Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0835 (06:45 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0828 im fernöstlichen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109,81. In der Folge notiert EUR-JPY bei 118.98 EUR-CHF oszilliert bei 1,0618.

Die Devisenmärkte reagieren auf interessante Art und Weise auf die Herausforderung durch das Coronavirus. Der USD ist gesucht. Der Euro ist "out". Er verliert gegenüber USD, JPY, CHF und GBP an Boden. Ein Erklärungsansatz ist, dass Kontinentaleuropa ein starker globaler "Player" ist. Von daher träfe die durch das Coronavirus initiierte Bremsung der globalen Konjunkturdynamik Europa härter als andere westliche Länder. So weit, so gut.

Ein zweiter Ansatz ist der alt bekannte Reflex, bei jeder Krise blind den US-Dollar zu erwerben und den Euro leer zu verkaufen. Das scheint in den Algorithmen fest verankert zu sein, die heute maßgeblich den Handel bestimmen. Ansonsten lassen sich keine Katalysatoren bezüglich der aktuellen Konjunkturdaten oder der Entwicklungen der Zinsdifferenzen erkennen, die die aktuellen Bewertungen begründen könnten. Wir fragen uns, wo die Diskomfortzone Trumps bei der Bewertung des USD gegenüber dem Euro liegt, denn im Sektor Währungen war der US-Präsident recht sensibel. Politik spielt an Devisenmärkten eine nicht unerhebliche Rolle.

HSBC schaut nach China:

Derzeit ist es nicht einfach, zu erfassen, wie hoch die Schäden durch das Coronavirus für das Welt-BIP sein werden. HSBC hat sich mit den Folgen für China befasst. HSBC kappte die BIP-Prognose für China für das laufende 1. Quartal 2020 von 5,8% auf 4,1%. Für das Gesamtjahr 2020 wurde die Prognose um 0,5% auf 5,3% angepasst. Wir halten diesen Ansatz für sachlich nachvollziehbar.

Für das Welt-BIP lässt sich aus unserer Sichtweise eine Wachstumseinbuße in der Größenordnung von 0,1% - 0,2% konstatieren (Anpassung von 3,2% auf 3,0%).

EU: Milder Konjunkturoptimismus der Kommission

Trotz der Coronavirus-Epidemie geht die EU-Kommission davon aus, dass die Staaten auf Wachstumskurs bleiben. Das BIP der Eurozone per 2020 und 2021 soll um jeweils 1,2% zulegen. Deutschlands BIP würde in den beiden Jahren um 1,1% steigen. Für Deutschland sieht die EU-Kommission vorerst weiter eingetrübte Aussichten für die Exporteure. Der starke Servicesektor und der Bau sorgten aber weiter für Schwung.

Laut EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Gentiloni basieren die Prognosen auf dem Szenario, dass der Coronavirus-Ausbruch in China im 1. Quartal den Höhepunkt erreichen würde und entsprechend die globalen Folgen begrenzt blieben. Wegen der wichtigen Rolle Chinas in der Weltwirtschaft würde die Krise auf jeden Fall negative Auswirkungen haben (u.a. Lieferketten). Es sei noch zu früh, das Ausmaß vollständig abzuschätzen.

Auch laste auf der EU weiterhin die Unklarheit über den Beziehungsstatus zu dem UK. Der weitere Verlauf des von US-Präsident Trump angefachten Zollkonflikts stünde in den Sternen. Krisenszenarien könnten trotz der aktuellen Entspannung wieder aufflammen. Neue Handelshürden seien nicht ausgeschlossen.

Vor dem Hintergrund der getroffenen Annahmen sind die Prognosen belastbar.

Zu der aktuellen Lage bezüglich des Coronavirus:

Link: https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html

Gestern gab es seitens Chinas und der WHO für den sprunghaften Anstieg der Zahl der Infizierten sinnvolle Erklärungen. Die Erfassungskriterien wurden verändert. Bisher wurden nur im Labor bestätigte Fälle berücksichtigt. Jetzt werden auch die Fälle inkludiert, die die bekannten Krankheitssymptome aufweisen (Fieber, Atembeschwerden, Lungenentzündungen). Laut WHO hat sich keine dramatische Verschlechterung der Situation ergeben.

Erfreulich ist der Anstieg der Anzahl der Geheilten auf jetzt 6.961 Personen. Hier ist positive Dynamik erkennbar.

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

EUR: Wer nicht reformiert (Aristoteles), der verliert!

Gemäß Erstschätzung verzeichnete das BIP Deutschlands per 4. Quartal ein unverändertes Ergebnis zum Vorquartal (Prognose +0,1%). Das Vorquartal wurde von 0,1% auf 0,2% revidiert. Im Jahresvergleich ergab sich eine Zunahme um 0,4% nach 0,5%.

USD: Preisentwicklung etwas sportlicher!

Die US-Verbraucherpreise legten per Januar im Monatsvergleich um 0,1% zu (Prognose 0,2%) Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 2,5% (Prognose 2,4%) nach zuvor 2,3%. Die Kernrate der Verbraucherpreise nahm im Monatsvergleich erwartungsgemäß um 0,2% zu. Im Jahresvergleich verzeichnete die Kernrate einen Anstieg um 2,3% (Prognose 2,2%) nach zuvor 2,3%.

RUB: Devisenreserven Ausdruck von Stärke!

Die Devisenreserven Russlands sanken per Berichtswoche 7. Februar von zuvor 562,3 auf 562,2 Mrd. USD und bewegen sich weiter auf den höchsten Niveaus seit 2008.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.1000 - 1.1030 neutralisiert den positiven Bias des USD.


Viel Erfolg!