Dass der ehemalige Fed-Vorsitzende Ben Bernanke unter die Finanzblogger gegangen ist, wird wohl nur einem ausgewählten Kreis von Beobachtern bekannt sein. Unter anderem wurde Bernanke auch eine eigene Kolumne auf der Webseite der Brookings Institution zuteil.

Dort setzt sich der selbst ernannte „Deflations(be)kämpfer“ größtenteils mit der Frage auseinander, welche Instrumente der Fed noch im Köcher verbleiben, um sich gegen die aktuellen Entwicklungen zu stemmen.

Ich berichtete vor einiger Zeit darüber, dass Bernanke seiner Nachfolgerin Janet Yellen auch den Ratschlag erteilt hat, eine Einführung von Negativzinsen in den Vereinigten Staaten in Erwägung zu ziehen, falls dies notwendig werden sollte.

Wann auch immer dieser Zeitpunkt erreicht sein mag, bleibe ich bei meiner Ansicht, dass sich die Fed im direkten Vergleich mit anderen Notenbanken und Wirtschaftsräumen „hinter der Kurve“ befindet.

Negativzinsen und Helikopter-Geld

Die an den Finanzmärkten erwarteten und ausgebliebenen Zinserhöhungen im 1. Halbjahr 2016 legen Zeugnis darüber ab. In seinen Gedankenspielen auf der Seite der Brookings Institution beschäftigt sich Bernanke mit drei verschiedenen Vorgehensweisen.

Dazu zählen die potenzielle Einführung von Negativzinsen in den USA, eine artifizielle und langfristige Senkung der Zinsen im langfristigen Bereich sowie der Abwurf von Helikopter-Geld.

Dass der Abwurf von Helikopter-Geld in den USA schon heute zur Realität geworden zu sein scheint, führte ich in diesem Bericht aus, der ebenfalls heute erschienen ist. Das alles andere in den Schatten stellende Ziel der Fed ist das Erreichen eines offiziellen Inflationsziels von 2%.

Damit ließe sich – zumindest offiziell – ein Sieg über die deflationären Kräfte verlautbaren, die seit dem Immobilien- und Bankenzusammenbruch im Jahr 2008 Wirtschaft und Märkte fest im Griff halten.

"Ist Gold Geld?"

Wer in diesem Kontext von der Erwartung ausgegangen ist, dass auch Gold eine Rolle in den Überlegungen Bernankes spielen würde, befand sich auf dem Holzweg.

Dies ist keine große Überraschung, wenn man sich an die unrühmlichen Aussagen Bernankes in Sachen Gold im Rahmen von dessen einstiger Anhörung vor dem US-Kongress – und hartnäckig durch meinen Blogkollegen und ehemaligen Kongressabgeordneten Dr. Ron Paul zu diesem Thema befragt – erinnert.

Ich erinnere mich in diesem Kontext an eine Konferenz im südamerikanischen Santiago de Chile, in deren Rahmen Dr. Ron Paul und Starinvestor Jim Rogers Bernanke öffentlich einen Narren nannten, der über keinerlei Ahnung über wirtschaftliche Zusammenhänge verfüge. Hier eine Zusammenfassung dieser Aussagen aus dem Jahr 2013 in Videoform:

Nachdem Dr. Ron Paul nach mehr als 20-jähriger Tätigkeit aus dem US-Kongress ausschied, gab Bernanke gegenüber den Gesetzgebern öffentlich zu, dass er „über die Entwicklung des Goldpreises nichts versteht“.

Im Jahr 2014 war es dann Mario Draghi, Präsident der EZB, der öffentlich darauf hinwies, dass er und seine kollegialen geldpolitischen Entscheider darüber diskutiert hätten, im Rahmen eines eigenen QE-Programms alle möglichen Arten von Vermögenspreisklassen anzukaufen – mit Ausnahme von Gold.

Pimco: Goldaufkauf zur Stimulierung der Wirtschaft

Interessant sind jüngste Aussagen seitens Pimco, einem der größten Kapitalverwalter der Welt, zu diesem Thema. Niemand anderes als Pimcos Vizepräsident rief die Fed Anfang Mai dieses Jahres dazu auf, Gold anzukaufen, um die US-Wirtschaft aus ihrer momentanen Lethargie zu befreien.

In einer Mitteilung auf der Webseite des Kapitalverwalters unterbreitete Harley Bassman den Vorschlag, dass die Fed Investoren ihr Gold zu überhöhten Marktpreisen abkaufen sollte, um einerseits die heimische Wirtschaft zu stimulieren und andererseits ihr eigens gesetztes Inflationsziel zu erreichen.

Auf diese Weise ließe sich gleichzeitig auch eine dritte Fliege mit einer Klappe schlagen, da es anderen Nationen – wie China – erschwert würde, deren Deflation in die Vereinigten Staaten zu exportieren.

US-Goldkonfiskation ab 1933

Pimcos Vizepräsident bezog sich in diesem Zusammenhang auf die Goldkonfiskation durch den amerikanischen Präsidenten Franklin Roosevelt im Jahr 1933, die dem Versuch zugrunde gelegen habe, Amerikas Wirtschaft aus den Fängen der großen Depression zu befreien.

Unter Androhung einer bis zu 20-jährigen Gefängnisstrafe sahen sich die Bürger in den USA seitens des Staates plötzlich dazu verpflichtet, ihr Gold zu einem Fixpreis von $20,68 pro Feinunze an die Regierung zu veräußern.

Hernach nahm die Fed eine Neubewertung dieser Goldreserven zu $35 pro Feinunze vor. Laut Bassman sei dieser Plan damals aufgegangen, auch wenn die Umsetzung dieser Verordnung wie ein Schock auf Goldhalter gewirkt haben dürfte.

Goldaufkaufprogramm effizienter als QE

Bassmans Vorschlag für die Gegenwert lautet wie folgt: Da die politische Fiskallandschaft paralysiert sei – nicht von ungefähr aufgrund der vielen Wahlprozesse – sollte die Fed endlich in Erwägung ziehen, große Goldmengen zu substanziell höheren als den aktuell erzielbaren Marktpreisen anzukaufen.

Warum sollte dieser Prozess nicht bei einem Niveau von $5.000 pro Feinunze stoppen?, wie Bassman in seinem Beitrag fragt. Laut Bassman werde sich ein durch die Fed gesponsertes Goldankaufprogramm als weitaus effizienter als deren QE-Programme erwiesen.

Bassman machte auch keinen Hehl daraus, nichts von einer potenziellen Einführung von Negativzinsen in den USA zu halten. Dieses Instrument sei „zu bizarr, um durch Nicht-Akademiker verstanden zu werden“.

Höhere Geldmenge, steigende Inflationserwartungen

Im Gegensatz dazu könnten Goldankäufe durch die Fed als Instrument zur Ausweitung der Geldmenge letztendlich zu dem Ziel führen, die Inflationserwartungen an den Finanzmärkten anzukurbeln, wodurch sich endlich auch das Ausgabeverhalten der Amerikaner positiv beeinflussen ließe.

Gold sei aufgrund von dessen über einen langen Zeitraum erwiesenen Geldfunktionalität auf einzigartige Weise qualifiziert für ein derartiges Programm der Fed, so Bassman weiter. Eine solche Funktionalität werde weder Öl noch Immobilien zuteil.

Derartige Vorschläge sind keineswegs neu. Mein Blogkollege und US-Regierungsberater Jim Rickards schlägt seit langer Zeit vor, dass die Fed Gold unter Investoren ankaufen sollte.

Was sich zum aktuellen Zeitpunkt jedoch beobachten lässt, ist die Tatsache, dass die Fed alles nur Erdenkliche unternimmt, um den Faktor Gold im Angesicht von niemals zuvor gesehenen Schuldenbergen, einem sich abkühlenden Wachstum und angeschlagenen Fiat-Währungen auf manipulative Weise herunterzuspielen.

Chinas Zentralbank kauft schon längst Gold an

Entgegen der Federal Reserve kauft Chinas Zentralbank bereits seit Jahren offiziell Gold an. Auch Russland und eine Reihe von anderen Ländern folgen diesem Beispiel.

Bei der Fed scheint man hingegen der Auffassung zu sein, dass eine Leugnung der Realitäten an den Fiat-Währungsmärkten bei gleichzeitigen Manipulationsaktivitäten ewig Wirkung zeitigen werde.

Ich wette mehr als jemals zuvor darauf, dass die Fed auch in diesem Hinblick falsch liegen und irgendwann nackt und ohne Kleider dastehen wird.

Hoffen wir allseits darauf, dass es dann nicht zu einer Neuauflage der Ereignisse des Jahres 1933 kommen wird!!