Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0554 (05:35 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0515 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 134,80. In der Folge notiert EUR-JPY bei 142,28. EUR-CHF oszilliert bei 1,0111.

An den Finanzmärkten dominierte am Wochenschluss leichte Zuversicht. Aktienmärkte erholten sich nach den Verlusten der Vortage. Ölnotierungen stiegen. Gold und Silber konnten sich etwas befestigen. Die Zinsberuhigung am Kapitalmarkt konsolidiert sich (Bunds 1,44 %, Treasuries 3,16 %). So weit, so gut!

Das Umfeld für die Realwirtschaft und Finanzmärkte ist extrem herausfordernd. Viele Stimmungsindikatoren (siehe Datenpotpourri) konterkarieren Einlassungen der westlichen Politiker. Es wird immer offenbarer, dass die Konsequenzen des eigenen Handelns (Sanktionen) im Rahmen der Ukraine-Krise massiv unterschätzt worden sind.

Kommentar: Derzeit findet der G-7 Gipfel statt. Es zeichnet sich eine Grundtendenz ab, den Weg der Sanktionspolitik weiter fortzusetzen, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, wer die Sanktionen am Ende bezahlt. Die Tatsache, dass der Westen in der Sanktionspolitik isoliert ist, wird offensichtlich ausgeblendet.

G7-Staaten wollen russische Goldimporte verbieten

Die G-7 Staaten wollen russische Goldimporte wegen der Ukraine-Krise unterbinden. Im letzten Jahr erlösten die russischen Goldexporte circa 14,5 Mrd. Euro. Das Verbot würde in Kürze in Kraft treten. Zuvor exportiertes Gold russischer Herkunft sei davon nicht betroffen. Boris Johnson sagte, man müsse dem Putin-Regime die finanzielle Grundlage entziehen.

Kommentar: Wer kauft wohl dann das russische Gold? Wer kauft jetzt das russische Öl und russische Kohle? Kann man Moskau damit finanzielle Grundlagen entziehen? Nachdem die Sanktionspolitik im Feld der fossilen Brennstoffträger nach hinten losging und man sich außerhalb des Westens an Versorgungssicherheit und Discounts auf Weltmarktpreise erfreut, während sich in westlichen Ländern zunehmend existentielle Probleme zeigen, legt der Westen nun bei Gold nach, der Währung ohne Fehl und Tadel. Wird das Wirkungen mit sich bringen? Ja, die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Westen auch hier isoliert und schadet, ist erheblich.

G-7 oder BRICS: Wer hat Leverage?

In unseren Medien wurde wenig über den BRICS-Gipfel gesprochen, der gerade stattfand. Dort wird die Musik gemacht, ob wir wollen oder auch nicht. G-7 Nationen stehen für circa 770 Mio. Menschen. Die BRICS-Staaten vereinen mehr als drei Mrd. Menschen hinter sich. Die Global Times schrieb, die G-7 repräsentieren das letzte Jahrhundert, BRICS die Zukunft des 21. Jahrhunderts.

Xi Jinping äußerte, die Ukraine-Krise sei ein Alarmsignal für die Welt. Der Westen missbrauche Sanktionen, um Hegemonie zu erhalten. Russland kündigte verstärkte Kooperation mit den BRICS-Ländern an, mehr chinesische Autos in Russland, mehr indische Supermarktketten, während russisches Öl nach Fernost fließe und russische Kohle nach Indien exportiert würde.

Die Ersetzung des USD im gemeinsamen Handel war prominentes Thema. Die BRICS-Staaten wollen Veränderungen zu ihren Gunsten im UN-Sicherheitsrat. Menschenrechte dürften nicht mit zweierlei Maß durchgesetzt werden.

Kommentar: Die westliche Echokammer fokussiert sich auf G-7 Berichterstattung. Die Welt außerhalb des Westens (66 % des Welt-BIP Basis KKP, 88 % der Weltbevölkerung) schaut auf die BRICS-Staaten und die Entwicklungen im laufenden Jahr.

Der Amerika-Gipfel in den USA war ein Fiasko für die USA. Kein Land in Südamerika und in Afrika beteiligt sich an den westlichen Sanktionen. In Asien sind es nur Taiwan, Südkorea und Japan. Zeichnet sich hier nicht ein antiwestlicher Block ab? Was bedeutet das für Europa mit seiner Exportwirtschaft? Was bedeutet es für unsere gesellschaftspolitische und politische Stabilität?

Deutschland: Bundesnetzagentur warnt

Nach Ausrufung der Alarmstufe im Notfallplan Gas warnte der Präsident der Bundesnetzagentur vor erheblichen Preiserhöhungen. Derzeit würden die Gaspreissteigerungen des letzten Herbstes weitergegeben. Das seien zwischen 30 % - 80 %. Seitdem hätte sich der Gaspreis vervierfacht und inzwischen sogar versechsfacht. Das seien Preissprünge, die nicht alle an die Verbraucher weitergegeben würden, aber Verdoppelungen bis Verdreifachungen könnten durchaus drin sein.

Kommentar: Die Zahlen, die prognostisch vorgelegt werden, kennen Sie aus meinen Reports und Vorträgen seit Monaten. Diese erhöhten Kosten für private Haushalte (auch noch erhöhte Lebensmittelkosten) bergen das Potential in sich, gesellschaftspolitische Unruhen und in Folge politische Radikalisierungen zu forcieren.

Diese erhöhten Kosten sind für den Standort letal. Wir reden nicht nur von dem Risiko erhöhter Preise, sondern auch von erheblichen zukünftigen Arbeitsmarktrisiken, denn in der nicht westlichen Welt gibt es Versorgungssicherheit und niedrigere Preise. Ja, BRICS steht für das 21. Jahrhundert.

Habeck: Russland ist an Preisen schuld

Bundeswirtschaftsminister Habeck warf dem russischen Präsidenten Putin vor, mit hohen Gaspreisen Unsicherheit in Deutschland schüren zu wollen.

Kommentar: Herr Habeck, nein, nicht Putin macht die Preise, sondern die westlichen Sanktionen schneiden uns vom Markt ab und sorgen für die Verwerfungen und die Spaltung des internationalen Marktes zu unseren Lasten. Es ist an der Zeit, diese sinnentleerten Narrative aufzugeben. Unsere Bürger und unsere Unternehmen verdienen Realitätssinn hinsichtlich der existentiellen Bedrohungen für Deutschland und Westeuropa.

Zu den Fakten: Wo sanktioniert wird, brennt die Hütte. Ich zitiere aus den „Letzten Nachrichten“: Tokio: Die Regierung warnt vor Stromengpass und fordert zum Energiesparen auf. Paris: Versorger rufen zum Stromsparen auf.

Fazit: Die westlichen Vorstellungen bezüglich des Sanktionsregimes sind hinsichtlich der Folgen auf die Länder, die sanktionierten, vollständig falsch eingeschätzt worden. Was ist die Lösung? Noch mehr Sanktionen (jetzt auch noch Gold)? Kann der Westen solitär ohne den Rest der Welt erfolgreich sein? Was ist primäre Aufgabe von Regierungen, existentiellen Schaden für Bürger abzuwenden oder zu kreieren? Zu wiederholen, was nicht funktioniert, ist nicht Ausdruck von Intelligenz und Pragmatismus.

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: IFO-Index schwächer – Italien mit divergierenden Signalen

Deutschland: Der IFO-Geschäftsklimaindex sank per Juni von zuvor 93,0 auf 92,3 Punkte (Prognose 92,9). Der Lageindex stellte sich auf 99,3 (Prognose 99,1) nach zuvor 99,6 Zählern (revidiert von 99,5), während der Erwartungsindex von zuvor 86,9 auf 85,8 Punkte nachgab (Prognose 87,4).

Italien: Der Index für das Verarbeitende Gewerbe stieg per Juni von zuvor 109,4 (revidiert von 109,3) auf 110,0 Zähler (Prognose 108,5). Der Index des Verbrauchervertrauens sackte von zuvor 102,7 auf 98,3 Punkte (Prognose 102,5) und markierte den tiefsten Wert seit November 2020.

Großbritannien: Konsumklimaindex mit neuem Allzeittief

Der GfK Konsumklimaindex ging per Juni von zuvor -40 auf -41 Punkte zurück (Prognose -40) und markierte damit ein neues Allzeittief in der uns bis 1975 vorliegenden Historie.

Die britischen Einzelhandelsumsätze sanken per Mai im Monatsvergleich um 0,5 % (Prognose -0,7 %) nach zuvor +0,4 % (revidiert von +1,4 %). Im Jahresvergleich kam es per Mai zu einem Rückgang um 4,7 % (Prognose -4,5 %) nach zuvor -5,7 % (revidiert von -4,9 %).

USA: Verbrauchervertrauen auf historischem Tiefpunkt

Gemäß finaler Berechnung stellte sich der Index des Verbrauchervertrauens nach Lesart der Universität Michigan per Berichtsmonat Juni auf 50,0 Punkte (Prognose und vorläufiger Wert 50,2). Das Endergebnis von 50,0 Zählern stellt den niedrigsten Indexwert in der uns bis 1970 vorliegenden Historie dar (bisheriges Tief bei 51,70 Juni 1980).

Der Absatz neuer Wohnimmobilien stellte sich in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung per Mai auf 696.000 Objekte (Prognose 588.000) nach zuvor 629.000 Immobilien (revidiert von 591.000).

China: Gewinne der Industrie sinken per Mai im Jahresvergleich

Die Gewinne der Industrieunternehmen sanken per Mai im Jahresvergleich um 6,50 % nach zuvor -8,50 %. Für den Zeitraum Januar bis Mai ergibt sich ein Anstieg um 1,0 % nach 3,5 % in der Periode Januar bis April im Jahresvergleich.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überschreiten des Widerstandsniveaus bei 1.0870 – 1.0900 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!