Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1833 (06:27 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1781 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 106.27 In der Folge notiert EUR-JPY bei 125.74. EUR-CHF oszilliert bei 1,0814.

Causa Nawalny der Schlüssel für US-Interessenpolitik?

Bevor die aktuelle Lage hinsichtlich der Konsequenzen aus der Causa Nawalny kommentiert wird, macht es Sinn zwei "alten Haudegen" (ex-Tagesschau) der deutschen Medienlandschaft Aufmerksamkeit zu schenken. Das Interview vom 3. August ist lesenswert. Es ist am Ende aber nur eine Meinung unter vielen.

https://www.oxmoxhh.de/magazin/meinungsmacher-der-mainstream-medien-interview-mit-volker-braeutigam-friedhelm-klinkhammer/

Zusätzlich bieten wir folgenden Link des MDR aus dem Jahr 2017 an, um zu erkennen, wofür und wogegen Nawalny steht, der vom Westen hofiert wird.

https://www.mdr.de/nachrichten/osteuropa/ostblogger/wer-ist-nawalny-100.html

Währenddessen spitzt sich die Lage um Nord Stream 2 zu. Absatzbewegungen sind in der Regierungskoalition erkennbar. Von AKK über Merz setzt sich der Reigen mit Außenminister Maas fort. Die Grüne Frau Baerbock vorverurteilt wie keine andere Person (!). Geknüpft wird das Schicksal dieser Leitung an das Wohlverhalten Moskaus in der Aufklärung, dessen Güte aber allein in Berlin bestimmt wird.

Die Energiewende in Europa ist ohne russisches Gas nicht zu machen. Die alten Pipelines mit russischem Gas stehen nicht in Frage, wenn sie durch Länder laufen (Polen, Ukraine), in denen eine Nähe der politischen Führung zu den Interessen der USA gegeben ist. Dann ist es offensichtlich "gutes russisches Gas". Geht es hier um eine indirekte US-Kontrolle der Versorgung Europas (US-Interessenpolitik)?

Tschüss Nord Stream 2! Die Kräfte im Äußeren, aber auch im Inneren waren zu stark. EU-Interessenpolitik ist schon interessant, ist sie auch intelligent?

Klartext zum Brexit aus London, auch von uns!

Premierminister Johnson setzt der EU vor der anstehenden Brexit-Gesprächsrunde ein Zeitlimit. Bis zum 15. Oktober soll eine Einigung zu einem Handelsabkommen auf dem Tisch liegen, ansonsten sähe er kein Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem UK. Stattdessen setzte die britische Regierung dann auf eine Vereinbarung mit der EU nach australischem Vorbild.

Wir hören die Signale aus London. Genau diese Verbalakrobatik war zu erwarten. Viel Glück!

Laut der Financial Times, die sich auf drei mit den Plänen vertraute Personen als Quelle beruft, wolle man in London kurzfristig Gesetze verabschieden, die Teile des Brexit-Abkommens über Staatshilfen und Grenzregelungen mit Irland außer Kraft setzten und einen Abbruch der seit Monaten ins Stocken geratenen Gespräche mit Brüssel bedeuteten.

Kurzfristig heißt in diesem Zusammenhang bereits am Mittwoch. Anscheinend ist das Brexit-Abkommen nicht das Papier wert, auf dem es formuliert wurde. Warum soll man dann eigentlich noch weiterverhandeln in Brüssel?

Kurz vor der nächsten Brexit-Gesprächsrunde signalisiert das UK eine harte Verhandlungshaltung. Die Regierung in London werde diesmal nicht blinzeln, sagte der britische Chef-Unterhändler David Frost der "Mail on Sunday". Die EU sollte verstehen, dass wir meinen, was wir sagen, sprach Herr Frost, und sie sollten unsere Position ernst nehmen. Er unterstrich, dass das UK auf keinen Fall Kompromisse machen würde, wenn es um Unabhängigkeit gehe und darum, Kontrolle über unsere eigenen Gesetze zu haben. Dafür hätten die Briten gestimmt.

Nein, das sollen Sie auch nicht Herr Frost. Blinzeln, Herr Frost, werden Sie aber sicherlich gegenüber den USA mit ihrer "America-first-Politik" in einem Freihandelsabkommen, auch wenn Sie jetzt etwas anders behaupten, um die Stimmung im eigenen Land nicht zu belasten. Wir wünschen den Menschen im UK viel Freude mit den Standards der USA, die dann partiell Raum greifen werden.

Jedes Abkommen unter freien Partnern ist ein Geben und ein Nehmen. Aber wie verlässlich ist das "Geben" der USA hinsichtlich des US-Umgangs mit internationalen Verträgen, die nicht US-Interessen entsprechen? Wie belastbar war und ist das Geben der EU (so viele Rosinen!)?

Fazit:

Die Regierung in London hatte unter Johnson schon immer ein Faible für den Brexit ohne Deal. Der wird derzeit unmissverständlich angesteuert. Die EU-Führung, die EU-Bürger und EU-Unternehmen sind gut beraten, sich auf einen Brexit ohne Deal einzustellen. Das Leben geht weiter!

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Durchwachsen

Der Auftragseingang der deutschen Industrie legte per Berichtsmonat Juli im Monatsvergleich um 2,8 % (Prognose 5,0 %) nach zuvor 28,8 % (revidiert von 27,9 %) zu. Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um 7,37 % nach zuvor -10,90 % (Tiefpunkt per April bei -36,78 %). Die deutsche Industrieproduktion verzeichnete per Juli einen Anstieg im Monatsvergleich um 1,2 % (Prognose 4,7 %) nach zuvor 9,3 % (revidiert von 8,9 %). Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um 10,0 % nach zuvor -11,25 %. Der Einkaufsmanagerindex für den Konsumsektor der Eurozone sank per August von zuvor 48,9 auf 47,8 Punkte (Tiefpunkt April bei 15,10).


China: Starke Exporte!

Per August nahmen die Exporte Chinas im Jahresvergleich um 9,5 % (Prognose 7,1 %) nach zuvor 7,2 % zu. Importe sanken um 2,1 % nach zuvor -1,4 %. Der Saldo der Handelsbilanz stellte sich auf 58,93 nach zuvor 62,33 Mrd. USD.


USA: Arbeitsmarktbericht per August

Die Arbeitslosenquote U-1sank von zuvor 10,2 % auf 8,4 % (Prognose 9,8 %). Die Arbeitslosenquote U-6 (tendenziell vergleichbar mit der der Eurozone) fiel von zuvor 16,5 % auf 14,2 %. Die Beschäftigung außerhalb des Agrarsektors nahm um 1.371.000 (Prognose 1.400.000) nach zuvor 1.734.000 (revidiert von 1.763.000) zu. Im Zuge des anstehenden Census (Volksbefragung) wurden viele Jobs temporär durch den Staat generiert (+344.000). Die Partizipationsrate stieg von zuvor 61,4 % auf 61,7 % (vor der Krise 63,4 %).

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit stellte sich auf 34,6 nach zuvor 34,5 Stunden. Die durchschnittlichen Löhne nahmen im Monatsvergleich um 0,4 % (Prognose 0,0 %) nach zuvor 0,1 % (revidiert von 0,2 %) zu. Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 4,7 % (Prognose 4,5 %) nach zuvor 4,7 % (revidiert von 4,8 %).


Russland: Verbraucherpreise leicht anziehend (J)

Die Verbraucherpreise legten per August im Jahresvergleich um 3,6 % (Prognose 3,5 %) nach zuvor 3,4 % zu (Monatsvergleich unverändert).


Japan: Wenig Veränderung bei Devisenreserven

Die Devisenreserven stellten sich per August auf 1.398,5 nach zuvor 1.402,5 Mrd. USD.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.1620 - 50 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!