Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1140 (06:59 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1071 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 108.60. In der Folge notiert EUR-JPY bei 120.97. EUR-CHF oszilliert bei 1.0943.

Federal Reserve:

Entsprechend der Markterwartungen hat die US-Notenbank das Leitzinsniveau unverändert bei 1,50 % - 1,75 % belassen. Eine Politik der ruhigen Hand wurde unter dem Verweis auf die positiven Arbeitsmärkte, maßvolles Wachstum und Preisinflation bei zwei Prozent in Aussicht gestellt.

Wir nehmen die auf positive quantitative Größen (es gibt auch negative Daten, z.B. Investitionen, Kapazitätsauslastung) und nicht qualitative Merkmale abstellende US-Verbalakrobatik des Offenmarktausschusses zur Kenntnis.

Wir pflegen ein, dass es kein Kunstwerk der Ökonomie ist, die eigene Wirtschaft zu "pimpen". Denn genau das machen die USA mit aggressiven öffentlichen Defiziten. Per November stellte sich die "Pimp my Economy" Rechnung auf sportliche 209 Mrd. USD. Selbsttragende Wachstumseffekte sind in der US-Ökonomie Mangelware. Das Wegschauen der Märkte ob dieser Daten ist ambitioniert. Es wird 2020 mehr US-Zinssenkungen geben, als bisher vom Markt unterstellt, denn die Konjunktur folgt der Struktur, pimpen hin und pimpen her.

Bank of Japan:

Werfen wir einen Blick auf Japan. Hier wurden gestern klare Worte gesprochen. Die Bank of Japan hat die wirtschaftlichen Auswirkungen des Handelskriegs der USA mit China im Fokus. Die daraus generierte Unsicherheit trübe die Aussichten laut BoJ ein. Die BOJ werde nicht zögern, zusätzliche Lockerungsmaßnahmen zu verabschieden. Die Divergenz zu den Aussagen aus Washington ist fassbar. Die BOJ hielt ihre Geldpolitik zuletzt (Oktober) erwartungsgemäß stabil. Ihr Ausblick wurde jedoch angepasst, um die Bereitschaft der Notenbank deutlicher zu machen, Zinsen weiter zu senken oder andere Maßnahmen zu verfügen.

Brasiliens Notenbank:

Gestern meldete sich auch noch die Notenbank Brasiliens zu Wort. Dort ist man im Zinssenkungszyklus weiter sportlich unterwegs und verfügte eine Zinssenkung um 0,50 % auf 4,50 %. Seit August kam es damit zu vier Zinssenkungen ausgehend von 6,50 %.

EZB:

Heute liegt das Augenmerk auf der EZB- Frau Lagarde führt ihre erste Ratssitzung. Wir erwarten eine Politik der ruhigen Hand. Frau Lagarde hatte zuletzt deutlich gemacht, dass sie den Rat stärker konsensual führen will. Daraus lässt ich ablesen, dass sie anders als Draghi auch offene Ohren für Falken im Rat haben wird. Das klingt vielversprechend.

Da die EZB im Senkungszyklus weit vorangeschritten ist, da man an dieser Stelle wissen sollte, dass der strukturelle Hintergrund viel besser als in den USA ist, da man sich unter Umständen auch mal Gedanken macht, dass der Investitionsgüterzyklus bei wachsender Weltwirtschaft nicht latent weiter rückläufig sein kann und weil man die Menschen in der Eurozone auch mitnehmen muss, ist eine Verschärfung der Negativzinspolitik und der quantitativen Maßnahmen anders als in den USA auf mittlere und auch längere Sicht unwahrscheinlich.

Sie ist nicht ausgeschlossen, denn die US-Geo- und Handelspolitik kann definitiv Stresszustände für die Weltwirtschaft verschärfen.

Ob die Schlachten, die die USA dabei unter Umständen gewinnen, geeignet sind, den Krieg zu gewinnen, sei dahingestellt. Die Begrifflichkeit Pyrrhussiege drängt sich auf.

UK-Wahlen: Wir freuen uns!

Im UK wird heute ein neues Parlament gewählt. Voraussichtlich werden die Konservativen von Premierminister Johnson die meisten Abgeordneten im neuen Unterhaus in London stellen.

Es ist aber unklar, ob die Brexit-Befürworter eine Mehrheit haben werden. Gemäß letzter verfügbarer Umfrage kämen die Tories auf 41 % und Labour auf 36 %. Ob diese Mehrheit der Stimmen für eine Mehrheit der Sitze reichen würde, sei dahingestellt.

Wie sind gespannt ob des Ergebnisses und gleichzeitig entspannt ob der Folgen. Die kontinentaleuropäische Wirtschaft hat sich vorbereitet.

Wir freuen uns perspektivisch auf die Produktionsstätten-Verlagerung aus dem UK nach Kontinentaleuropa im Falle des Brexits und sagen leise "Danke" nach London, denn er wäre das erste Mal, dass London etwas für den Kapitalstockaufbau Kontinentaleuropas täte.

Gerüchteküche:

Gemäß Insiderinformationen werden neue Zölle auf chinesische Konsumgüter am 15. Dezember in Kraft treten. Es geht um Importzölle im Volumen von 160 Mrd. USD. In den letzten Tagen hätten hochrangige US-Beamte die Erkenntnis gewonnen, dass die bisher verfügten Zölle nur einen leicht belastenden Einfluss auf die US-Wirtschaft gehabt hätten.

In diesen Kreisen geht man davon aus, dass die Zölle erhöht werden. Die Regierung werde erklären, dass eine Erhöhung richtig ist, da sie nicht schmerzhaft sein würde. Es ist faszinierend, wie in den USA der Diskurs maßgeblich über Quantität forciert wird, obwohl Strukturdaten dieser Position diametral entgegenstehen (Investition, Kapazität, öffentliche Haushalte).

Die Unberechenbarkeiten der US-Politik unterminieren die Basis für Investitionstätigkeit in den USA. Der Preis dieser Politik ist höher als er in Washington veranschlagt wird, viel höher.

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Keine neuen Erkenntnisse

Gemäß finaler Berechnung sanken die Verbraucherpreise Deutschlands per November im Monatsvergleich um -0,8 % und legten Im Jahresvergleich um 1,1 % zu.

USA: US-Haushaltslage prekär

Die Verbraucherpreise nahmen per November im Monatsvergleich um 0,3 % (Prognose 0,2 %) nach zuvor 0,4 % zu. Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 2,1 % nach zuvor 1,8 % (Prognose 2,0 %). Die Kernrate der Verbraucherpreise legte erwartungsgemäß im Monatsvergleich um 0,2 % nach zuvor 0,2 % zu. Im Jahresvergleich stellte sich der Anstieg um 2,3 % (Prognose 2,3 %) nach zuvor 2,3 % ein. Das Federal Budget als Teilmenge des öffentlichen Haushalts lieferte per November ein Defizit in Höhe von 209 Mrd. USD (Prognose -196,5 Mrd.) nach zuvor -134 Mrd. USD.

Japan: Schwach!

Die "Machinery Orders" sanken per Oktober im Monatsvergleich um 6,0 % (Prognose +0,9 %) nach zuvor 2,9 %. Im Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang um 6,1 % (Prognose -1,8 %) nach zuvor +5,1 %.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1160 - 80 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!