Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1395 (07.28 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1372 US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 113.29. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129.10. EUR-CHF oszilliert bei 1.1442.

Geopolitik bleibt ein Belastungsfaktor für Wirtschaft und Märkte:

Die USA setzen heute die zweite Stufe ihrer Sanktionen gegen den Iran in Kraft. Die Ölindustrie des Irans soll damit markant belastet werden. Man läuft seitens Washingtons aber auch das Risiko, dass Ölpreise deutlich steigen könnten, sollte die OPEC und sollte Russland nicht die rückläufigen Lieferungen aus dem Iran kompensieren. Washington will mit den Maßnahmen die Regierung des Irans zwingen, ihre Atom- und Raketenprogramme aufzugeben. Implizit geht es Washington ein weiteres Mal um Regime-Change in einem Drittland und die eigenen geostrategischen Interessen in der Region.

Trump hatte im Mai das internationale Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt, obwohl dem Iran keine Brüche des Abkommens nachgewiesen werden konnten. Dieser US-Unilateralismus traf auf Widerstand im Westen ex USA. Die von der EU getroffenen Maßnahmen (u.a. Zweckgesellschaft) wirken zunächst nicht auf kurze Sicht. Der Iran steht erst einmal im "Regen". Fakt ist, dass dieses Thema Risikoaversion befördert.

Nachdem Trump von einem tollen Deal im Handelsstreit mit China schwärmte, setzte sein Wirtschaftsberater Larry Kudlow einen gegenteiligen Akzent und nahm dem Markt damit am Freitag einen guten Teil der aufkeimenden Risikofreude. Die US-Regierung arbeite bislang nicht an einem konkreten Plan für ein Handelsabkommen mit China, sagte Kudlow.

Ergo gab es hier auch eine Portion Wasser in den Wein.

Im Zuge des Handelsstreits zwischen den USA und China erreichen uns einerseits konziliante Töne, aber auch klare Positionierungen Chinas.

Zum Thema Konzlianz: China verspricht niedrigere Zölle und mehr Importe und verstärkt damit die Öffnung gegenüber den globalen Märkten. Die Volksrepublik wolle den Bildungs-, Telekom- und Kultursektor schneller für Investoren öffnen. Außerdem wolle China die Einfuhren kräftig steigern.

Zum Thema Positionierung: Die Regeln der WTO müssten geachtet werden. Die Länder dieser Welt sollten gegen Protektionismus vorgehen. Verstöße gegen geistige Eigentumsrechte müssten bestraft werden. In den Äußerungen des chinesischen Präsidenten Xi Jinping ist die Bereitschaft erkennbar, auf den Druck der USA zu reagieren.

Sollte es dennoch zu keiner Lösung in dem Handelsstreit kommen, bleibt festzustellen, dass sich durch die Maßnahmen Pekings für 85% der Weltwirtschaft optimierte Bedingungen im gegenseitigen Austausch ergeben werden, von denen die USA eben nicht profitieren. Dort bleiben einseitige Kostennachteile als Resultat übrig. Damit wären die USA schlussendlich isoliert.

Es gab hinsichtlich der kurzfristigen Risikolage weitere positive Nachrichten:

Premierministerin May kommt bei den Brexit-Verhandlungen mit der EU angeblich voran. May habe laut Sunday Times die Zusicherung erhalten, dass das UK nach dem Austritt in der Zollunion bleiben könne, um eine harte Grenze zwischen der britischen Provinz Nordirland und dem EU-Mitgliedsstaat Irland zu vermeiden. Die Gespräche mit der EU, die bereits weiter fortgeschritten seien als bekannt, sollten in einem 50 Seiten umfassenden Dokument festgehalten werden. Mays Kabinett werde morgen zusammenkommen, um über den Plan zu beraten.

Wir sind gespannt, wie man diesen Spagat des "out" und des "in" doch hinbekommen will, ohne seitens der EU zum Selbstbedienungsladen des UK zu werden (noch eine doppelte Extrawurst?).

Der Fokus der Realwirtschaft und der Finanzmärkte liegt auf den "Midterm Elections" in den USA. Bisher werden beide Kammern des Kongresses, Senat und Repräsentantenhaus, von den Republikanern gehalten. Sollte es hier zu Verschiebungen in den Mehrheiten zu Gunsten der Demokraten kommen, könnten sich damit Machtverluste für das Weiße Haus einstellen. Hinsichtlich des disruptiven Stils der Regierung Trump, könnte eine Verschiebung der innenpolitischen Machtachse von den Finanzmärkten durchaus goutiert werden.

Die Datenveröffentlichungen der letzten 24 Handelsstunden zeichneten mit zwei Ausnahmen ein positives Bild:

Wir beginnen mit den negativen Datensätzen: Der Einkaufsmanagerindex Chinas sank per Oktober von zuvor 53,1 auf 50,8 Punkte und markierte den niedrigsten Stand seit September 2017. Das US-Handelsbilanzdefizit stellte sich per September auf 54,0 Mrd. USD nach zuvor 53,6 Mrd. USD.

Ansonsten erreichten uns positive Datensätze aus Fernost: Per Berichtsmonat Oktober stieg der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor Japans von 50,2 auf 52,4 Zähler und erreichte den höchsten Stand seit April 2018. Per Berichtsmonat Oktober verzeichnete der Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors Indiens einen Anstieg von 50,9 auf 52,2 Punkte.

Der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor stieg in Hongkong im Oktober von 47,9 auf 48,6 Punkte und markierte den höchsten Wert seit April 2018. Das Niveau unter 50 Punkten bleibt dennoch kritisch.

Aus den USA erreichten uns grundsätzlich positive Datensätze: Die US-Arbeitslosenrate verharrte per Oktober bei 3,7%. Die Quote U-6 sank von 7,5% auf 7,4%. Die Beschäftigung außerhalb des Agrarsektors nahm um 250.000 Jobs zu (Prognose 190.000).

Der Vormonatswert wurde von 134.000 auf 118.000 revidiert. Die Partizipationsrate legte von 62,7% auf 62,9% zu. Der Auftragseingang der US-Industrie stieg per September im Monatsvergleich um 0,7% (Prognose 0,5%). Der Vormonatswert wurde von +2,3% auf +2,6% revidiert. Der Rückgang des ISM New York Business Conditions Index von 72,5 auf 69,8 Punkte ist unspektakulär, da das Niveau weiterhin als extrem hoch klassifiziert werden muss. Eher darf man hier sagen, dass der Rückgang Überhitzungsrisiken minimiert.

Fazit zum Datenpotpourri: Nachhaltige Konjunktursorgen werden hier nicht begründet.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützung bei 1.1290 - 1.1320 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Viel Erfolg!

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