Liebe Leserinnen und Leser,

jetzt scheint umsatztechnisch doch die Urlaubszeit an der Börse eingekehrt zu sein.

Was aber die Kurse einiger PIGS-Staaten-Anleihen nicht davon abhält, Kapriolen zu schlagen.

Ganz extrem war dies am vergangenen Freitag: Alle Welt hatte direkte Staatsanleihenkäufe durch die EZB erwartet, aber Herr Draghi hielt zumindest dieses Mal das Pulver trocken. Dies führte zu einer starken Nervosität und katapultierte die Zinsen der 10-Jahres-Torrero-Bonds von 6,71% vor der EZB-Sitzung bis hoch auf 7,43% Freitagmittag – um bis zum Tagesende wieder auf 6,85% zu fallen. „Rollercoastermarkt“, also eine echte Achterbahnfahrt.

Seitdem handeln die Südstaatenbonds in etwas ruhigeren Gewässern und engeren Bandbreiten: 10 Jahren Spanien deutlich unterhalb von 7% zwischen 6,70 und 6,85% und die Italo-Bonds bei ca. 6%. Aus politischer Korrektheit („political correctness“ - man darf ja nix mehr sagen, auch nicht im Spaß) benutze ich nicht den Ausdruck, der an den Terminbörsen für die Futures der italienischen Staatsanleihen Usus ist… Tip: Es hat etwas mit einer italienischen Nationalspeise zu tun.

Die EZB hat Griechenland direkt über den August gerettet:

Mehr bei news.at

Wer weiß, ob solche Aktionen nicht die Eintrittstür für direkte EZB-Hilfen an andere klamme Staaten darstellen könnten? So nach dem Motto: „In Griechenland habt Ihr's gemacht, wir wollen das genauso.“ Wer weiß?

A propos „Rettungen“:

Ich will jetzt einmal die Diskussion für eine nicht uninteressante Frage eröffnen:

Warum wurde in Deutschland die Commerzbank vom Bund, warum die Bayerische Landesbank von Sparkassen und bayerischem Steuerzahler, die Westdeutsche Landesbank ähnlich „gerettet“ bzw. sogar am Ende zerschlagen?

Warum gab es teilweise EU-Verfahren gegen diese Rettungsmaßnahmen?

Warum erhalten diese Banken nicht direkte Hilfen vom ESM, wie es bei den spanischen Banken der Fall sein soll?

Warum werden diese Banken nicht von der Eurozone gestützt? Warum zahlt hier der deutsche Steuerzahler oder der Aktionär oder eventuell indirekt der Bankkunde die Zeche?

Warum nicht Europa?

Würde mich mal interessieren.

Wie von mir erwartet wurden die fünfjährigen Bundesobligationen vor einigen Tagen dem Bund aus den Händen gerissen. Er muss nur noch 0,31% dafür an Zinsen bezahlen. Neuer Rekord für die Bobls.

Mehr dazu im FOCUS

Am morgigen Mittwoch begibt der Bund vermutlich 4 Milliarden Euro seiner zehnjährigen Bundesanleihen. Vom Timing her vielleicht ein bisschen problematisch, weil der Markt recht dünn geworden ist. Und wenn sich einige Banken absichern/hedgen wollen, dann könnte das wegen des geringen gehandelten Volumens auf den Bund-Future drücken. Mal handelt der Bund oberhalb des 38-Tage-Durchschnitts, mal unterhalb. Das ist in Rangetrading-Zeiten eben mal so.

Wobei der gleitende Durchschnitt etwas fallend tendiert.

Nach Ablauf des Freitags wird der amerikanische Staat übrigens innerhalb dieser Woche 132 Mrd. $ Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen 3 Monaten und 30 Jahren emittiert haben. Das ist schon eine echte Hausnummer und könnte den Kurs des US-Dollar belasten.

Eine schöne Woche wünscht

Steffen Scholz