Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1820 (06:23 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1802 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 106,45 In der Folge notiert EUR-JPY bei 125,81. EUR-CHF oszilliert bei 1,0743.

Die Finanzmärkte sind derzeit von wenig Momentum geprägt. Aktienmärkte halten sich auf den erhöhten Niveaus. Der Euro konsolidiert die Zugewinne der jüngeren Vergangenheit. Gleiches gilt für die Edelmetalle. Geld- und Kapitalmarktzinsen oszillieren auf den ermäßigten Niveaus. Richtungen sind erkennbar. Es mangelt derzeit an Momentum.

Der Datenkranz der harten und weichen Wirtschaftsindikatoren liefert grundsätzlich und überwiegend weiter Signale einer konjunkturellen Erholung. Selbstredend hängt diese Erholung an den Entscheidungen der Regierungen bezüglich der durch die Corona-Krise bedingten Einschränkungen in den jeweiligen Ländern. Dort, wo die Wirtschaft von diesen politischen Lasten befreit wird, kommt es zu V-förmigen Erholungen. Dort, wo der Staat Wirtschaftstätigkeit einschränkt oder unterbindet, kann es nicht laufen!

Das Thema der US-Präsidentenwahl beginnt, den öffentlichen Diskurs zu bestimmen. Damit ergibt sich eine Relevanz für die Finanzmärkte. Wir nehmen diesen Staffelstab heute argumentativ auf. Die US-Präsidenten Gattin sagte gestern, die USA bräuchten ihren Ehemann als Präsidenten. Wir nehmen diese Sichtweise zur Kenntnis und kommentieren wie folgt: Die einen sagen so, die anderen so! Stellen wir uns in diesem US-Wahlkampf auf Undenkbares ein, um mental vorbereitet zu sein und entsprechend rational zu handeln.

Covid-19 - Schweden doch smarter?

Nachdem sich die Verantwortlichen in Schweden wegen ihres entspannteren Umgangs mit Covid-19 monatelang massiver Kritik ausgesetzt sahen, dreht sich die Bewertungslage sukzessive.

Waren die Schweden doch smarter, denn es geht ohne "Wenn" und ohne "Aber" auch um eine Güterabwägung unter verfassungsrechtlichen, materiellen und immateriellen Gesichtspunkten unter Einschluss des Themas der Generationengerechtigkeit.

Laut dem European Centre for Disease Prevention and Control (CDC) liegt die Zahl der kumulierten Covid-19 Fälle auf jeweils 100.000 Bürger bezogen innerhalb der letzten 14 Tage in Schweden bei 34. In Ländern, die viel massivere Maßnahmen umsetzten, liegen folgende Daten vor: Frankreich bringt es auf 63, Spanien auf 176, Luxemburg auf 94 Belgien auf 53, Österreich auf 39 und die Niederlande auf 46. Es gibt auch die positiv hervorstechenden Länder. Finnland mit sechs, Italien mit 16 oder Deutschland mit 20.

Bezüglich Deutschlands darf die Frage gestellt werden, was einige Politiker und weitere Protagonisten des öffentlichen Lebens motiviert, das Thema der 2. Welle in einer sachlich fragwürdigen Art und Weise zu thematisieren (monokausal, Vernachlässigung der Letalität und der Gesundheitsversorgungslage - aktuell 224 von 30.543 Intensivbetten belegt durch Covid-19 Patienten), da die historisch einmalige Einschränkung der verfassungsmäßigen Rechte, aber auch der historisch einmalige finanzielle Aufwand, der zu Lasten kommender Generationen geht, Unsachlichkeit förmlich verbietet.

Ausgangspunkt für die Einschränkung der durch die Verfassung garantierten Rechte war monokausal die Sicherung der Gesundheitsversorgung! Das wurde zurecht gesellschaftlich im Rahmen einer inneren Solidarität akzeptiert, um eine unkontrollierte Situation zu unterbinden. Beliebigkeit in der Argumentation durch Wechsel der Argumente wirft zwingend Fragenkataloge auf.

Der Link zu den oben angeführten Daten lautet: https://www.ecdc.europa.eu/en/cases-2019-ncov-eueea

Wir erlauben uns zwei aktuelle Statements aus Schweden hier anzuführen:

1. Prime Minister Stefan Löfven thinks voluntary social-distancing rules and not closing schools but banning gatherings of more than 50 people has been the right approach. “Now there are quite a few people who think we were right,” he told a newspaper. “The strategy that we adopted, I believe is right - to protect individuals, limit the spread of the infection.”

2. “Strict rules do not work as people seem to break them," said Arne Elofsson, a professor of biometrics at Stockholm University, adding "Sweden is doing fine."

Meine Einlassungen bitte ich nicht dahin gehend zu interpretieren, gesellschaftlich verantwortungslos zu agieren. Individuelles Verantwortungsbewusstsein ist weiter erforderlich. Der Vergleich von Prof. Elofssons "Sweden is doing fine" mit der Verbalakrobatik der Politiker und Experten in Deutschland wirft jedoch Fragen auf.

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden

Eurozone: Deutsche Daten besser als erwartet

Das deutsche BIP sank per 2. Quartals 2020 laut der ersten detaillierten Berechnung um 9,7 % im Quartalsvergleich (Prognose -10,1 %). Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um 11,3 % (Prognose -11,7 %) nach zuvor -2,2 %. Der IFO-Geschäftsklimaindex stieg per August von zuvor 90,4 (revidiert von 90,5) auf 92,6 Punkte (Prognose 92,1). Der Lageindex nahm von 84,5 auf 87,9 (Prognose 86,9) zu, während der Erwartungsindex von zuvor 96,7 (revidiert von 97,0) auf 97,5 Zähler zulegte (Prognose 98,0).


UK: Ernüchterung im Konsum

Der vom CBI ermittelte Index für den britischen Einzelhandel sank per August von zuvor vier auf -6 Punkte (Prognose +8).


USA: Verbraucher sind verunsichert, ansonsten positiv

Der Case-Shiller Hauspreisindex des 20 Städteverglichs verzeichnete per Juni in der saisonal bereinigten Fassung ein unverändertes Ergebnis im Monatsvergleich (Prognose +0,1 %) nach zuvor 0,0 %. Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 3,5 % (Prognose 3,8 %) nach zuvor 3,6 % (revidiert von 3,7 %).

Der Index des Verbrauchervertrauens nach Lesart des Conference Board brach unerwartet per Berichtsmonat August von 91,7 (revidiert von 92,6) auf 84,8 Zähler ein (Prognose 93,0) und markierte den niedrigsten Indexstand seit Mai 2014. Diese Datenreihe ist sehr volatil. Ergo ist bei der Interpretation ein maßvoller Umgang angebracht.

Der Absatz neuer Wohnimmobilien (annualisierter Wert) stellte sich per Juli auf 901.000 (Prognose 785.000) nach zuvor 791.000 (revidiert von 776.000). Hier wurde der höchste Wert seit April 2007 verzeichnet. Der Richmond Fed Composite Index stieg per Berichtsmonat August von zuvor zehn auf 18 Punkte und erreichte den höchsten Stand seit Januar 2020.


Russland: BIP-Daten weisen Weg der Entspannung

Per Juli sank das russische BIP im Jahresvergleich um 4,7 % nach zuvor -6,4 %. Damit setzt sich die Gesundungstendenz weiter fort (April Tiefstwert bei -12,0 %, Mai -10,9 %).


Südkorea: Das sieht schon V-förmig aus

Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe stieg per September von zuvor 60 auf 68 Punkte und markierte den höchsten Indexstand seit Februar 2020.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.1400 - 30 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!