Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1012 (07:16 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.0994 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 108.20. In der Folge notiert EUR-JPY bei 119.15. EUR-CHF oszilliert bei 1.0922.

Märkte und Wirtschaft sind einmal mehr durch Geopolitik gesteuert. Die Widerstandskraft an den Aktienmärkten war gestern vor dem Hintergrund der Verunsicherung durch die Situation im Nahen Osten bemerkenswert. Diese Haltung an den Märkten wurde im Nachgang durch Einlassungen von Donald Trump fundiert, der nicht den martialischen Ton seines Außenministerns Pompeo anschlug, sondern tendenziell staatsmännisch auftrat.

Trump betonte, er wolle keinen Krieg mit irgendjemandem, aber die USA seien vorbereitet. Trump schloss ein Treffen mit dem iranischen Präsidenten Ruhani nicht aus. Die diplomatischen Mittel seien nie erschöpft. Diese Einlassungen nehmen zunächst kurzfristig Hitze aus der Debatte und helfen dadurch, eine weitere Eskalation zu verhindern und Sachlichkeit zu forcieren.

Gemäß US-Präsident Trump würden Hinweise auf den Iran als Urheber des Drohnenangriffs auf die Ölanlagen deuten.

Unsere Einlassung: Es gibt einen bedeutenden Unterschied zwischen Hinweisen und Beweisen. Das gilt umso mehr, als dass es im Nahen Osten, aber auch im US-Establishment Kräfte und Protagonisten gibt, denen eine militärische Auseinandersetzung mit dem Iran und einer Involvierung der USA in diesen Prozess sehr am Herzen liegt.

Wenn man sicher sei, werde man über die weiteren Schritte entscheiden, sagte Trump. Ergo ist das Risiko einer militärischen Eskalation nicht ausgeschlossen. Trump schaffte aber ein Zeitfenster, das der Deeskalation dienen kann. Das ist fraglos positiv.

Der zweite Hotspot war gestern in Luxemburg angesiedelt

Boris Johnson war zu Gast bei dem EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker. Herr Johnson betonte im Vorwege vermeintliche Erfolge und Annäherungen, die man schon erreicht hätte. So weit zu gekonnter Verbalakrobatik kreativer Natur losgelöst von Fakten und Realitäten im Vorwege. Das kann der gute Boris Johnson sehr gut, vollmundig klingen, ohne vollmundig zu sein.

Das Ziel dieser Verbalakrobatik ist klar identifizierbar und durchschaubar. London wollte Druck im psychologischen Spiel aufbauen, wem bei einem Scheitern der Gespräche und bei einem ungeregelten Brexit der "Schwarze Peter" zukommt. Man bemüht sich faktenlos, das Narrativ zu entwickeln, dass man doch konstruktive Vorschläge eingebracht hätte, die aber von einer arroganten EU abgelehnt wurden. Dieses Narrativ ist grotesk und hat keinen Realitätsbezug. Politische Verantwortungslosigkeit ist in den letzten Jahren ein recht britischer Sport.

Das Gespräch von EU-Kommissionspräsident Juncker und Premierminister Johnson ist gestern genau deswegen ohne Ergebnisse zu Ende gegangen, weil es eben im Gegensatz zu der lauten Verbalakrobatik unseres "Hulk" Johnson keine belastbaren Inhalte aus London gab. Wer nichts liefert, kann auch nichts bekommen, Herr Johnson!

Juncker hat die Bereitschaft und Offenheit der Kommission betont, zu prüfen, ob britische Vorschläge mit der verabredeten Regelung zum Backstop vereinbar seien. Die Geduld der EU-Kommission ist bemerkenswert und kann oder muss als ein solidarisches Zeichen an die Bevölkerung des UK interpretiert werden. Aber dafür müssen diese belastbaren Vorschläge von London auch geliefert werden, was eben nicht der Fall ist.

Die britische Position, dass man irgendwie und unter Umständen zukünftig vielleicht doch technisch ohne echte Grenzen zwischen Irland und Nordirland klar kommen könne und die EU dem einfach blind vertrauen solle, weil das UK gerade in den letzten drei Jahren so vertrauensvoll und freundlich mit der EU umgegangen sei, mag zu ambitioniert sein, um als belastbare politische Option ernst genommen werden zu können. Mehr haben wir diesbezüglich nicht zu sagen, das muss für heute reichen!

Ein weiteres kritisches Thema rückt in den Vordergrund

Die Auseinandersetzungen mit gegenseitigen Klagen von Airbus und Boeing vor der WTO gehen in die Endrunde. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dann zu gegenseitigen Zollverfügungen kommt, ist erheblich.

Anders ausgedrückt wartet die nächste Facette der Restriktionen im globalen Handel auf die Welt. Damit verschärft sich faktisch auch der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und der EU.

Wir wagen eine Prognose: Sollte der Handelskonflikt zwischen den USA und China ein Stück weit entschärft werden, wird der Konflikt Washington Brüssel von den USA losgelöst von Rechtsrahmen ein Stück weit verschärft - gut, dass wir "Freunde" haben.

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Beachtliche Größe

Die Reserven der Eurozone stellten sich per August auf 836,49 Mrd. Euro nach zuvor 797,86 Mrd. EUR und markierten einen neuen historischen Höchstwert (Tiefpunkt 2004 bei 281 Mrd. Euro).

USA: Dynamikverluste in der Region New York

Der New York Fed Manufacturing Index sank per September von zuvor 4,8 auf 2,0 Punkte (Prognose 4,0).

Russland: Beachtlich hinsichtlich des globalen Hintergrunds

Per Berichtsmonat August nahm die Industrieproduktion im Jahresvergleich um 2,9 % (Prognose 2,2 %) nach zuvor 2,8 % zu.

China: Rückläufiger Preisdruck stabilitätsfördernd

Die Preise für Wohnimmobilien nahmen per August im Jahresvergleich um 8,8 % nach zuvor 9,7 % zu.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1160 - 80 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!