Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1304 (07:09 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1274 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109.90. In der Folge notiert EUR-JPY bei 124.22. EUR-CHF oszilliert bei 1.1241.

Im Hinblick auf Planungssicherheit gibt es positive Akzente aus den USA. Der dem US-Justizministerium vorliegende Mueller-Bericht wirft US-Präsident Trump keine Verbrechen vor. Es hätte auch keine Verschwörung mit Russland gegeben. Ob die Demokraten sich mit diesen Verlautbarungen anfreunden können, sei dahin gestellt.

Die Möglichkeit, dass es jetzt offizielle Untersuchungen geben wird, die das Ziel haben, eine Verschwörung gegen Trump seitens der Demokraten nachzuweisen, ist nicht unerheblich. Spannung bleibt bei diesem Themenkomplex gewährleistet. Das Vereinigte Königreich ist in Aufruhr.

Die Öffentlichkeit bringt sich als Protagonist ein, nachdem die amateurhafte Politik in den letzten drei Jahren nur die Stärke des Versagens für sich in Anspruch nehmen durfte und darf.

Angeblich über eine Million Menschen gingen in London auf die Straße, um ein zweites Referendum einzufordern. Die Teilnehmer verwiesen unter anderem darauf, dass das ursprünglich nicht bindende Referendum über einen so verheißungsvollen Brexit und die jetzt zur Disposition stehenden Alternativen des Brexits nicht kompatibel seien. Was stimmt, das stimmt!

Noch stärker ist die "Revoke Article 50" Petition zu bewerten. Historisch einmalig haben mehr als fünf Millionen Menschen diese Petition signiert, um das Parlament zu zwingen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen (100.000 Unterschriften sind dafür erforderlich). Es wird offenbar, dass zwischen den Bürgern und den "elitären" Politikern eine recht fassbare Distanz besteht.

EVP-Spitzenkandidat Weber fordert vom britischen Parlament die Annahme des Austrittsabkommens.

Laut Medien ist May aufgefordert worden, einen Zeitplan für ihren Rücktritt zu definieren, um eine Zustimmung zum Austrittsabkommen zu ermöglichen. Die Melange aus Nachrichten und Fakten kann nur zu der Beurteilung führen, dass alles im UK möglich ist bezüglich des Brexits.

Der Schaden, den das UK für Europa durch diesen Prozess der letzten drei Jahre verursacht hat, ist erheblich. Eine zeitnahe Lösung ist vor diesem Hintergrund zwingend!

Denjenigen Kräften in Kontinentaleuropa, die glauben mit nationalstaatlichen Gebilden und eigenen Währungen im Rahmen von Kleinteiligkeit und außenpolitischer Bedeutungslosigkeit (Verteidigung der Interessen des Kapitalstocks - siehe aggressive Verhandlungen der USA zu Lasten Kanadas und Mexikos) attraktiv für den international operierenden Kapitalstock zu sein, wird mit dem Brexit eine Lehrstunde erteilt. So weit zur Abstraktion! Kann man in Kontinentaleuropa Abstraktion (Business of scale requires politics of scale) oder mag man lieber intellektuelle Inkontinenz?

EZB-Ratsmitglied Olli Rehn warnte am Wochenende vor Gefahren durch den Brexit. O-Ton: "Kurzfristig ist sicherlich der Brexit die größte Gefahr. Die Finanzmärkte scheinen da zu gelassen zu sein und das Risiko zu unterschätzen." Man habe seitens der EZB mit der Bank of England Vorkehrungen getroffen, um sicherzustellen, dass es im Falle eines ungeordneten Brexit nicht zu Turbulenzen komme (analog zu 2008).

Konjunkturrisken nehmen zu!

Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone sagte Olli Rehn: "Tatsächlich hat sich das Wachstum deutlich abgeschwächt, und wir müssen uns Sorgen um die Konjunktur machen." Er verwies auf die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Handelsstreit zwischen den USA und China. Rehn rechnet nicht mit einer Rezession in der Eurozone. Die EU hätte in ihren eigenen Handelskonflikten ihre Karten bisher gut gespielt, größere Verwerfungen mit China und den USA verhindert und mit Japan sogar ein neues Abkommen geschlossen.

Die Sentiment-Indices der Eurozone unterstreichen Rehns Konjunkturpessimismus für den Sektor des verarbeitenden Gewerbes.

So sank der von Markit ermittelte PMI für das Verarbeitende Gewerbe der Eurozone laut Erstschätzung per März von zuvor 49,3 auf 47,6 Punkte (Prognose 49,5). Mit Werten von deutlich unter 50 Punkten wird hier eine Rezession zum Ausdruck gebracht. Deutschland mit einem Rückgang von 47,6 auf 44,7 Zähler steht noch prekärer dar.

Der Index für den Dienstleistungssektor der Eurozone verlor von 52,8 auf 52,7 Punkte. Das entsprach der Prognose. Der Index Deutschlands kam stärker unter Druck. Er sank von 55,3 auf 54,9 Zähler (Prognose 54,8). Der Composite Index der Eurozone fiel von 51,9 auf 51,3 Punkte (Prognose 52,0). Mit Werten deutlich oberhalb der Marke von 50 Punkten bleibt es gesamtwirtschaftlich bei einer wirtschaftlichen Expansion der Eurozone (Deutschland 51,5 nach 52,8) bei rückläufiger Dynamik. Wir führen das aktuelle Ergebnis maßgeblich auf die aktuelle Unruhe um das Thema Brexit herum zurück.

Auch die Erstschätzungen von Markt für die USA konnten nicht überzeugen: Der Index für den Sektor des verarbeitenden Gewerbes sank von 53,0 auf 52,6 Punkte (Prognose 53,6). Der Index des Dienstleistungssektors ging von 56,0 auf 54,8 Zähler zurück (Prognose 56,0). In der Folge fiel der Composite Index von 55,5 auf 54,3 Punkte.

Positiv entwickelte sich in den USA der Absatz der zuvor genutzten Wohnimmobilien. Hier kam es per Februar zu einer Zunahme von 4,93 Mio. auf 5,51 Mio. Objekte in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung (Prognose 5,10 Mio.).

Dagegen ernüchterte das Federal Budget (Teilmenge des öffentlichen US-Haushalts) mit einem Haushaltsdefizit in Höhe von 234 Mrd. USD per Februar 2019 (Prognose -227 Mrd. USD, Vorjahr -215 Mrd. USD).

In den ersten beiden Monaten des Jahres 2019 lag das Defizit im Federal Budget um 59 Mrd. USD höher als 2018. Sieht so selbsttragendes Wachstum aus?

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Währungsrelation EUR/USD favorisiert. Erst ein Ausbruch aus der Bandbreite 1,1100-1,1520 eröffnet neue Opportunitäten.

Viel Erfolg!