Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1558 (07:27 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1537 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 110.72. In der Folge notiert EUR-JPY bei 127.98. EUR-CHF oszilliert bei 1.1534.

Die Stimmungslage bleibt grundsätzlich angespannt. Hinsichtlich der Risiken, die von der US-Handelspolitik ausgehen, ist das mehr als verständlich. Das Maß an Unberechenbarkeit, das uns aus den USA erreicht, ist erheblich und historisch betrachtet ungewohnt.

Bezüglich der US-Handelspolitik sind nachfolgende Gedanken unter Umständen hilfreich. Im November stehen in den USA die so genannten „Midterm Elections“ an. Dem Establishment ist es fraglos wichtig, diese Wahl erfolgreich zu gestalten. Bezüglich der Fragilität (Struktur/ Qualität/ Verschuldungsstände/ Leverage) des US-Aufschwungs und der Abhängigkeit des US-BIP vom Konsum (korreliert mit knapp 70% des BIP) stellt sich die Frage, wie sich die erwarteten weiteren Zinserhöhungen neben den inflationären Folgen der Zölle bei weiterer Eskalation auf den US-Konsumenten und US-Wähler auswirken werden? Werden damit die unterstützenden Folgen der US-Steuerreduzierung nicht untergraben?

Mehr noch führt der Reflex an den Finanzmärkten, den USD im Rahmen dieser Politik höher zu bewerten, zu einer Verschlechterung der Exportchancen der in den USA produzierenden Unternehmen. Dabei betreffen die Zölle nur ausgewählte Sektoren, die Bewertung des USD betrifft alle US-Exporte und verbilligt alle Importe! Anders ausgedrückt unterminiert die aktuelle Bewegung des USD (ggü. EUR-8% seit 1,25) das Ziel der aktiven US-Zollpolitik.

Vor diesem rationalen und ökonomischen Hintergrund ist eine massive Eskalation von einem Handelskonflikt hin zu einem offenen Handelskrieg in der Grundtendenz unwahrscheinlich. Aber wie rational ist Trump?

Fakt ist, dass wir bei der Trump-Administration auf 180% Kehrtwenden gefasst sein müssen. So mutierte in Trumps Wahrnehmung der böse Kim zu einem Busenfreund. So wurde die Familientrennung gestern per Dekret kassiert. Ergo darf es auch positive Überraschungswerte aus den USA geben, denn es mag in Washington die Erkenntnis reifen, dass die anvisierten Ziele ohne belastbare Partner kaum zu erreichen sind.

Die aktuelle Form der US-Politik zerstört aber genau diese Partnerschaften. Wie lange kann das gut gehen? Das Risiko, dass die USA am Ende wie “Kevin allein zu Haus (aber ohne Happyend)“ dastehen, ist nicht unerheblich.

Die Stimmungslage ist derzeit belastet. Daten und Fakten stehen dazu teilweise im sportlichen Widerspruch. Werfen wir einen Blick auf Veröffentlichungen der letzten 36 Stunden.

Eurozone:

• Der Geschäftsklimaindex Frankreichs verzeichnete per Juni einen Anstieg von 109 auf 110 Punkte (Prognose 108).

• Per Mai nahmen die deutschen Steuereinnahmen um 6,8% gegenüber dem Vorjahresmonat zu.

China:

• Chinesische Staatsfirmen haben ihre Gewinne in den ersten fünf Monaten um

22,1% auf 92 Mrd. Euro gesteigert.

Japan:

• Der von Reuters auf Monatsbasis ermittelte Tankan Index nahm per Juni von

zuvor 22 auf 26 Punkte zu.

Russland:

• Die Einzelhandelsumsätze Russlands stiegen im Jahresvergleich per Mai um

2,4% (Prognose 2,4%). Der Vormonatswert wurde von 2,4% auf 2,7% revidiert.

• Die Arbeitslosenquote sank per Mai von 4,9% auf 4,7% (Prognose 4,9%) und markierte den tiefsten Stand seit 1992!

• Reale Löhne legten per Mai um 7,3% (Prognose 7,5%) nach zuvor 7,6% zu (Verbraucherpreise zuletzt +2,4% im Jahresvergleich).

• Das BIP legte im Jahresvergleich per Mai um 2,1% (Prognose 1,1%) zu. Der

Vormonatswert wurde von 1,7% auf 2,2% revidiert.

Die gestern aus den USA veröffentlichten Daten passten geringfügig weniger in diesen positiven Kontext, sie stehen aber nicht im Widerspruch dazu.

Das US-Leistungsbilanzdefizit lieferte bezüglich der Erwartungshaltung unter quantitativen Gesichtspunkten positive Signale. Per 1. Quartal stellte sich das Defizit auf 124,1 Mrd. USD nach zuvor -116,2 Mrd. USD (revidiert von 128,2 Mrd. USD). Die Prognose lag bei 129,0 Mrd. USD.

Dennoch belegt der Chart, dass sich die Defizitsituation unter Schwankungen sukzessive seit 2014 verschärft hat.

Der Absatz zuvor bestehender Wohnimmobilien sank per Mai von zuvor 5,45 auf 5,43 Mio. Objekte in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung (Prognose 5,52 Mio.).

Der Chart belegt, dass die aktuellen Werte auf den Niveaus der Jahrtausendwende oszillieren. Die Erholung seit 2009 ist erkennbar.

Die Entwicklung der letzten sechs Monate mag eine Topbildung darstellen, denn das „Affordability Gap“ ist vor dem Hintergrund steigender Zinsen und der Entwicklung der Hauspreise über die letzten Jahre ernst zu nehmen.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert, sofern das Unterstützungsniveau bei 1.1490 - 1.1520 nicht unterschritten wird.

Viel Erfolg!

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