Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1375 (07:24 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1345 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 110.52. In der Folge notiert EUR-JPY bei 125.73. EUR-CHF oszilliert bei 1.1381.

US-Notenbankchef Powell traut der US-Wirtschaft 2019 ein solides Wachstum zu. Wir hören die Signale und verweisen auf unseren Jahresausblick, wo wir uns mit einer BIP-Prognose für die USA von nur zwei Prozent deutlich vom Mainstream (2,5%) abhoben und weiter abheben.

Wir verweisen an dieser Stelle darauf, dass die US-Statistik eine deutliche Qualität des Marketings aufweist (siehe "Endlich Klartext", kreative Inflationsberechnung oder wie man Inflation zu BIP-Wachstum macht) und damit das Wachstum im Vergleich zu anderen Wirtschaftsräumen überzeichnet, um sich in der Wahrnehmung an Märkten Vorteile zu sichern. Das wird anekdotisch durch den Verarmungsprozess in den USA und die Ungleichheit im US-System belegt.

Zurück zu Powell: "Man werde in der Zins- und Geldpolitik jedoch geduldig agieren." Es gebe widersprüchliche Signale zur Konjunktur. Letzterem stimmen wir zu. Im Zuge der Handelspolitik der US-Administration, die die Konkurrenzfähigkeit (Kostenaspekt) des US-Standorts schwächt, wäre alles andere eine profunde Überraschung. "Das Wachstum würde etwas geringer ausfallen als 2018." Man darf durchaus sagen, dass das "etwas geringer" deutlicher ausfallen kann, insbesondere wenn die US-Administration mit der EU Lust auf Handelseskalation empfinden sollte.

Dass man dann seitens des Offenmarktausschusses Geduld zeigen will, ist logisch und konsequent. Wir verweisen auf unseren Jahresausblick, wo wir maximal noch eine Zinserhöhung erwarten und im zweiten Jahresabschnitt eine Diskussion über US-Zinssenkungen für wahrscheinlich erachten.

Bundeskanzlerin Merkel hat vor einem Ausbluten der WTO gewarnt. O-Ton: "Wir wissen, wenn die Richterstellen in der WTO nicht besetzt werden, dann können keine Schiedsstellen arbeiten. Dies bedeutet ein Ausbluten und das muss verhindert werden." Hintergrund ist, dass die US-Regierung die Besetzung der Richterstellen verhindert.

Wir stimmen unserer Bundeskanzlerin voll umfänglich zu. Die WTO ist das "Sklelett", die Struktur (Aristoteles), die die globalisierte Wirtschaft mit "just in time" Lieferketten in der aktuellen Form ermöglichte und ermöglicht als auch trägt. Wer dieses Gerüst zerstört, legt die Hand an die Versorgungssicherheit der globalen Wirtschaft mit weitreichenden Folgen für politische Stabilitäten an.

Fraglos ist dieses Gerüst im Zeitverlauf auch anzupassen, denn Strukturen verändern sich in den Teilnehmerländern, die dann auch wieder Reformen in Institutionen erforderlich machen. Insofern sind einige Kritikpunkte der USA an der WTO sachlich nicht zu beanstanden. Sie sind bezüglich der Nachhaltigkeit der Institution WTO sogar zielführend. So weit, so gut!

Die aggressive Form der US-Attacke auf diese Institution WTO liefert jedoch eine Qualität, die Fragen bezüglich des Hintergrunds der US-Aktivität erzwingt. Der Angriff aus den USA auf die Institutionen, die historisch betrachtet Ausdruck des US-dominierten globalen Machtsystems waren, kann nur als ein Charaktermerkmal von Schwäche interpretiert werden.

Der Versuch der USA, strategisch Abstand vom Multilateralismus zu nehmen, um bilaterale Verabredungen zu erzwingen und dort gegenüber kleineren Ländern die relativ starke Machtposition auszuspielen (siehe Kanada, Mexiko), kann nicht anders interpretiert werden.

Hintergrund dieser neuen US-Gangart ist fraglos, dass die USA auf Basis der Kaufkraftpariäten mit circa 15% Anteil an der Weltwirtschaft (1980 circa 30%) deutlich hinter China zurückgefallen sind (19% Anteil am Welt-BIP) bei weiter fallender Tendenz in den USA und steigender Tendenz für China.

Das Selbstverständnis der USA war und ist es, das Weltgeschehen losgelöst von der ökonomischen Bedeutung zu bestimmen. In dem Rahmen sind die Abwendung vom Multilateralismus, dem Eingriff in Drittstaaten ohne Mandat (aktuell u.a. Energie Deutschland, Venezuela), der Politik des Regime-Change, dem Aufbau von Feindbildern (fing lange vor Trump an), der Nutzung der Geheimdienstinformationen und des militärischen Komplexes in der Tagespolitik Facetten dieser "Ideologie".

Wenn 85% der Welt (Welt ex USA) zusammenstehen, müssen wir uns um die Welt keine Sorgen machen. Die Welt kann ohne die USA, können die USA ohne die Welt? "Food for thought!"

US-Daten durchwachsen:

Die US-Neubaubeginne sanken unerwartet stark im Monatsvergleich um 11,2% von revidiert 1,214 (zuvor 1,256 Mio.) auf 1,078 Mio. Objekte in der annualisierten Darstellung (Prognose 1,250 Mio.). Damit wurde der geringste Wert seit September 2016 markiert. Dagegen nahmen die Baugenehmigungen unwesentlich von 1,322 auf 1,326 Mio. zu. Die Prognose lag bei 1,290 Mio. in der annualisierten Darstellung.

Die Preise der Wohnimmobilien stiegen laut Case/Shiller im 20 Städtevergleich im Monatsvergleich um 0,2% und im Jahresvergleich um 4,2% (Prognose 4,5%) nach zuvor 4,6% (revidiert von 4,7%). Damit kam es zum geringsten Anstieg seit November 2014. Der notorisch volatile Index des Verbrauchervertrauens des Conference Board wurde seinem Ruf gerecht. Der Index legte unerwartet stark von 121,7 (revidiert von 120,2) auf 131,4 Punkte zu (Prognose 124,7). Wir nehmen diese Entwicklung zur Kenntnis. Der Richmond Fed Composite Index stieg per Februar sportlich von -2 auf +16 Punkte.

Fazit:

Die harten US-Fakten überzeugen nicht, die Stimmungsindikatoren zeigen Reaktion auf die globalen Entspannungstendenzen.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.1200-30 neutralisiert diese Bewertung.

Viel Erfolg!