Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1238 (07:23 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1197 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 111.13. In der Folge notiert EUR-JPY bei 124.90. EUR-CHF oszilliert bei 1.1335.

Aktuell sind wir mit einem Wettlauf der Prognoseanpassungen konfrontiert, der IWF, die OECD, die EZB und auch unsere Bundesregierung tummeln sich im "Becken der Bedenkenträger". Hier gilt es, etwas Sachlichkeit zu forcieren, ohne die gegenwärtigen Probleme kleinzuschreiben.

Die Bundesregierung rechnet per 2019 nur noch mit 0,8% Wachstum, berichtet das Handelsblatt. Angesichts der aktuellen Daten bestünden Abwärtsrisiken. Grundsätzlich sind die Daten in Teilen in der Tat wenig erbaulich und implizieren Dynamikverluste in der Wirtschaft.

Ob man diese Daten jedoch stumpf extrapolieren sollte, sei dahingestellt, denn der Dynamikverlust basiert mit Ausnahme der USA und des UK (Kredit) maßgeblich auf exogenen Einflüssen, die sich durchaus auflösen könnten. Endogen sieht das Bild sehr viel besser aus. Wegen der Verunsicherungen aus der US-Handels- und Geopolitik heraus wurden Investitionsvorhaben erst einmal aufgeschoben, eben nicht aufgehoben. Bei Neutralisierung dieser Risiken kommt es zu erheblichen Aufholeffekten.

Es heißt, es belasteten die Risiken einer möglichen Eskalation der Handelskonflikte, der schwächeren Entwicklungen in den USA, in China und in Schwellenländern als auch in Europa. Diese Risiken gibt es, aber es gibt auch normativ Faktisches. Die Konjunkturlage in den USA drängt zu Lösungen der Konflikte. Der Brexit (siehe Kommentar) kann eine erhebliche Chance für Kontinentaleuropa sein ...

Vieles ist seitens der Bundesregierung verständlich, wenn man sich auf eine Seite einer Medaille fokussieren will (Risiko). Wir versuchen, beide Seiten (auch Chance) im Blick zu halten und nehmen vor diesem Hintergrund Abstand davon, unsere Makro-Prognosen zum jetzigen Zeitpunkt dem obwaltenden Zeitgeist anzupassen.

Brexit Countdown im vollen Gange!

Die Nervosität in London, in Brüssel und an den Finanzmärkten steigt. Das GBP steht leicht unter Druck. Man spürt an dem Devisenmarkt, dass es Marktteilnehmern immer noch schwer fällt, sich vorzustellen, dass die Führung des UK weiter parteipolitische Überlegungen und Interessen denen des UK und der Menschen vor Ort überordnet. Aber was interessiert beispielsweise einen Boris Johnson schon Wirtschaft, an der das Wohlergehen der Menschen vor Ort hängt und damit auch die Stabilität der öffentlichen Finanzierung?

Wie sagte der elitäre Johnson noch so treffend: "F... the economy!" Wer solche elitären Persönlichkeiten schützt, fördert und unterstützt, wird das ernten, was ihm/ihr zusteht. Fakt ist, dass die Konservativen den letzten Kompromissvorschlag der EU ablehnten. Man glaubt in Westminster, die anderen 27 Länder der EU majorisieren zu können, ein sportliches Demokratieverständnis des UK!

Werfen wir einen Blick auf potentielle Fakten:

Die Auswirkungen des Brexits auf die Finanzindustrie im UK sind laut einer Studie größer als erwartet, sagte William Wright, Chef der Denkfabrik New Financial. Diese Entwicklung würde sich noch verschärfen. Das würde Großbritanniens Einfluss in der europäischen Finanzbranche, die Steuereinnahmen und die Finanzdienstleistungsausfuhren in die EU verringern.

Laut der Untersuchung zögen mehr als 275 Finanzfirmen Vermögenswerte von insgesamt 1,2 Billionen USD aus dem UK ab. 5000 Beschäftigte würden anderswo eingestellt. Diese Zahl würde in den kommenden Jahren noch steigen. Stärkste Anziehungskraft hätte Dublin, man zählte 100 Umzüge. Vermögensverwalter bevorzugten Dublin. Es folgten Luxemburg (60), Paris (41), Frankfurt (40) und Amsterdam (32). Für Frankfurt entschieden sich vorrangig Banken, für Amsterdam dagegen Handelsplattformen und Handelshäuser.

Kurz vor der Abstimmung über den Brexit-Vertrag haben in Nordirland aktive Firmen in einem offenen Brief zu einem Kompromiss aufgerufen. Ein Austritt aus der EU hätte massive wirtschaftliche Folgen. Exportmärkte, Zulieferketten, die Wirtschaftskraft der Konsumenten und die Wettbewerbsfähigkeit der Region würden alle Schaden nehmen. Ein solches Szenario behindere sowohl heimische als auch ausländische Investitionen, es würde zu einem signifikanten Arbeitsplatzabbau führen und die Chancen für die nachfolgende Generation in Nordirland schmälern.

Fazit: Let them go, they have never been really with us (Thatcher/money back etc.) !

  1. Jedweder Brexit ist gut für den Kapitalstock Kontinentaleuropas wegen der Produktionsstättenverlagerungen.
  2. Je härter der Brexit, desto stärker und schneller kommt es zu der Produktionsstättenverlagerung.
  3. Der unregulierte Brexit hätte auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten höhere Transaktionskosten zur Folge, bevor sich ein neues Gleichgewicht einstellt.
  4. Wir freuen uns, in Kürze endlich Klarheit zu haben, denn das amateurhafte Theater aus London hatte insbesondere im Investitionsgüterzyklus Europas bereits genügende Bremseffekte und britische Amateure belasten das Image Gesamteuropas!

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Da geht doch was in der Eurozone:

  • Italien: Industrieproduktion per 01/2019 im Monatsvergleich +1,7% (Prognose +0,1%)
  • Griechenland: Industrieproduktion per 01/2019 +3,4% nach +1,3% im Jahresvergleich
  • Griechenland: Erste Revision BIP 4. Quartal 2018 3,0% nach 2,7% im Jahresvergleich.

US-Arbeitsmarktbericht:

  • Arbeitslosenquote U-1: 3,8% nach 4,0% (P. 3,9%) Kreative Darstellung
  • Arbeitslosenquote U-6: 7,3% nach 8,1% - in Ansätzen mit Eurozone (7,8%) vergleichbar
  • Partizipationsrate: 63,2% nach 63,2%
  • Nonfarm Payrolls: 20.000 nach 311.000 (P. 180.000)
  • Neubaubeginne 01/19: 1,23 Mio. nach 1,037 Mio. Objekten (annualisierte Darstellung)

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Währungsrelation EUR/USD favorisiert. Erst ein Ausbruch aus der Bandbreite 1,1100-1,1520 eröffnet neue Opportunitäten.

Viel Erfolg!