Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1345 (07:19 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1271 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 113.29. In der Folge notiert EUR-JPY bei 128.55. EUR-CHF oszilliert bei 1.1411.

Die Finanzmärkte bleiben sehr unruhig und volatil. Das gilt vor allen Dingen für die Aktienmärkte. Gestern lieferte einmal mehr London das Skript für ein Drama, dessen Fortsetzungen uns noch länger beschäftigen werden.

Premierministerin May kämpft für den Deal eines geordneten Brexits mit der EU. Der Gegenwind für sie ist stürmisch. So entzog die nordirische Partei DUP May die Unterstützung. Jacob Rees-Mogg müht sich um ein Misstrauensvotum gegen sie. Die Minister Raab und McVey traten zurück. Dem folgten einige Staatssekretäre. Es ist unklar, ob die Zustimmung im UK-Parlament möglich sein wird.

Fakt ist, dass zwei Hürden genommen wurden, die Vereinbarung mit der EU und die Zustimmung des britischen Kabinetts. Die Zustimmung der 27 EU-Staatschefs ist in hohem Maße wahrscheinlich. Die vierte und letzte Hürde, die Zustimmung des britischen Parlaments, ist das verbleibende kritische Element.

In den kommenden Tagen ist alles denkbar. Der Sturz Mays, Neuwahlen, die Chance auf ein neues Referendum oder ein unregulierter Brexit.

Falls es zu neuen politischen Gemengelagen, u.a. Neuwahlen mit einer absehbaren Neuausrichtung der Politik, kommen sollte, bedarf es einer Anpassung des Exit-Procederes im Rahmen des Artikels 50, die von den 27 Staaten einer Zustimmung bedarf, da der Zeitrahmen bis Ende März 2019 nicht ausreichen würde.

Fakt ist, dass die Unsicherheiten, die vom Brexit ausgehen, grundsätzlich weiter die Märkte und das Sentiment der Wirtschaft belasten. Der Grenznutzen dieser Belastung nimmt jedoch aus zwei Gründen ab. Erstens stellt man sich mental immer stärker auf den ungeordneten Brexit ein und zweitens nehmen die Vorbereitungen auf dieses Szenario in der Wirtschaft täglich zu.

Friedrich Merz hat sich von den USA distanziert. Wir müssten uns vorbereiten, dass die USA die Funktion als Weltordnungsmacht in Zukunft nicht mehr ausübten. Sie würden auf Konfrontation gehen, gegenüber Europa und auch gegenüber Deutschland. Er forderte als Reaktion Geschlossenheit in der EU. Im Umgang mit den USA zählte Selbstbewusstsein. Die USA verachteten devote Haltungen.

Wir sind hocherfreut. Damit gibt es eine klare Stimme, die für das mögliche Ende der seit 1973 andauernden außenpolitischen Pubertät Deutschlands und Kontinentaleuropas steht. Es gilt, unseren Kapitalstock (Unternehmen), unsere Werte (übrigens in großen Teilen andere als die der USA), unsere eigene unabhängige und nicht weisungsgebundene Verteidigung und unsere liberale auf Vertragstreue basierende Handelspolitik zu sichern, zu etablieren und zu entwickeln und gestalten. So wie es in der Wirtschaft "Business of Scale" erfordert, bedarf es in der Politik zur Durchsetzung der Ziele "Politics of Scale". Diesbezüglich ist die Haltung von Friedrich Merz zu Europa richtig, aber auch ausbaubar!.

Aus den USA erreichten uns bezüglich des Handelsstreits USA/China widersprüchliche Meldungen. Zunächst hieß es laut Medienberichten, dass die US-Regierung ihre Pläne für neue Zölle auf chinesische Waren auf Eis gelegt hätten. Die Medien beriefen sich auf den US-Handelsbeauftragten Lighthizer, der sich entsprechend gegenüber einigen Konzernmanagern geäußert haben soll.

Grundsätzlich passt das in das aktuelle Bild, da jüngst Bewegung in die Bemühungen um ein Ende des Handelsstreits gekommen war. So antwortete die Führung Chinas schriftlich auf die US-Forderung nach Änderungen der Handelspolitik Pekings. Hochrangige Treffen stehen in Kürze an.

Das Büro Lightizers dementierte diese Berichte dann im weiteren Verlauf. Ob das Dementi der Verhandlungstaktik gegenüber Peking geschuldet ist, bleibt offen. Fakt ist und bleibt, dass jede Verschärfung der US-Importzölle die eigenen Unternehmen und Verbraucher in den USA belasten würden. "Food for thought!"

Bundesbank: Die EZB ist auf dem Weg der Normalisierung! Banken müssen sich laut Einlassungen seitens der Bundesbank absehbar auf das Ende der Vollversorgung mit Geld durch die EZB einstellen. Die Vollzuteilungspolitik stehe perspektivisch zur Disposition. Die Vollzuteilungspolitik gilt laut aktueller Sachlage noch bis Anfang 2020. Zu den längerfristigen EZB-Kreditgeschäften (TLTRO) stellt sich die Frage, ob diese Langfristdarlehen künftig noch erforderlich sein würden.

Das hänge davon ab, wie gut künftig der Geldmarkt funktioniere werde. Neben dem Auslaufen der Anleiheankäufe zeichnet sich damit auch bei den unorthodoxen Geldmarktgeschäften eine Normalisierung ab. Auch eine extrem moderate Zinswende mag ab September 2019 Realität werden.

Fazit: Hinsichtlich der Fakten (ex Italien) ist diese Politik längst überfällig.

Datenveröffentlichungen der letzten 24 Stunden:

Eurozone: Die Handelsbilanz lieferte laut Eurostat per September einen Überschuss in Höhe von 13,1 Mrd. Euro nach zuvor 11,7 Mrd. Euro - neutral.

UK: Die Einzelhandelsumsätze sanken per Oktober im Monatsvergleich unerwartet um 0,5% (Prognose +0,2%) - negativ.

Russland: Die Devisenreserven stellten sich in der letzten Berichtswoche auf 461,5 Mrd. USD nach zuvor 459,7 Mrd. USD - neutral.

USA: Der NY Fed Manufacturing Index legte per November von 21,10 auf 23,3 Punkte zu - positiv.

US-Importpreise zogen per Oktober um 0,5% (Prognose 0,1%) an, während Exportpreise um 0,4% zulegten (Prognose 0,1%) - neutral.

Der Philadelphia Fed Business Index sank per November von zuvor 22,2 auf 12,9 Punkte (Prognose 20,0) - negativ.

Die US-Einzelhandelsumsätze nahmen per Oktober im Monatsvergleich um 0,8% zu (Prognose 0,5%). Der Vormonatswert wurde von +0,1% auf -0,1% revidiert - insgesamt positiv.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.1370 1.1400 neutralisiert dieses Szenario.

Viel Erfolg!

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