Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,2275 (07:28 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,2250 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 107.80. In der Folge notiert EUR-JPY bei 132.30. EUR-CHF oszilliert bei 1.1974.

In der letzten Woche wurde der Fiscal Monitor des IWF veröffentlicht.

Die darin enthaltenen Botschaften sind von höchster Bedeutung bezüglich der Tragfähigkeit der Konjunkturzyklen, aber vor allen Dingen lässt sich die Frage der Nachhaltigkeit der Wirtschaftsmodelle daran in wesentlichen Teilen fest machen. In nachfolgender Tabelle geht es zunächst um die maßgeblichen Wirtschaftsräume des Westens.

Der Gesamthaushalt (undifferenziert) wird arrondiert mit strukturellen Haushaltsdaten (Aristotles). Der konjunkturell bereinigte Primärhaushalt sagt schlussendlich aus, ob ein Modell einer Wirtschaft eine innere Tragfähigkeit liefert.

Augenfällig ist, dass die Eurozone (seit Jahren) der Musterknabe im obigen Vergleich in allen Kategorien ist. Leider wird das kaum thematisiert - die USA stellen den Kern des Problems dar.

Bei den aufstrebenden Ländern bedarf es einer differenzierteren Betrachtung der einzelnen Kategorien.

Diese Länder haben grundsätzlich Aufholbedarf in wesentlichen Teilen ihrer Volkswirtschaften (Investitionen). Daraus ergeben sich andere Parameter in der Bewertung der Neuverschuldungsgrade auf allen Ebenen.

Es muss insbesondere eine sinnvolle Relation zu der erzielten oder erwarteten Wirtschaftsleistung gegeben sein, da der Markt aber auch die Wissenschaft die Korrelation Schulden im Verhältnis zum BIP im Fokus hat. Diese Sichtweise teilen wir. Zusätzlich bedarf es der Bewertung des Gesamtschuldenstands, um dann zu einem qualitativen Urteil zu kommen.

In der nachfolgenden Tabelle ergibt sich für die vier genannten Länder China, Russland, Indien und Brasilien eine sehr heterogene Lage, die sich aber bis auf eine Ausnahme homogen auflösen lässt.

Die im Vergleich zum Westen hohen Neuverschuldungsgrade über alle drei Parameter liefern für China keine, für Indien in Ansätzen kritische Aspekte.

Der IWF unterstellt für die Phase 2018/ 2019 in China ein Wachstum von 6,5% des BIP (IWF Economic Outlook 04/ 2018). Damit reduzierte sich das prognostizierte Neuverschuldungsniveau    die Staatsschuldenquote in Prozent der Wirtschaftsleistung. 2017 stand die Staatsschuldenquote Chinas bei 47,8% des BIP.

Gleiches gilt für Indien. Hier liegt der Mittelwert der BIP-Prognose für 2018/ 2019 bei 7,6%. Ergo implizieren die Neuverschuldungsquoten korreliert mit dem Wachstum reduzierte Staatsschuldenquoten    in    Prozent    des    BIP.    Hier    wiegt    die Staatsschuldenquote per 2017 jedoch schwerer. Sie stellte sich auf 70,2%.

Bei Brasilien, einem Land mit „implizierten Regime- Change“ (Rousseff, Lula versus „US-Boys“ Temer  &  Co.), ergibt  sich  eine andere Konstellation. Das vom  IWF antizipierte BIP-Wachstum von circa 2,4% des BIP per 2018/ 2019 steht in einem krassen Missverhältnis zu den Neuverschuldungsgraden, insbesondere dem Gesamthaushalt (-8,3%) als auch dem Primärhaushalt in der konjunkturell bereinigten Fassung (Schnitt 2018/ 2019 -7,4%). Brasilien Staatschuldenquote war 2017 laut IWF mit 84% des BIP kritischer als die drei anderen Länder.

Heraus ragt Russland mit seinen Haushaltdaten. Der IWF erwartet ein Wachstum von 1,6% in der Phase 2018/ 2019 bei einer faktischen Nullverschuldung  der öffentlichen Hand. Mehr noch stellte sich die öffentliche Verschuldung Russlands auf 17,4% des BIP per Ende 2017 laut IWF. Die Haushaltslage darf vor diesem Hintergrund als profund, als belastbar, als Chance interpretiert werden.

Fazit:


Bei den großen westlichen Wirtschaftsräumen nimmt die Eurozone bezüglich der Haushaltsdaten die stärkste Position ein. Daraus lassen sich Ableitungen über die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Expansion ziehen (auch Basis der wiederkehrenden Einkommen).

Die USA sind bezüglich der Haushaltslagen der kranke Mann der westlichen Welt. Die Frage der Belastbarkeit der zukünftigen Konjunkturentwicklung wird darüber hinaus bezüglich des historisch hohen Konsumverschuldungsniveaus (im Gegensatz zu der Eurozone) verstärkt.

Bei den aufstrebenden Ländern reüssieren China und Indien. Chinas“ One Belt  One Road“ Initiative ist und bleibt belastbar.

Die US-Versuche, Indien nach Möglichkeit von diesem Projekt zu isolieren, bewerten wir an dieser Stelle bewusst nicht.

Brasilien ist in dieser Betrachtung  der „kranke Mann“ im  interdisziplinären Vergleich. Die Strukturdaten verschlechtern sich.

Russland ist im Sektor dieser Strukturdaten in einer profunden Position. Russland nimmt unter den vier Ländern die Position der Eurozone im Sektor der großen westlichen Wirtschaftsräume ein.

Bei der Betrachtung dieser Strukturdaten lassen sich mehrere Schlussfolgerungen ziehen.     

Das Geschäftsmodell Kontinentaleuropas als Hort der „Hidden Champions“ passt strukturell zu dem Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok, Peking und Neu Delhi und darüber hinaus.

Wer sich nur auf den Westen kapriziert und damit eine Politik des Blicks in den Rückspiegel als zukunftsweisend verklärt, spielt mit dem Kapitalstock, der uns den aktuellen Wohlstand und die daraus resultierende politische Stabilität gibt.

Die Zukunft liegt im Osten! Europäische Politik hat sich Realitäten zu stellen!

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Währungsrelation EUR/ USD favorisiert. Erst ein Ausbruch aus der Bandbreite 1,2230 - 1.2560 eröffnet neue Opportunitäten.

Viel Erfolg!

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