Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1136 (07:09 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1126 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 110,21. In der Folge notiert EUR-JPY bei 122,73. EUR-CHF oszilliert bei 1,0748.

Die verfügbaren Daten und Nachrichten der letzten 24 Handelsstunden waren insgesamt erfrischend. Darauf darf sich mindestens kurzfristig Zuversicht aufbauen.

Die EZB zeigt sich in zarten Ansätzen bezüglich der erwarteten Konjunkturlage zuversichtlicherer. Wenn es im Rest der Welt zu einer Abnahme der Risikoaversion kommt, was beispielsweise dann im globalen Investitionsgüterzyklus positive Akzente setzen würde (siehe Jahresausblick, Aufholeffekte), wäre es in der Tat ein Wunder, wenn die Eurozone mit einer starken Position in diesem Sektor von dieser Entwicklung ausgespart würde.

Selbst die nahezu totgesagte Automobilbranche Kontinentaleuropas setzt unerwartet positive Akzente (siehe Datenpotpourri). Nun ja, wir stimmen Herrn Professor Sinn nicht immer zu, aber bezüglich der Dieseltechnologie sind wir ganz nah bei ihm.

Mit den aktuellen Dieseltechnologien aus Deutschland (Führungsposition in Dieseltechnologie weltweit) lässt sich schnell und messbar eine Entlastung für das Klima (geringer CO2 Ausstoß) und die Qualität der Luft erreichen.

Die ideologisch geprägte Meinungsfront gegen den Diesel wirft zunehmend Fragen auf.

Ideologie hat Deutschland ja schon immer gut getan … (Ironie!)

Im Handelsstreit mit den USA werden wir mit verbalen Entspannungssignalen beglückt. EU- Handelskommissar Phil Hogan zeigte sich zuversichtlich nach den dreitägigen Gesprächsrunden mit US-Vertretern. Es sei ein guter Start gewesen, aber es sei noch viel zu tun. Die nächsten Gespräche sollen im Februar und März stattfinden.

Wir nehmen diese verbalen Signale gerne zur Kenntnis. Mutige können in dem implizit dargestellten US-Verhalten erkennen wollen, dass die USA im Wahljahr 2020 eine nicht weiter eskalierende Haltung einnahmen werden.

Das wird aber bezüglich Europas ein temporäres Phänomen im Jahr 2020 sein. Kontinentaleuropa hat definitiv keinen Freundesstatus in den USA, ganz im Gegenteil.

Die Situation der Türkei hat sich verändert. Seit Mitte des letzten Jahres kommt es zu Zinssenkungen ausgehend von 24 %. Gestern setzte die Zentralbank der Türkei einen unerwartet starken Akzent. Sie senkte den Leitzins von zwölf Prozent auf 11,25 %. Marktteilnehmer zeigten sich milde überrascht.

Die Reaktion an den Devisenmärkten fiel zugunsten der türkischen Lira aus. Mit anderen Worten goutiert der Markt, dass die Zentralbank das Zinsniveau weiter reduziert, das maßgeblich Ausdruck des politischen Krisenszenarios der Türkei war und in Teilen noch ist. Fakt ist, dass sich Entspannung mit positivem Potential ergibt!

Aus China erreichten uns erfrischende Datensätze. Die Industrieproduktion und die Einzelhandelsumsätze als auch die städtische Investitionstätigkeit setzten positive Akzente, die so nicht erwartet waren. Wir verweisen auf den nachfolgenden Datenpotpourri.

Umso irritierter darf man bezüglich der medialen Begleitung der BIP-Daten Chinas sein. Eine Überschrift lautet: „Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit 30 Jahren nicht mehr“. Zunächst einmal ist die Aussage nicht falsch bezüglich der Quantität. Sie beinhaltet aber fraglos eine negative Tendenz. Dabei sollte die Überschrift lauten: „Trotz Störungen durch die USA wächst China weiter sportlich mit mehr als sechs Prozent!

Im Jahr 2018 lag das Wachstum bei 6,6 %. Auf Basis des Jahres 2018 entsprach die wirtschaftliche Expansion 2019 6,5 %. Prozentrechnung hat ebenso seine Tücken.

Es sollte bei der Würdigung der BIP-Daten Chinas auch beachtet werden, dass große Teile Chinas entwickelt sind und das Wachstum in Prozent der Gesamtwirtschaftsleistung fallen muss, um Überhitzungen zu vermeiden.

Erkennbar ist an den Daten, dass Chinas Wirtschaft ein hohes Maß an Widerstandskraft entwickelt hat. Das ist gut für China und es ist gut für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft.

In die Libyenkrise kommt positives Momentum. Wie wir nach dem Treffen Putin/Merkel in Moskau schon implizierten, sind die Aussichten für einen Erfolg der Berliner Libyen-Konferenz nach der Vorarbeit in Moskau ausgeprägt. Mehr Frieden in unseren Regionen ist bitter notwendig und eröffnet neue Potentiale!

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Positive Daten dominant

Die deutschen Verbraucherpreise stiegen laut finaler Berechnung per Dezember im Jahresvergleich um 1,5 % und im Monatsvergleich um 0,5 % (entsprach Prognosen). KFZ-Zulassungen diverser Länder im Jahresvergleich per Dezember: Deutschland +19,5 %, Frankreich +27,7 %, Italien +12,5 %, Niederlande +113,9 % (!). In den Niederlanden sank die saisonal bereinigte Arbeitslosenquote per Dezember von zuvor 3,5 % auf 3,2 %.

China: Positive Daten dominant!

Das BIP legte per 4. Quartal 2019 im Jahresvergleich um 6,0 % nach zuvor 6,0 % zu. Im Gesamtjahr 2019 ergab sich ein Wachstum um 6,1 %. Die Industrieproduktion stieg per Dezember im Jahresvergleich um 6,9 % (Prognose 5,9 %) nach zuvor 6,2 %. Im Gesamtjahr kam es zu einer Zunahme um 5,7 %. Die Einzelhandelsumsätze legten per Dezember um 8,0 % (Prognose 7,8 %) nach zuvor 8,0 % zu. Im Gesamtjahr ergab sich ein Anstieg um 8,05 %. Städtische Investitionstätigkeit nahm per Dezember im Jahresvergleich um 5,4 % (Prognose 5,2 %) nach zuvor 5,2 % zu.

USA: Positive Daten dominant

Der Philadelphia Fed Business Index legte per Januar unerwartet stark von zuvor 2,4 auf 17,0 Punkte zu (Prognose 3,8). Die Einzelhandelsumsätze stiegen im Monatsvergleich per Dezember um 0,3 % (Prognose 0,3 %). Der Vormonatswert wurde von 0,2 % auf 0,3 % revidiert. Im Jahresvergleich kam es zu einer Zunahme um 5,82 % nach zuvor 3,33 %. Lagerbestände sanken per November im Monatsvergleich um 0,2 % (Prognose -0,1). Der Vormonatswert wurde von 0,2 % auf 0,1 % revidiert. Der NAHB-Housing Market Index sank per Januar von 76 auf 75 Punkte.

Russland: Zunehmend beeindruckend

Die Devisenreserven stiegen in der Berichtswoche per 10. Januar von 556,0 auf 557,5 Mrd. USD und erreichten den höchsten Wert seit September 2008.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem US-Dollar favorisiert. Ein Durchbrechen der Unterstützungszone bei 1.0950 - 1.0980 negiert den positiven Bias des EUR.

Viel Erfolg!