Die Drogenkuriere haben sich angekündigt! Aber freut euch bloß nicht zu früh! Der Schneemann aus der EZB liefert nur an ausgewähltes Publikum. Das frische Pulver wirkt trotzdem bei allen. Derzeit sind es monatlich 60 Tonnen Koks, pardon 60 Milliarden Euro im Monat…

Haben Sie das auch gehört? Am Donnerstag wäre große Bescherung angesagt, rief jemand im Radio. Der DAX freut sich, mutmaßte zudem die Stimme. Als es dann noch hieß, „DAX vertraut Draghi“, habe ich in die Tischkante gebissen. „Nikolaus und der Weihnachtsmann würden dieses Jahr gleichzeitig kommen“, rief die Stimme hinterher. Da hatte ich mein Mousepad schon angezündet.

Manch einer glaubt wirklich, er bekäme von den Gelddrogen etwas ab. Je häufiger man diese Bildersprache bedient, desto leichter findet der Unsinn den Weg in die Köpfe der Leute und setzt dort sein Zerstörungswerk fort. Da passte es schon hervorragend, dass im nächsten Beitrag über die geringen Zinsen für Sparer geklagt wurde.

Selbst Experten wiederholen ständig ihr Wiederholtes. Sie müssten mal meine Tischkante sehen! Es wäre ja so toll, was der Draghi da macht. Und wie Deutschland davon profitieren würde, sagen sie. Eigentlich müsste man das ja sehen. Nicht wahr? Aber wo? Die Experten haben Gerüchten zufolge die alten Götter von ihren Altären gezerrt und durch Draghi ersetzt. Sie leben ja schließlich von diesem Schneeballsystem. Jeder Profiteur eines Systems verteidigt dieses.

Man nimmt Kredit – und verdient Millionen

Die Geldpolitik der EZB führt inzwischen zu grotesken Begebenheiten: So lieh sich in der letzten Woche das deutsche Finanzministerium fünf Milliarden Euro durch die Ausgabe von zweijährigen Anleihen. Diese Papiere rentierten mit – (minus) 0,38 Prozent, sind also für Investoren garantierte Verlustbringer. Dennoch gab es genügend Deppen, die sich auf das Geschäft eingelassen haben – oder mussten – denn Finanzminister schreiben diesen Deppen vor, Deppen zu sein. Sie müssen das Zeug kaufen. So borgt sich Schäuble fünf Milliarden Euro und bekommt dafür 40 zusätzliche Millionen Euro gutgeschrieben. Willkommen in Verrücktistan, wo Zinsgötter aus trübem Mainwasser Rheingold machen.

Für Donnerstag erwartet man, dass die Banken, die nachts ihr Geld in die EZB zur Übernachtung schicken, eine höhere Gebühr als die 0,2 Prozent dafür zu zahlen haben. Vielleicht 0,4 Prozent. Man will sie damit zwingen, das Geld als Kredite an wen auch immer zu vergeben. Ist es nicht dann verständlich, lieber 0,38 Prozent mit Anleihen zu verlieren als 0,40 Prozent mit der Kurtaxe für Überschüssiges? Diese Anleihe-Helden sind damit sogar besser als der Markt!

Der negative Einlagezins hat inzwischen den ursprünglichen Leitzins abgelöst. Jeder Finanzminister dürfte sich freuen in Zeiten finanzieller Repression, sich so der Schulden entledigen zu können, ohne etwas rückzahlen zu müssen.

Schweden ist uns mal wieder voraus. Von wegen, die Leitzinsen können nicht negativ sein. Dort oben liegt der Repo-Satz bei -0,35 Prozent. Das bedeutet, die Banken zahlen weniger an die schwedische Reichsbank zurück, als sie sich leihen.

Des Schäubles Freud, des Sparers Leid

Es mutet schon seltsam an, wenn ein Finanzminister vor niedrigen Zinsen warnt. Dieses Gift bemächtigt sich zunehmend auch der Spareinlagen. Sichtbar wird das in voller Pracht erst dann, wenn die Zinsgötter und Politiker aus dem Amt sind. Oha! Jetzt versteh ich auch, warum nix Gescheites in der Politik nachwächst.

Inzwischen leidet auch die Versicherungsbranche. Ihre Zusagen stehen auf der Kippe. Bausparkassen werfen unliebsame Zinskunden raus. Die Branche aber ist erfinderisch und wird neue Produkte anbieten, deren Zeitzünder etwas später hochgeht. Notfalls nimmt man auch gerne Geld aus der Staatskasse wie die Banken und bald die Versorger. Man muss nur die richtigen Leute nahe der Geldquelle kennen. Wer regt sich auf? Na sehen Sie!

Die Zinspolitik der Notenbanken führt auch dazu, dass Unternehmen nicht nur neue Schulden aufnehmen, um alte Schulden ablösen (wie der Staat), sondern auch noch eigene Aktien auf Pump kaufen. Wo sonst soll man in satten Märkten investieren? Es ist verrückt und wird verrückt enden. Aber nicht jetzt.

Der nächste Schritt wäre, wenn die Zentralbanken die Staaten direkt aus der Druckerpresse finanzieren und nicht nur deren Anleihen aufkaufen. Sie benötigen nur einen Anlass. Spätestens aber, wenn jeder am Morgen 500 Euro auf dem Konto findet mit „Grüße von der EZB!“ – dann haben wir das Endstadium dieses Geldexperiments erreicht. Dann erinnert man sich auch wieder an das alte Prinzip: Tausche Bares gegen Wahres. Wenn es dafür überhaupt noch etwas gibt zu bezahlbaren Preisen.

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