Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1792 (06:23 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1755 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 105,85 In der Folge notiert EUR-JPY bei 124,82. EUR-CHF oszilliert bei 1,0759.

Zu Wochenbeginn ergibt sich kein einheitliches Bild. Aktienmärkte zeigen sich stabil, Edelmetalle stehen unter leichtem Druck und der USD gewinnt leicht an Boden.

Die US-Regierung ist weiter bemüht, das multilaterale Gerüst der Welt zu destabilisieren. Medien und Politik gefallen sich in der Corona-Krise in der Rolle, sich auf Zahlen der positiv getesteten Personen zu kaprizieren. Dabei versäumen es viele Länder die Zahlen der Genesungen und die Veränderung in der Letalität (Entspannung), die von großer Bedeutung ist, zu erwähnen. "Food for thought!"

Trump will Mauern!

Der US-Präsident mag Mauern. Dabei geht es nicht nur um Bauwerke, beispielsweise an der Grenze zu Mexiko. Nein, er will Mauern in der Weltökonomie. Er will aus eigennützigen Motiven, die Globalisierung und die internationale Arbeitsteilung, die in der globalen Armutsbekämpfung der entscheidende Erfolgskatalysator war, umkehren.

Präsident Trump hat eine Entkoppelung der US-Wirtschaft vom Handelspartner China ins Gespräch gebracht. Die USA müssten keine Geschäfte mit China machen, sagte Trump in einem Interview. Es sei etwas, das er sicher tun würde, wenn China die USA nicht anständig behandelte. Hier ist anzumerken, dass sich die USA gegenüber China nicht an die Regeln des internationalen Organigramms halten. Nicht China behandelt die USA unanständig, sondern die USA behandeln China unanständig losgelöst vom internationalen Recht. Das Konvolut an US-Narrativen ist diesbezüglich voluminös.

Wie realistisch ist ein derartiges Unterfangen seitens der US-Regierung? Zunächst stellt sich übergeordnet die Frage, welche Rolle die USA und China in der Weltwirtschaft einnehmen, denn diese Bedeutung ist mitentscheidend, ob die US-Regierung in der Lage wäre, diese Diskriminierungsp0litik anderen Ländern der westlichen Hemisphäre nahezulegen oder aufzuzwingen. Nur dann könnte diese US-Politik Tragfähigkeit entwickeln, ohne die USA selbst zu isolieren (hohes Risiko!).

Ob diese Politik zu einem Erfolg führen würde, sei dahingestellt. Es würde definitiv Krisen auslösen, Armut forcieren und Migrationsströme verstärken.

Ende letzten Jahres lag der Anteil der US-Wirtschaft am Welt-BIP auf der Basis der Kaufkraftparität bei circa 15 %. Der Anteil Chinas lag bei mehr als 19 %. Die konjunkturellen Verwerfungen im laufenden Jahr werden dazu führen, dass Chinas Anteil weiter zunimmt, während der Anteil der USA leicht fallen wird.

Welches Land außer der Vereinigten Staaten kann es sich in Verkennung der Realität leisten, auf Geschäftsbeziehungen mit China zu verzichten?

Entscheidender ist der zukünftige Status. China wächst weiter. Der Anteil am Welt-BIP wird zunehmen. Die euroasiatische Region ist heute der Taktgeber der Weltkonjunktur. Das sind die USA schon länger nicht mehr.

In dieser euroasiatischen Region spielt China die bedeutendste Rolle, da China Infrastruktur aufbaut (OBOR) und Handel forciert. Der Westen unter Führung der USA zerstört dagegen Strukturen und schafft Leid und die Basis für verstärkte Migrationsströme im Rahmen von Regime-Change Operationen. Der Westen agiert dabei nicht im Einklang mit internationalem Recht (u.a. Irak - Wertefrage).

Die öffentliche Haushaltslage ist in den USA im Gegensatz zu China prekär. Selbstragendes Wachstum gibt es in einer grundsätzlichen Betrachtung ex Corona-Einfluss in China. In den USA gibt es das seit Jahren nicht mehr. Per 20. August 2020 stellt sich in den USA die öffentliche Neuverschuldung im laufenden Kalenderjahr auf 3.394 Mrd. USD oder circa 16,5 % des BIP! Laut IWF liegt die Defizitquote Chinas für das Gesamtjahr 2020 bei -11,2 % (IMF Fiscal Monitor 04/2020)

Wo liegt vor diesem Hintergrund belastbare Zukunft. Wo will oder wo muss sich Kontinentaleuropa aufstellen? Dort, wo konstruktives oder dort, wo destruktives Handeln unter Wertemissachtung den Politikstil bestimmt?

Auch London kann Schulden!

Großbritanniens Staatsverschuldung steigt wegen der Corona-Krise auf Rekordniveau. Die öffentlichen Verbindlichkeiten kletterten im Juli erstmals über die Marke von zwei Billionen Pfund oder circa 2,2 Billionen Euro. Die Schuldenstandquote stieg damit auf 100,5 % des BIP und markierte den höchsten Stand seit 1961.

Dabei sind die Folgen eines Brexit ohne "Deal", der sich mehr und mehr abzeichnet, noch zu weiten Teilen unberücksichtigt, da die vollen Folgen das UK erst im kommenden Jahr treffen würden. Zusätzlich ist das UK dadurch belastet, dass das Verhältnis zu China zerrüttet ist. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich eine verstärkte Unterordnung unter die USA ab (Digitalsteuer wird abgeschafft). War das wirklich das Ziel des Brexit (doppeldeutig!)?

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden

Die Veröffentlichung der Erstschätzungen der Markit Einkaufsmanagerindices lieferte ein divergentes Bild. Während die Aufwärtsdynamik in Kontinentaleuropa deutlich an Kraft verlor, ergab sich im UK und den USA eine Beschleunigung der Wachstumskräfte. Wir nehmen diese Divergenz interessiert zur Kenntnis.

Die Angstzustände, die bezüglich der Debatte um eine 2. Welle der Corona-Erkrankung in Kontinentaleuropa stärker als anderswo wirken, haben offensichtlich ihren Preis.


Eurozone: Debatte um 2. Welle belastet Stimmung

Laut Erstschätzung per August sank der von Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe geringfügig von zuvor 51,8 auf 51,7 Punkte (Prognose 52,9). Der Dienstleistungsindex verlor von 54,7 auf 50,1 Zähler (Prognose 54,5). In der Konsequenz ging der Composite Index von 54,9 auf 51,6 Punkte zurück (Prognose 54,9). Laut Erstschätzung legte der Index des Verbrauchervertrauens per August geringfügig von -15,0 auf -14,7 Zähler zu.


UK: Stimmung hebt ab, Realität trübe

In Großbritannien ist die Stimmung ungleich besser. Der Markit PMI für das Verarbeitende Gewerbe nahm von 53,3 auf 55,3 Zähler zu (Prognose 53,8). Der Dienstleistungsindex stieg von 56,5 auf 60,1 Punkte (Prognose 57,0) und der Composite Index verzeichnete eine Zunahme von 57,0 auf 60,3 Zähler (Prognose 57,1). Der vom CBI ermittelte Index zum Auftragseingang stellte sich per August auf -44 nach zuvor -46 Punkten (Prognose -35). Das ist wie Wasser im Wein.


USA: Stimmung hebt ab, Immobilienmarkt stark

Laut Erstschätzung von Markit stieg der PMI für das Verarbeitende Gewerbe per August von zuvor 50,9 auf 53,6 Zähler (Prognose 51,9). Der Index für den Dienstleistungssektor nahm von 50,0 auf 54,8 Punkte zu. In der Folge ergab sich ein Anstieg des Composite Index von zuvor 50,3 auf 54,7 Zähler. Der Absatz zuvor genutzter Wohnimmobilien stellte sich per Juli in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung auf 5,86 Mio. Objekte (Prognose 5,38 Mio.) nach zuvor 4,70 Mio. Objekten (revidiert von 4,72 Mio.) und erreichte das höchste Niveau seit November 2009.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.1400 - 30 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!