Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1762 (07.33 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1734 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 112.92. In der Folge notiert EUR-JPY bei 132.80. EUR-CHF oszilliert bei 1.1343. Am Markt schaut man dem politischen Treiben bei leicht abnehmender Risikoaversion zu.

Beginnen wollen wir mit den einfachen Dingen, der heute anstehenden Offenmarktausschusssitzung der Federal Reserve. Ebenso wie die OPEC und Russland, die die Forderungen von Donald Trump sportlich überhören, die Öl-Fördermengen zu erhöhen, wird sich aller Voraussicht auch der Offenmarktauschuss den Forderungen des US-Präsidenten in der Zinspolitik verweigern.

Am Markt erwartet man einen Zinsschritt um weitere 0,25%, der dann eine Zielzone für die Federal Funds bei 2,00%- 2,25% impliziert. Man wird auf die relativ starken quantitativen US-Wirtschaftsdaten in der Begründung verweisen und das qualitative Desaster (unter anderem öffentliche Neuverschuldung vom 1.1.bis 24.9. bei circa 978 Mrd. USD), das diese faktische Scheinblüte bedingt, sportlich ignorieren.

Da der Markt diesen Zinsschritt faktisch schon diskontiert hat, könnte ein nicht erwartetes Ausbleiben dieses Zinsschritts einerseits den USD, aber auch die Märkte belasten, da das quantitative US-Positivszenario damit hinterfragt würde.

Wo wir bei dem Thema US-Wirtschaft sind, macht es Sinn, sich auf die Reaktion der globalen Realwirtschaft hinsichtlich der US-Politik Trumps zu kaprizieren. Dafür ist ein Blick auf ausländische Direktinvestitionen in die USA hilfreich. Grundsätzlich ist ja mit der US-Steuerreform angebotsseitig eine Steilvorlage gelegt worden.

Der Blick auf die Realität fällt jedoch ernüchternd aus. Im 2. Quartal waren die FDI-Flüsse sogar mit -8,2 Mrd. USD negativ.

Die Unternehmen sind heute globalisiert. Das politische Korsett, das wir heute tragen, entspricht in weiten Teilen nicht mehr der Struktur der globalisierten Wirtschaft (Kapitalstock) hinsichtlich der weit fortgeschrittenen Arbeitsteilung. Vor diesem Hintergrund ist nicht nur der Brexit, sondern ist auch die aktuelle US-Politik nicht ansatzweise für Global Player als attraktiv zu definieren. Das macht sich dann eben auch in den Direktinvestitionen bemerkbar.

Der gestrige Auftritt Donald Trumps war eine Kampfansage an die Länder, die 85% der Weltwirtschaft ausmachen.

US-Präsident Trump hat in seiner Rede aggressiv seine "America First-Politik" vertreten. Trump sprach von einer Ideologie der Globalisierung, die er ablehnt. Damit lehnt er eben auch das Konstrukt der global aufgestellten Unternehmen ab. Das ist eine Kampfansage an diesen Kapitalstock.

Die USA werden Auslandshilfe nur an Staaten gewähren, die die USA respektierten und Freunde seien. Hoppla, wir fragen uns, welche Freunde die USA mit der aktuellen Politik noch haben? Kanada, Mexiko oder die EU? Wie sicher kann sich ein so genannter Freund (Saddam Hussein war es auch einmal) sein, dass dieser Status auch belastbar ist? Muss er sich dann nicht latent den Interessen der USA unterwerfen (totalitär)? Passt das zu Souveränität und Demokratie oder sind das alte Hüte des 21. Jahrhunderts, die billig in die Ecke geworfen werden?

Der Rest der Welt reagiert auf die US-Aggressionen im Rahmen der Sanktionspolitiken der USA. Die USA sind bezüglich der EU-Reaktion auf die verfügten Iran-Sanktionen nicht amüsiert.

Die US-Regierung hat Pläne der EU scharf kritisiert, die US-Sanktionen gegen den Iran mit Gründung einer Zweckgesellschaft zu umgehen. Die EU hatte die Pläne der Zweckgesellschaft entwickelt, um das Atomabkommen zu retten.

US-Recht gilt nicht supranational! Unilateral unabgestimmte US-Politik ist das Problem, das Reaktionen nach dem Muster der EU förmlich erzwingt!

Wir freuen uns über die Einlassungen von Horst Seehofer. Wir wünschten, dass er uns 2014 bereits in unserer Analyse im Forex Report unterstützt hätte. Damals kam das in Berlin gar nicht gut an und hatte Konsequenzen, Pluralismus hin oder her. Es ist spät Herr Seehofer, wir freuen uns dennoch. Wer ist der oder die Nächste in Berlin?

Zum Kontext: Horst Seehofer betonte seine Ablehnung der Sanktionen gegen Russland. O-Ton: "Ich war immer skeptisch, ob dieses Mittel richtig ist."

Wir gratulieren Herrn Brinkaus. Das Getöse ist derzeit laut, das Endzeitstimmung bezüglich Frau Merkel beschwört. Ich sehe es als Getöse an. Man sollte Frau Merkel nicht unterschätzen, aber perspektivisch neigt sich ihre Amtszeit dem Ende zu. Das wird durch diesen Wechsel impliziert.

Zum Datenpotpourri:

Das US-Verbrauchervertrauen nach Lesart des Conference Board legte per September von 134,7 auf 138,4 Punkte zu und markierte den höchsten Stand seit September 2000. Der Richmond Fed Composite Index stieg per Berichtsmonat September von 24 auf 29 Punkte.

Fazit: Quantitativ sieht es auf ersten Blick gut in den USA aus!

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.1460 - 1.1490 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Viel Erfolg!

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