Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0741 (06:03 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0698 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 126,98. In der Folge notiert EUR-JPY bei 136,40. EUR-CHF oszilliert bei 1,0279.

Die Finanzmärkte zeigten sich zuletzt risikofreudiger

Die Börsenampel hat ihre Rotphase verlassen und signalisiert nun eine Gelbphase. Der Ölpreis hat an Boden gewonnen. Hier liegt jedoch keine Monokausalität zugrunde. Die zarte Aussicht auf eine stabilisierte oder verbesserte globale Konjunkturlage spielt aber fraglos eine Rolle. Der USD hat in den letzten Tagen gegenüber dem Euro an Boden verloren. Nach der unerwarteten Zinssenkung in Russland von 14 % auf 11 % verlor der Rubel an Boden. Nach dem markanten Anstieg zuvor darf das hinsichtlich der erheblichen und unerwarteten Zinssenkung nicht verwundern.

Entscheidend ist die Frage, was zu der veränderten Wahrnehmung an den Märkten geführt hat. Die letzten Meldungen aus dem Umfeld der US-Notenbank implizieren, dass der US-Zinserhöhungspfad milder ausfallen wird, als es zuvor unterstellt wurde. Geopolitik hat den Pfad an den Finanzmärkten seit dem 24. Februar bestimmt. Die aktuelle Situation im Ukraine-Konflikt scheint, den Druck auf Kiew zu erhöhen, Verhandlungslösungen anzustreben. Das wird offensichtlich als für die Märkte unterstützend diskontiert. Zusätzlich ergab und ergibt sich bei Risikoaktiva ein erhebliches Potenzial für technische Korrekturen.

Als Fazit lässt sich ziehen, dass das aktuelle Preisgeschehen zunächst die Qualität einer Korrektur im „Bärenmarkt“ aufweist, die sich aus zart veränderten Modalitäten bezüglich der US-Zinsen als auch der Lage in der Ukraine-Krise und technischem Potenzial nährt. Eine Trendwende erforderte mehr Substanz dieser Modalitäten und im weiteren Prozess einer Unterfütterung durch Wirtschaftsdaten.

Bundesbankchef Nagel mit klaren Positionen

Die EZB hinkt den Entwicklungen im westlichen Zinserhöhungsprozess hinterher. Aus gutem Grund meldete sich unser Bundesbankpräsident zu Wort. Im Juni müsse es ein klares Richtungssignal geben. Im Juli sollte ein erster Zinsschritt erfolgen, weitere dann in der zweiten Jahreshälfte. Die Preisinflation werde noch eine Zeit andauern (exogener Einfluss). Staatsfinanzen dürften für die Politik der EZB nicht maßgeblich sein. Kommentar: Danke für den Klartext!

Habeck: Es bröselt und bröckelt

Bundeswirtschaftsminister Habeck will vor dem heute startenden EU-Sondergipfel einen langsamen Verlust der europäischen Einigkeit erkannt haben (Statement in Hannover). Er sagte, es finge schon wieder an zu „bröseln und zu bröckeln“.

Kommentar: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieser Prozess verstärkt, ist wegen der unterschiedlichen Kosten des Ukraine-Konflikts für die einzelnen Länder der EU und unterschiedlicher Grade des nationalen Selbstverständnisses als hoch einzustufen.

In diesen Kontext passt, dass aus EU-Kreisen verlautete, dass zunächst keine Einigung über ein geplantes Öl-Embargo gegen Russland erzielt worden sei. Potenzielle Lösungen liefern ein Bild, die EU-Ländern ungleiche Möglichkeiten bezüglich Versorgungssicherheit und Preisen bei der Energieversorgung eröffnen. Laut Insidern sieht ein Vorschlag vor, dass lediglich Öl-Lieferungen per Schiff vom Embargo erfasst werden sollen. Ungarn, die Slowakei und die Tschechische Republik könnten weiter Öl aus Russland per Pipeline beziehen.

Kommentar: In der EU geht es um Harmonisierung, hier wird offenbar Disharmonisierung erwogen. Die Stresszustände für die EU nehmen im Rahmen der Ukraine-Krise innerhalb der EU zu.

Australien warnt Pazifik-Inseln vor Sicherheitsabkommen mit China

Geopolitische Veränderungen finden nicht nur in Europa statt. China ist aktiv, im Pazifik wirtschaftliche und politische Schulterschlüsse mit Inselstaaten zu etablieren.

China hatte bereits mit den Salomonen Vereinbarungen getroffen. Chinas Außenminister hatte zuvor vor Verleumdungen und Angriffen gegen den mit den Salomonen geschlossenen Sicherheitspakt gewarnt. Er sagte, dieser Pakt ziele darauf ab, den Salomonen bei der Polizeiarbeit zu helfen und die Sicherheit chinesischer Bürger zu schützen. China hätte nicht die Absicht, dort eine Militärbasis zu errichten. Jetzt ginge es in die zweite Runde mit weiteren Insel-Staaten. Derzeit reist der chinesische Außenminister durch die Region. Er strebt ein umfassendes Abkommen mit zehn Inselstaaten über Sicherheit und Handel an und traf am Freitag auf Kiribati ein.

Die australische Außenministerin Wong hat vor dem Wochenende bei einem Besuch auf den Fidschi-Inseln vor den regionalen Folgen des Sicherheitspakts zwischen Pazifik-Inseln wie den Salomonen und China gewarnt. Die USA und ihre Verbündeten seien besorgt, dass sich China auch militärisch in der Region etablieren wolle. Als Reaktion auf die chinesischen Offerten an die Inselstaaten bemühen sich Australien und die USA um verstärkte Kontakte. So sagte Australiens Außenministerin, sie sei wenige Tage nach ihrer Vereidigung nach Fidschi gereist, um zu zeigen, welche Priorität die neue australische Regierung dem Pazifik einräume. Ihr Land respektiere selbstverständlich, dass diese Staaten selbst entschieden, mit wem sie eine Partnerschaft eingingen.

Kommentar: Das globale Umfeld ist in Bewegung wie selten zuvor. Die Ordnung vor dem 24. Februar ist ferne Vergangenheit. Die Ordnung der Zukunft wird derzeit generiert. Für Prognosen ist es zu früh.

Kanzler Scholz warnt

Zu diesem Thema einer sich ändernden Welt passen Einlassungen von Kanzler Scholz. Seiner Meinung nach könnten chinesische Kredite wegen fehlender Transparenz eine große Wirtschafts- und Finanzkrise in Entwicklungs- und Schwellenländern auslösen. Das würde dann sowohl China als auch den globalen Süden in eine große Wirtschafts- und Finanzkrise stürzen, unter der auch der Rest der Welt leiden würde. Scholz forderte ein, China zur Offenlegung der Kredite zu bewegen.

Kommentar: Es ist sicherlich ein Thema, das ernst zu nehmen ist. Hätte der Westen bei der BRI-Initiative sich von Beginn an beteiligt (ich setzte mich seit 2010 dafür ein), wäre die Transparenz-Lage anders und man hätte auch Einfluss auf die Gestaltung der Normen nehmen können. „Food for thought!“

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Kredite an Unternehmen Ausdruck von zunehmenden Stresszuständen?

Die Geldmenge M-3 stieg per April im Jahresvergleich um 6,0 % (Prognose 6,3 %) nach zuvor 6,3 %.

Kredite an private Haushalte legten per April im Jahresvergleich um 4,5 % nach zuvor 4,5 % zu.

Kredite an Unternehmen verzeichneten per April im Jahresvergleich eine Zunahme um 5,2 % nach zuvor 4,2 %.

USA: Verbrauchervertrauen auf niedrigstem Niveau seit 10/2011

Die persönlichen Einkommen stiegen per April im Monatsvergleich um 0,4 % (Prognose 0,5 %) nach zuvor 0,5 %, während die persönlichen Konsumausgaben um 0,9 % (Prognose 0,7 %) nach zuvor 1,4 % (revidiert von 1,1 %) zunahmen.

Gemäß finaler Berechnung stellte sich der Index des Verbrauchervertrauens nach Lesart der Universität Michigan auf 58,4 Punkte. Die Prognose und der vorläufige Wert lagen bei 59,1 Zählern. Damit markierte der Index den tiefsten Wert seit Oktober 2011.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überschreiten des Widerstandsniveaus bei 1.0870 – 1.0900 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!