Bezeichnender konnte das Finale um die (Fußball-)Euro kaum besetzt sein: Im Endspiel standen Spanien und Italien. Das Endspiel, das auch Deutschland praktisch taggleich um den Euro gegen diese beiden Endspielgegner verloren hatte, empfand ich als viel dramatischer. Hurra, die vereinigten Schulden von Europa sind da!

Siehe WELT zum Ersten

Siehe WELT zum Zweiten

Ich sage es Ihnen deutlich: Mir geht es genau so, wie einige gestern in ihren Kommentaren zu Dirk Müller schrieben. Ich bin völlig ausgelaugt. Ich fühle mich so ausgeliefert. Ich habe das felsenfeste Gefühl, dass das, was wir hier sagen und schreiben stimmt – und dass wir Recht haben. Aber ich habe auch das Gefühl, dass Deutschland letzte Woche den „Finanzkrieg“ verloren hat. Ich habe immer gesagt, unterschätzt mir den Monti nicht. Erfahrene und bestens vernetzte Investmentbanker sind bestimmt bessere Zocker als sachliche Physiker.

Und auch Herr Hollande/Frankreich weiß, dass es mit Einführung des ESM keine Zustimmung Deutschlands für das Verteilen deutschen Geldes mehr braucht. Hier reicht eine Mehrheit, ohne deutsche Zustimmung. Beschließen, was der Zahlmeister zahlen soll, beim Bundesfinanzminister anrufen, ihm sieben Tage Frist setzen und dann die Kohle auszahlen lassen. Genau so wird es künftig sein können. Es ist wirklich so schlimm, was da beschlossen wurde!

Mehr dazu bei DWN

Dass kein deutscher Vertreter Eurogruppenchef werden darf…

Mehr dazu in der ZEIT

…und das Europäische Patentgericht nach Paris kommt (wie praktisch, sitzt doch das Europäische Patentamt schon Urzeiten in München, verwaltungsvereinfachend „kurze“ Wege), …

Siehe Handelsblatt

…passt ins Gesamtbild.

Auch hat die Kanzlerin schon mehrfach keine eigene Mehrheit mehr im Bundestag für Ihren Euro-Kurs erhalten. Wären SPD und Grüne eine starke Opposition, dann hätte die Kanzlerin wahrscheinlich schon längst zurücktreten und es hätte Neuwahlen geben müssen.

Siehe Märkische Allgemeine

Hier finden Sie übrigens das Abstimmungsergebnis der einzelnen Abgeordneten, auch aus Ihrem Wahlkreis:

Link zu Bundestag.de

CDU/CSU 92% der Anwesenden dafür: 218 Ja, 16 Nein

FDP 89% dafür: 82 Ja, 10 Nein

SPD 94% dafür: 128 Ja, 8 Nein

Grüne 98% dafür: 65 Ja 1 Nein

Linke 0% dafür: 0 Ja, 71 Nein

Man sieht also, dass die Kanzlerin im eigenen Lager eine geringere Zustimmung für ihren Euroschuldenkrisen-Kurs hat als bei SPD und Grünen.

Die schwachen Teilinhalte des Euro lassen diesen spätestens seit letzter Woche zu einer „Blechwährung“ werden. Nach der bedingungslosen Freigabe zum Gelddrucken werden jetzt auch alle anderen – aus ihrem Blickwinkel zu Recht – darauf drängen, keine Bedingungen mehr für den Erhalt von Geld erfüllen zu müssen (ich denke da an Griechenland, Irland, Portugal). Sparen? Wozu? Da die Argumente gegen diese Wünsche nun fehlen, kann es nur so kommen. Man kann vernünftigerweise die deutschen Politiker nur dazu auffordern, das Geld unkontrolliert zum Fenster hinauszuwerfen, Schulden zu machen, neue Subventionen für erneuerbare Energien einzuführen, Studien- und Kita-Gebühren zu streichen, neue Kita-Plätze auf Staatskosten zu bauen, das Renteneintrittsalter auf 60 Jahre zu senken, die Renten massiv zu erhöhen, die Eigenheimzulage wieder einzuführen, die Praxisgebühr wieder zu streichen und sämtliche erdenkliche Wohltaten den Bürgern auf Basis neuer Staatsschulden zukommen zu lassen – und zu investieren ohne Ende, damit wir wenigstens selbst auch noch etwas für eine gewisse Zeit haben. Und zwar so lange, wie ESM oder Europäische Zentralbank (EZB) oder wer auch immer uns dann unsere Bundesanleihen nach dem Münchhausen-Prinzip (sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen) abkaufen würde.

Die Folge der oben via Artikel genannten „historischen Niederlage“ der Bundeskanzlerin und der vom Bundestag beschlossenen Installation des ESM könnte eine Angleichung der Euro-Länderzinssätze sein. Auch vor dem Hintergrund eines nicht auszuschließenden Downgradings Deutschlands durch die größeren Ratingagenturen.

Es wäre aber nicht zwangsläufig, dass dies nur auf die Weise passiert – wie in den letzten Tagen geschehen – dass die Zinsen beispielsweise Spaniens (10 Jahre von 6,90% letzte Woche auf ca. 6,30% aktuell) und Italiens (10 Jahre von 6,15% letzte Woche auf ca. 5,65% aktuell) stark sinken und die Zinsen Deutschlands steigen. Kurzsichtig betrachtet, und das ist ja zumeist die Sichtweise der handelnden Akteure in Politik und Finanzindustrie, mag die Rechnung aufgegangen sein. Die PIZIGS haben profitiert und Deutschland schon bezahlt.

Es könnte aber auch der Fall eintreffen – den die Akteure meines Erachtens kaum im Hinterkopf haben dürften – dass aufgrund der inzwischen mangelhaften Bonität vieler europäischer Staaten die mittel- und langfristigen Zinsniveaus des gesamten Euroraumes ansteigen würden. Klar, die Konjunkturindikatoren geben aus der Theorie heraus derzeit Zinserhöhungen nicht unbedingt her; aber es geht ja derzeit mehr um politische und liquiditätsgetriebene Zinsmärkte als um Märkte, die auf fundamentalen Daten basieren. Diese Märkte, die sich nur wenig an den Schlüsselfaktoren orientieren, sind übrigens häufig sehr zerbrechliche Gebilde.

Die Trading-Range (Bandbreite) des deutschen Langfristindikators Bund-Future war in der vergangenen Woche extrem eng. Er handelte weitgehend zwischen 141 und 142; zu beachten ist, dass er weiterhin unterhalb des 38-Tages-Durchschnitts handelt:

Eine Bundesanleihe werde ich für mich persönlich unter den gegebenen Haftungsumständen Deutschlands für die Eurozone so schnell nicht mehr anfassen.

Wobei: Der Bund scheint ja nur noch ein untergeordnetes Interesse daran zu haben, dass der Privatanleger in die Schulden seines Staates investiert, denn nach Ende 2012 geht das nicht mehr direkt bei der Finanzagentur des Bundes.

Weiter zu mmnews

Es war halt ein kostenloser Service, aber ab 2013 können sich die Banken auf viele neue Kunden freuen. Gut für die Gewinn- und Verlustrechnungen, schlecht für den deutschen Europa rettenden Steuerzahler, der auch hierdurch wieder seine privaten Ausgaben zu Lasten des Banksystems erhöht. Ist das eine weitere Bankensubventionierung durch den Steuerzahler?

Diesen Donnerstag EZB-Sitzung: Wie schon letzte Woche besprochen, steht eine Leitzinssenkung im Raum. Wie wär´s mit 25 Basispünktchen? Und wenn am Freitag dann die „Quantitative Easing QE 3“ in USA käme, wären doch alle glücklich und die Geldschwemme wäre perfekt. Wie lange geht so was eigentlich gut? Wie lange sind Menschen bereit, „Realwerte“ zu gleichen oder nur leicht höheren Preisen zu verkaufen, wenn das Geld, das man erhält, einen immer geringeren Anteil am gesamten Kapitalumlauf darstellt?

Auf Hinweise auf die Emissionen europäischer Staatsanleihen werde ich in den nächsten Wochen erstmal verzichten. Ich sehe keinen Hinweis darauf, dass nicht gemütlich Geld weitergedruckt wird.

…ach so, Slowenien könnte jetzt als Nummer 6 von 17 unter den „Rettungsschirm“ folgen:

Siehe Handelsblatt

Erinnert mich an nen Abzählreim aus meiner Kindheit, der bis zehn ging…Ob der hier bis 17 geht???

Eine schöne Woche wünscht Ihnen trotz allem

Steffen Scholz