Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1720 (07:22 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1653 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109.91. In der Folge notiert EUR-JPY bei 128.83. EUR-CHF oszilliert bei 1.1544.

Italien hat die letzten Tage Politik, Wirtschaft und Finanzmärkte beunruhigt. Gestern durften wir uns mit ersten Einlassungen der neuen italienischen Regierung beschäftigen.

Der neue Regierungschef Guiseppe Conte hatte folgendes zu vermelden: Man ist stolz auf die radikalen Veränderungen, die neue Regierung bringen wird.

Erst liefern, dann stolz sein, sofern es dann auch funktioniert.

Man will Schulden durch Wachstum verringern. Ein vereinfachtes Steuersystem wird angestrebt (Flat Tax) Das Wachstum muss über die Haushaltspolitik und öffentliche Ausgaben sichergestellt werden.

Das ist grundsätzlich eine gute Idee (Wachstum, Flat Tax), aber dafür muss man strukturell unbestechliche Wachstumstreiber (Strukturreformen) implementieren! Gießkannenpolitik der konsumtiven Art hat nicht gefruchtet und wird nicht funktionieren.

Öffentliche Schulden sind vollkommen tragbar, müssen aber durch Wachstum gesenkt werden.

Die Schulden sind tragbar, weil es die EZB gibt und die europäische Solidarität, die half die Refinanzierungskosten der Staatsschuld von mehr als 7% auf in der Spitze unter 2% zu reduzieren (Staatsanleihen mit 10 jähriger Laufzeit). Auch die umgesetzte Reformpolitik (Arbeitsmarktreform) spielte für die Staatsfinanzierung eine unterstützende Rolle. Diese Kausalität zu ignorieren, könnte fatale Folgen haben.

Die neue italienische Regierung hat laut Ministerpräsident Conte keine Pläne für einen Austritt aus der Euro-Zone.

O-Töne:

„Wir müssen es wiederholen. Den Euro zu verlassen, war nicht in der Diskussion und ist nicht in der Diskussion.“

„Europa ist unsere Heimat.“

„Italiens Interessen stimmen mit denen Europas überein.“

Die Solidaritätsadresse begrüßen wir. Konstruktive kritische Haltungen sind bezüglich des Zustands von EU und Eurozone zielführend, jedoch kein Populismus, der darauf abzielt selbstverschuldete Probleme auf fremden Schultern abzuladen.

In einer Sache sprach Guiseppe Conte dem Verfasser dieser Zeilen aus dem Herzen. O-Ton: „Werden westliche Diplomatie gen Russland öffnen.“

Es ist höchste Zeit, die verbindenden Gemeinsamkeiten zu erkennen und wahrzunehmen, um die Differenzen zu überwinden und gemeinsam Zukunft für die Ukraine, die wirtschaftlich sowohl von Russland als auch der EU abhängig ist, zu schaffen.

Die neue italienische Regierung von Ministerpräsident Giuseppe Conte hat die erste Hürde genommen. Im Senat gewann sie mit 171 zu 117 Stimmen eine Vertrauensabstimmung.

Fazit zu Italien:

Ansätze konstruktiver Kritik aus Italien an EU und Eurozone sind zu begrüßen, da die gegenwärtigen Strukturen nicht den Anforderungen auf Generationensicht genügen.

Die normative Kraft des Faktischen zwingt zur Anerkennung von Realitäten. Es gilt anzuerkennen, dass die Fehlentwicklungen in Italien nicht Schuld der EU oder Eurozone sind, sondern Ausdruck individueller Fehlsteuerungen in Italien sind.

Die europäische Solidarität, die Anker der Krisenbewältigung der letzten Jahre war, ist definitiv kein Gut, mit dem man despektierlich umgehen sollte.

Die Suppe, die der Markt zuletzt aufsetzte, wird nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wurde/ wird. Zuversicht ist angebracht, Euphorie ist fehl am Platz.

Zu diesem Thema passen auch die Einlassungen Herrn Weidmanns: Bundesbankpräsident Weidmann hat Paris und Berlin zum Schulterschluss auf dem Weg zu Reformen der Eurozone aufgefordert. Frankreichs Staatspräsident Macron hätte wichtige Impulse gegeben, die in Deutschland mit Wohlwollen als auch mit Skepsis aufgenommen worden seien. Weidmann betonte, die Bindung an die im EU- Vertrag festgelegten Regeln schließe eine Ausweitung von Gemeinschaftshaftung nicht grundsätzlich aus.m muss bei konstruktiver Position fraglos mit im Boot sein!

Zu den Wirtschaftsdaten der letzten 24 Stunden:

Den Erwartungen entsprechend bestätigten die von Markit ermittelten Einkaufsmanagerindices für den Dienstleistungssektor mit 53,9 und den Composite Index mit 54,1Punkten per Mai die vorläufigen Werte als auch die Prognosen.

Damit bleibt es bei solidem Wachstum in der Eurozone. Die martialischen Töne vom Chefvolkswirt Markits Chris Williamson über einen dramatisch verschlechterten Ausblick der Eurozone teilen wir nicht ansatzweise. Ganz im Gegenteil ist bezüglich der Anfechtungen durch US-Handels- und Geopolitik als auch der „heißen Suppe“ die bezüglich Italien angesetzt wurde, die Widerstandskraft in diesen Indices bemerkenswert.

Per April kam es bei den Einzelhandelsumsätzen der Eurozone zu einem Anstieg im Monatsvergleich um 0,1% (Prognose 0,5%). Gleichzeitig wurde der Vormonatswert von +0,1% auf +0,4% revidiert, so dass das aggregierte Ergebnis der letzten beiden Monate nahe dem Prognosewert ausfiel.

Irland reüssierte als Reformland in besonderem Maße. Der Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors legte per Berichtsmonat Mai von 58,4 auf 59,3 Punkte zu und markierte den höchsten Wert seit Januar 2018.

Die Einkaufsmanagerindices aus den USA setzten positive Akzente.

Der von Markit ermittelte Dienstleistungsindex legte per Mai von 55,7 auf 56,8 und der Composite Index von 55,7 auf 56,6 Punkte zu.

Der von ISM ermittelte Dienstleistungsindex verzeichnete per Mai einen Anstieg von 56,8 auf 58,6 Zähler.

Fazit zu Konjunkturdaten:

Abnehmende Wachstumsdynamik in der Eurozone, die nicht kritisch ist, und zunehmende Dynamik in den USA liefern hinsichtlich einer quantitativen Betrachtung ein Bild, das solides globales Wachstum spiegelt.

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Erst ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.1740 - 70 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!

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