Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0646 (07:10 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0633 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 127.64. In der Folge notiert EUR-JPY bei 137.93. EUR-CHF oszilliert bei 1,0254.

Heute beginnen wir mit einer positiven Nachricht. Die kommt aus China. Im Berichtsmonat März nahmen die Unternehmensgewinne der Industrie im Jahresvergleich um 12,20 % nach zuvor 4,20 % zu. In den ersten drei Monaten lag der Anstieg im Jahresvergleich bei 8,5 % nach zuvor 5,0 % (Zweimonatsperiode). Anders als im Westen gibt es in China kein Inflationsproblem. Dort steht geldpolitische Entspannung auf der Agenda (Versorgungssicherheit, Discounts bei Rohstoffen). Gleichwohl leidet die Konjunktur an der chinesischen Corona-Politik als auch an der sich abschwächenden Weltkonjunktur. So weit zu den positiven Nachrichten.

Das beherrschende Thema ist und bleibt die Ukraine-Krise. Gestern ergaben sich weitere Verspannungen, die sich belastend auf die Finanzmärkte, allen voran die Aktienmärkten auswirkten. Aus der Moldau-Region Transnistrien, die prorussisch kontrolliert ist, wurden drei terroristische Angriffe gemeldet. Unter anderem wurde eine Militäreinheit in der Nähe der Stadt Tiraspol attackiert. Der Sicherheitsrat wurde laut Moldaus Präsidentin Maia Sandu einberufen. Die Regierung setzte die Terror-Warnstufe auf „Rot“. In Moskau wird die Entwicklung verfolgt. Moskau zeigt sich besorgt. Man wolle eine Intervention in Transnistrien vermeiden.

Das Risiko, dass sich die Ukraine-Krise ausweitet, wird hier vor Augen geführt.

Aber auch an anderer Stelle nehmen die Probleme zu, die sich belastend auf Ökonomie und Finanzmärkte auswirken. Da weder Polen noch Bulgarien bereit sind für russische fossile Rohstoffe die Bedingungen Moskaus zu erfüllen, nachdem durch westliche Sanktionen der Bezahlmodus für Moskau in westlichen Währungen weitgehend sinnlos ist, sind Gaslieferungen in beide Länder gestoppt. Sollte ein Lieferstopp am Ende auch Deutschland treffen, verweise ich auf die Einlassungen des CEO der BASF. Ohne Ludwigshafen sähe die Zukunft Europas prekär aus.

In der Folge der Ukraine-Krise ergeben sich makroökonomisch markante Folgen und zentralbankpolitische Dilemmata. Die BIP-Prognosen werden weiter nach unten geschleust. Das gilt insbesondere für Deutschland, aber auch für Europa mehr als für andere Regionen dieser Welt. Die Inflationsprognosen werden nach oben angepasst, ohne dass unsere Zentralbanken effizient gegensteuern können, da auch Zinserhöhungen keinen direkten Einfluss auf die exogenen Preistreiber am Rohstoffmarkt haben, es sei denn, man will die Wirtschaft in eine markante Rezession führen. Im Gegenteil würden starke Zinserhöhungen den Kostendruck durch Erhöhung der Kreditkosten verstärken. Was für ein Dilemma! Die Investitionsbereitschaft zur Erhaltung und/oder der Erweiterung des Kapitalstocks, an dem das Wohlergehen aller Wirtschaftssubjekte und des Staats als auch die Stabilität unseres Gemeinwesens hängt stocken. Das Risiko, dass der Lebensbaum Kapitalstock großen Schaden erfährt ist real. Die „Terms of Trade“ verschlechtern sich nicht nur in Deutschland hinsichtlich der Versorgungssicherheit mit Rohstoffen und ihrer Preise. Kontinentaleuropa ist hier erkennbar der Verlierer im internationalen Kontext.

Der heute veröffentlichte GfK-Konsumklimaindex verheißt nichts Gutes. Der Index kollabierte per Berichtsmonat Mai von -15,7 Punkte auf -26,5 Zähler (Prognose -16,0). Das ist ein Allzeittief!

DIW-Studie: Folgen für die Haushalte

Gestern veröffentlichte das DIW dazu passend eine Studie, die die Folgen der Ukraine-Krise für private Haushalte unter Inkludierung der Staatshilfen beleuchtet. Es ergeben sich nennenswerte Belastungen.

Darüber hinaus bedarf es auch des Blicks auf die öffentlichen Haushalte. Heute wird ein Ergänzungshaushalt des Bunds in Höhe von knapp 40 Mrd. EUR verabschiedet werden. Das Sondervermögen bezüglich der Bundeswehr mit 100 Mrd. EUR schlägt zu Buche. Diese Politik vor dem Hintergrund einer nicht erbaulichen Demographie, die fraglos erforderlich ist, belastet künftige Generationen und schränkt ihre Möglichkeiten und Potentiale ein.

Die gestiegenen Energiepreise belasten ärmere Haushalte in Deutschland gemäß einer DIW-Studie. Diese Haushalte sind trotz der Entlastungspakete der Koalition maßgeblich betroffen. Haushalte mit geringeren Einkommen müssen einen größeren Anteil ihres verfügbaren Einkommens für Energie aufwenden. Sie sind von der veränderten Preisstruktur härter betroffen. Auch könnten sie wegen fehlender Ersparnissen und nicht vorhandenen Vermögens die höheren Preise nur schwer kompensieren. Nach Berechnungen des DIW müssen alle privaten Haushalte in Deutschland mittelfristig im Schnitt 2,1 % ihres Nettoeinkommens mehr für Energie ausgeben. Ohne die staatlichen Hilfen wären es 3,4 %. Laut DIW machen bei den einkommensschwächsten zehn Prozent der Haushalte die Energiepreissteigerungen beachtliche 6,7 % des Nettoeinkommens aus. Trotz der Entlastungen seitens des Staats verblieben noch rund drei Prozent Nettobelastung. Die wohlhabendsten Haushalte gemessen an ihren Einkommen geben dagegen zwei Prozent mehr für Energie aus. Unter Berücksichtigung der Staatshilfen sind es laut DIW 1,3 %. Darüber hinaus belasten die ärmeren Haushalte auch die gestiegenen Kosten für Lebensmittel.

Das DIW kommt zum Fazit, dass die Entlastungspakete der Bundesregierung Haushalten mit wenig Einkommen mittelfristig nur bedingt helfen. Diese Entlastungen sind definiert durch die Abschaffung der EEG-Umlage beim Strom, höhere Sozialleistungen, geringere Einkommensteuern, eine Energiepreispauschale, eine Spritsteuersenkung und ein ÖPNV-Monatsticket für neun Euro. Weiterer Handlungsbedarf sei erforderlich, sollten die Energiepreise wie erwartet hoch bleiben. Künftige Maßnahmen sollten stärker auf die Geringverdienenden konzentriert werden.

Als Fazit lässt sich ziehen, dass die aktuelle Ukraine-Krise nicht nur in Deutschland zu Wohlstandsverlusten führen wird, sondern dass durch zunehmende Armut die gesellschaftspolitische Stabilität und in der Folge die politische Stabilität leiden wird.

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden

China: Profite der Industrie steigen stark

Im Berichtsmonat März nahmen die Unternehmensgewinne der Industrie im Jahresvergleich um 12,20 % nach zuvor 4,20 % zu. In den ersten drei Monaten lag der Anstieg im Jahresvergleich bei 8,5 % nach zuvor 5,0 % (Zweimonatsperiode).

USA: Mehrheitlich Licht bei wenig Schatten

Der Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter legte per März im Monatsvergleich um 0,8 % (Prognose 1,0 %) nach zuvor -1,7 % (revidiert von -2,1 %) zu.

Laut Case/Shiller stiegen die Wohnimmobilienpreise im 20 Städtevergleich per Februar gegenüber dem Vormonat um 2,4 % (Prognose 1,5 %) nach zuvor 1,7 % (revidiert von 1,8 %). Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 20,2 % (Prognose 19,0 %) nach zuvor 18,9 % (revidiert von 19,1 %).

Der Absatz neuer Wohnimmobilien sank per März im Monatsvergleich um 8,6 % nach zuvor -1,2 % (revidiert von -2,0 %) auf 763.000 Objekte (annualisierte Darstellung).

Der Richmond Fed Composite Index legte per Berichtsmonat April von zuvor 13 auf 14 Zähler zu.

Der Index des Verbrauchervertrauens nach Lesart des Conference Board sank per April insignifikant von 107,6 (revidiert von 107,2) auf 107,3 Punkte (Prognose 108,0).

In Texas fiel der Index des Ausblicks im Dienstleistungssektor per April von 10,6 auf 8,2 Punkte, während der Index des Umsatzes im Dienstleistungssektor von 23,4 auf 11,2 Zähler sackte.

Schweiz: Aktive Handelsbilanz mit Bremsspuren

Die Handelsbilanz wies per März einen Überschuss in Höhe von 2,988 Mrd. CHF nach zuvor 5,882 Mrd. CHF aus. Damit ergab sich der geringste Aktivsaldo seit Dezember 2020.

Ungarn: Zinserhöhung wie erwartet

Die Zentralbank Ungarns erhöhte den Erwartungen entsprechend den Leitzins von zuvor 4,40 % auf 5,40 %. Auch der Anlagesatz wurde von 4,40 % auf 5,40 % angepasst.

Südkorea: Stimmung leicht verbessert

Der Index des Verbrauchervertrauens stieg per Berichtsmonat April von zuvor 103,2 auf 103,8 Punkte.

Australien: Preisinflation ausgeprägter

Die Verbraucherpreise legten im ersten Quartal 2022 im Jahresvergleich deutlicher als erwartet um 5,1 % (Prognose 4,6 %) nach zuvor 3,5 % zu.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überschreiten des Widerstandsniveaus bei 1.0950 – 1.0980 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!