1.0870 – 1.0900 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!