Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1093 (07:12 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1083 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109.00. In der Folge notiert EUR-JPY bei 120.91. EUR-CHF oszilliert bei 1.1033.

Das Aufatmen an den Finanzmärkten als Konsequenz aus den Entspannungssignalen bezüglich des Handelskriegs Washington/Peking und des Umgangs mit dem Brexit durch die EU ("Flextension" als weiteres Extra im Rahmen der Extrawürste) ist unübersehbar. Zuversicht dominiert!

In der Folge ist Risikofreude, die aber fraglos nicht überschäumend, sondern in konditionierter Form an den Märkten messbar ist, erkennbar. Unter anderem konnte der Nikkei die höchsten Kurse seit einem Jahr in der Folge markieren.

US-Präsident Trump ist bezüglich eines Handelsabkommens mit China zuversichtlich. Man sei wohl dem Zeitplan voraus, um einen sehr großen Teil der Einigung mit China zu unterzeichnen, sagte Trump. Die USA und China hatten zuletzt Fortschritte erzielt, um eine Lösung in dem von den USA ausgehenden Handelskrieg zu finden. Wir freuen uns über diese tentative (versuchsweise) Nivellierung, die sich im Konflikt zwischen Washington und Peking abzeichnet.

Beobachter der Lage, unter ihnen Ökonomen, zeigen sich jedoch skeptisch, ob die beiden Länder ihre Auseinandersetzung auf Dauer beenden werden. In der Tat ist das mehr als fraglich. Der Handelskrieg ist nur eine Facette der von den USA geführten Auseinandersetzung um den globalen Machtanspruch.

Experten in diesem Themensektor gehen davon aus, dass die USA den wirtschaftlichen und damit politischen Aufstieg Chinas eindämmen wollen. Man weiß in Washington sehr wohl, dass Macht und wirtschaftliche Potenz in einem engen Kausalverhältnis stehen. Dort sehen die US-Karten strukturell nicht gut aus!

Aus Sicht der USA steht China offenbar kein "Platz an der Sonne" zu. Der hat im Kontext von "America first" nur den USA zuzustehen. Faktisch wollen die USA determinieren, wie weit sich China entwickeln darf, um den US-Machtanspruch weiter auszuleben. Das gilt allen voran für den Hochtechnologiesektor. Aber ist dieses US-Verhalten nicht faktisch totalitär?

Warum ist Kontinentaleuropa in diesem Wirtschaftszweig der Hochtechnologie eigentlich nie als ernstzunehmender Konkurrent aufgetreten? Warum agierte man bei den epochalen Erkenntnissen Snowdens so handzahm und änderte nichts an der Struktur, um diesen Missbrauch abzustellen (europäischer IT-Airbus)? Dieser Fragenkatalog ist viel ernster zu nehmen, als er an dieser Stelle klingt!

Die Frage stellt sich, ob ein Land A das Recht hat, einem anderen Land B Zukunft zu verwehren? Das gilt umso mehr, als dass dabei durch das Land A gegen das Land B unter Nichtanerkennung von internationalen Verträgen und internationalen Konventionen agiert wird. Kann ein Land C, das morgen zu einem Land B des Konflikts mutieren kann, dort politisch korrekt wegschauen oder erfordert es von Land C Solidarität an der Seite des Landes B gegen das Land A?

Bewusst wurden hier Länder nicht genannt, sondern Buchstaben gewählt, um unbestechliche Sachlichkeit und Logik zu gewährleisten, um auch jedwede Emotionalität zu unterbinden.

Während auf der einen Seite Nivellierung des Handelskriegs seitens der USA gespielt wird, wird auf der anderen Seite verstärktes Konfliktpotential durch die USA vorbereitet.

Während beispielsweise Huawei Quellcodes und bei Lizenzerwerb Technologie den Lizenznehmern offenlegt, verwehren US-Unternehmen diese Offenlegungen. Das sollte auch in der EU Fragen forcieren. Wer spielt mit offenen, wer mit verdeckten Karten?

Die US-Telekommunikationsbehörde FCC will einen Bann gegen die Konzerne Huawei und ZTE aussprechen. Die FCC wird dafür plädieren, beide Unternehmen als Gefahr für die nationale Sicherheit einzustufen (Quelle Regierungsvertreter).

Wir stellen die Frage, inwieweit US-Konzerne Gefahren für die Sicherheit und Souveränität aller Nicht-US-Staaten darstellen und plädieren aus zwingenden Gründen für einen kontinentaleuropäischen "IT-Airbus" (Belege Snowdens über Missbrauch seitens US-Konzernen). Eine Europäische Cloud (Altmaiers Vorschlag) geht in die richtige Richtung, sie reicht aber nicht, denn Big Data ist das Geschäft von morgen!

Mit einem FCC-Bann dürften US-Staatsgelder nicht mehr für den Kauf von Produkten oder Dienstleistungen der chinesischen Firmen ausgegeben werden. Auch plane die FCC, US-Unternehmen zu empfehlen, Ausrüstungen der chinesischen Firmen auszutauschen. Man überlege derzeit, wie viel ein Austausch der Huawei- oder ZTE-Technik kosten würde, wenn man ein staatliches Programm zur Erstattung dieser Kosten auflegte (Frage unzulässiger Subvention!).

Sie sehen, Nivellierung des Konflikts ist möglich. Ein Ende ist illusionär!

Datenpotpourri:

Eurozone: Wiederkehrende Einkommen Basis der Expansion!

Die Geldmenge M-3 nahm per September im Jahresvergleich um 5,5 % nach zuvor 5,7 % zu (Prognose 5,7 %). Kredite an private Haushalte stiegen im Jahresvergleich um 3,4 % nach zuvor 3,4 %. Kredite an Unternehmen legten im Jahresvergleich um 3,7 % nach zuvor 4,3 % zu. Deutschlands Importpreise nahmen per September im Monatsvergleich um 0,6 % zu (Prognose 0,2 %). Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um 2,5 % (Prognose -2,9 %) nach zuvor -2,7 %. Der Index des Verbrauchervertrauens verzeichnete per Berichtsmonat Oktober keine Veränderung und verharrte bei 104 Punkten.

USA: Schwach!

Der von der Chicago Federal Reserve ermittelte National Activity Index (Sammelindex aus 85 US-Einzelindikatoren) sank per September von 0,15 auf -0,45 Punkte. Der von der Dallas Federal Reserve ermittelte Manufacturing Business Index fiel per Oktober von zuvor 1,5 auf 5,2 Zähler.

Japan: Keine neuen Erkenntnisse

Per Berichtsmonat Oktober nahmen die Verbraucherpreise in Japan im Jahresvergleich um 0,4 % zu (Vormonat 0,4 %).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1160 - 80 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!