Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1034 (07:07 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1021 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109.18. In der Folge notiert EUR-JPY bei 120.48. EUR-CHF oszilliert bei 1.0975.

Die Finanzmärkte zeigen sich nervös. Dafür gibt es gute Gründe. Vergangenheitsbezogene Wirtschaftsdaten zeigen Schwäche, insbesondere im industriellen Sektor (siehe nachfolgendes Datenpotpourri). Die Sentiment-Indikatoren liefern dagegen zumeist positive Signale.

Das Thema Handelsdeal Peking/Washington zieht sich länger hin als antizipiert. Wir betonen, dass losgelöst von der lauten und vorlauten US-Verbalakrobatik längst Peking der bestimmende Part in dieser Auseinandersetzung ist. Lautstärke mag in Medien und der öffentlichen Wahrnehmung das Thema Sachlichkeit beeinträchtigen. Am bilateralen Verhandlungstisch bestimmt Sachlichkeit, da China anders als Kanada und Mexiko ein ebenbürtiger Staat ist (Größe des BIP).

Erstens bewegen sich die USA mit ihrer Sanktionspolitik losgelöst vom internationalen Regelwerk. Sie und nicht Peking sind der Paria.

Zweitens treffen die US-Handelsrestriktionen primär die US-Unternehmen und US-Verbraucher und sekundär China.

Drittens hat China Gegenmaßnahmen im Fiskalsektor (circa 300 Mrd. USD) und im monetären Sektor (Erhöhung der Liquidität um mehr als 300 Mrd. USD) als auch strukturell vorgenommen (Senkung der Import- und Exportzölle als auch Liberalisierung des Marktzugangs).

Letztere Maßnahmen haben eine positive Wirkung auf das Potentialwachstum von 85% der Weltwirtschaft (Welt ex USA). Dieser Aspekt ist global kaum thematisiert.

Der Druck auf die US-Regierung nimmt zu, da die Konsequenzen der US-Aggressionspolitik die USA immer stärker konjunkturell einholen.

In diesem Zusammenhang des Drucks auf die USA ergeben sich positive Implikationen im aktuellen Umfeld. Laut Politico will die Trump-Administration das angedrohte Auto-Zollregime gegen die EU noch einmal auf die lange Bank schieben. Es soll eine Verlängerung der Frist um sechs Monate geben.

Nun, es mag nicht klug sein, deutsche Autobauer, die die größten US-KFZ-Exporteure sind, zu schädigen. Unsere Automobilbauer sind faktisch ob dieser Fakten in einer Position der Stärke. Die Frage, ob sie diese Stärke nutzen, sei dahingestellt.

Es kann klug sein, Realität als Maßgabe der US-Politik anzuerkennen, nicht billige Narrative, die von maßloser US-Selbstüberschätzung (Hybris) geprägt sind!

Dazu wollen wir Ihnen Fakten bieten, die die Fragilität des BIP-Konstrukts belegen und damit auch faktisch die Schwäche der fundamentalen Position, von der die US-Aggression nicht nur gegen China ausgeht.

Anstieg der verfassungskonformen Verschuldung der USA seit Ende 2018 laut der US-Treasury "Total Public Debt":

  • 31. Dezember 2018: 21.974.095.705.790,55
  • 07. November 2019: 23.004.022.933.459,45
  • Zunahme um circa 1.030 Mrd. USD in 311 Kalendertagen.

Pro Tag ergab sich damit eine Erhöhung der Staatsverschuldung um mehr als 3,3 Mrd. USD. Diese Daten verdeutlichen den Mangel an selbsttragenden Kräften der US-Wirtschaft. Das wird noch markanter, wenn man die Aggregate der Konsum- und Unternehmensverschuldung in den USA zusätzlich berücksichtigt.

Pro Kalendertag bedurfte es basierend auf den bisher verfügbaren Daten einer Neuverschuldung in Höhe von 5.420 Mrd. USD, um ein Wachstum von gut 2% des BIP zu generieren. Sieht so endogene Stärke der USA aus? „Food for plenty of thought!“

Datenpotpourri der letzten 24 Stunden:

Eurozone: Besser als erwartet, aber nicht gut …

In Italien sank die Industrieproduktion per September im Monatsvergleich um 0,4% (Prognose -0,6%). Der Vormonatswert wurde von +0,3% auf +0,4% revidiert. Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um 2,1% (Prognose -2,1%) nach 1,7% (revidiert von -1,8%).

UK: Wackelig!
Im 3. Quartal stieg das britische BIP im Quartalsvergleich um 0,3% nach zuvor -0,2%. Im Jahresvergleich stellte sich der Anstieg auf 1,0% nach zuvor 1,3%. Per September nahm das BIP im Monatsvergleich um 0,1% ab. Im Jahresvergleich stellte sich eine Zunahme um 0,9% (Prognose 1,0%) nach 1,0% (revidiert von 1,1%) ein. Die Industrieproduktion fiel per Berichtsmonat September im Monatsvergleich um 0,3% (Prognose -0,2%) nach zuvor -0,7% (revidiert von -0,6%). Im Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang um 1,4% (Prognose -1,3%) nach -1,8%.

Indien: Sehr schwach!
Die Industrieproduktion sank im Jahresvergleich unerwartet stark per Berichtsmonat September um 4,3% (Prognose -2,0%) nach zuvor -1,4% (revidiert von -1,1%).

Mexiko: Schwach!
Die Industrieproduktion ging per Berichtsmonat September im Jahresvergleich um 1,8% nach zuvor -1,3% zurück.

Russland: Weiter erfrischend positiv!
Der Handelsbilanzüberschuss stellte sich per Berichtsmonat September auf 14,148 Mrd. USD nach zuvor 12,006 Mrd. USD.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1160 - 80 negiert den positiven Bias des USD.


Viel Erfolg!