Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1212 (07:00 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1168 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 106.11. In der Folge notiert EUR-JPY bei 118.96. EUR-CHFoszilliert bei 1.0941.

Nach den jüngsten Erschütterungen durch die Maßnahmen der US-Regierung aus dem Handgelenk heraus Zölle über zehn Prozent auf US-Importe aus China auf ein Volumen von 300 Mrd. USD zu verfügen und China der Währungsmanipulation zu bezichtigen mit der Folge der Vernichtung von hunderten von Mrd. USD an den internationalen Finanzmärkten (Geiselhaft der Weltfinanzmärkte), erlaubt sich die "US-Elite" nun, ein wenig Hoffnungswerte zu streuen.

Ob die Motivation dazu aus der Erkenntnis ableitbar ist, dem Gemeinwohl der Welt oder aber schierem Eigeninteresse dienen zu wollen, kann nicht diskutiert werden, denn das Motto der US-Administration lautet "America first".

Anders ausgedrückt pressiert es in den USA offenbar. Die Folgen der US-Politik erreichen die Ökonomie der USA mittlerweile, da die Konsequenzen aus dieser US-Handelspolitik den eigenen Standort quantitativ (Kosten) und bedeutender qualitativ (Sicherung der Lieferketten, potentielle Absatzmärkte) belasten. Welcher CEO oder Aufsichtsrat kann vor diesem Hintergrund Investitionen in den USA verantworten?

Der so einfache Gewinn der "Handelsschlachten" gegen die kleinen Partner Mexiko und Kanada mag den Blick bezüglich des Schwergewichts China verstellen. Die EU hat ein größeres BIP als die USA, das sollte man in Brüssel nicht vergessen. Brüssel sollte den allzu häufig gepflegten "Sport" des weichen Einknickens bezüglich nicht vertretbarer Positionen der USA ausschließen, wenn die EU international, aber auch nach innen an Statur gewinnen will.

Die aus den USA angebotenen Hoffnungswerte sehen wie folgt aus:

• Der Gouverneur der Fed St. Louis Bullard hält weitere Zinssenkungen per 2019 für erstrebenswert. Hintergründe seien die sich abschwächende Konjunkturlage und der Handelskonflikt mit China.

• Laut Wirtschaftsberater Kudlow will Trump die Verhandlungen mit China fortsetzen. Man plane weiterhin, dass die chinesische Delegation im September komme. Trump sei offen für Änderungen bei den Zöllen, sofern die Gespräche positiv verliefen.

Zinssenkungen setzen fraglos in einem so sportlich verschuldeten Land wie den USA diskretionäre Mittel hinsichtlich der vorherigen Budgetierung frei. Aber können diese Maßnahmen die strukturellen Verschuldungsprobleme der USA im Sektor Staat, private Haushalte und Unternehmen heilen?

   

    

An Herrn Kudlow richten wir folgende Replik: Man kann vielleicht EU-Politiker oder verantwortliche Eliten in Mexiko und Kanada mit Arroganz, erpresserischen Methoden und faktischen Ultimaten zu willfährigen Verhalten stimulieren, aber kann man das mit Peking, Moskau und Teheran? Erfordert erfolgreiche Politik die Kunst der Diplomatie oder das Kanonenboot nach dem Muster Wilhelm II?

Fazit:

Die USA (Asset-Driven Economy) sind unter Zugzwang! Peking lässt sich nicht kujonieren! Die Gewährleistung von angemessener Augenhöhe seitens Washingtons und die Offenbarung einer Portion Demut wären hilfreich. Nur kennen die Lightizers, die Navarros, die Mnuchins und die Bannons neben Herrn Trump überhaupt diese Begrifflichkeiten vom Kontext her oder sind die gelieferten Hoffnungswerte nur Mittel, Finanzmarktfolgen des eigenen Handelns insbesondere für die USA zu nivellieren, da die US-Konjunkturlage stärker als andere Länder von den Bewertungen der Aktien und Immobilien abhängt ( = Asset-Driven Economy, Europa = "Income-Driven Economy")?

Zinssenkungen sind auch in anderen Ländern en vogue:

• Die Zentralbank Neuseelands senkte den Leitzins unerwartet von 1,50 % auf 1,00 % (Prognose 1,25%).

• Die Zentralbank Indiens hat den Leitzins von zuvor 5,75 % auf 5,50 % verringert. Der Produktionsfaktor Kapital wird perspektivisch billiger auf der globalen Ebene. Damit verändern sich die Diskontierungsfaktoren für alle Anlageklassen, unter anderem Aktien, Gold, Silber und Immobilien.

Das gilt umso mehr, als dass beispielsweise in Deutschland bei Staatsanleihen im gesamten Spektrum bis zu 30 Jahren Negativrenditen Realität sind. "Food for thought!"

Datenpotpourri:

Eurozone: Per Berichtsmonat Juni verzeichnete die deutsche Industrieproduktion einen Einbruch um 1,5% im Monatsvergleich (Prognose -0,4 %) nach +0,1 % im Vormonat (revidiert von 0,3 %).

Russland: Russlands Verbrauchreise legten per Juli im Jahresvergleich um 4,6 % nach zuvor 4,7 % zu.

Japan: Per Berichtsmonat Juli gingen die Devisenreserven Japans leicht von zuvor 1.322,3 Mrd. USD auf 1.316,5 Mrd. USD zurück.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.1020 - 40 negiert den positiven Bias des EUR.

Viel Erfolg!