Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1023 (06:51 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1010 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109,07. In der Folge notiert EUR-JPY bei 120,23. EUR-CHF oszilliert bei 1,0701.

De Gaulle verweigerte den UK-Beitritt 1963 und 1967. An dieser Stelle ist eine Quotation aus einer Presskonferenz des Jahres 1963 unumgänglich, da diese Äußerungen De Gaulles ein Maß an Weitsicht ausdrücken, das vielen heutigen politisch Verantwortlichen abgeht:


"England is insular, maritime, linked through its trade, markets and food supply to very diverse and often very distant countries. Its activities are essentially industrial and commercial, and only slightly agricultural. It has very marked and original customs and traditions. In short, the nature, structure and economic context of England differ profoundly from those of the other States of the Continent. It is foreseeable that the cohesion of all its members, who would be very numerous and very diverse, would not hold for long and that in the end there would appear a colossal Atlantic Community under American dependence and leadership which would soon completely swallow up the European community."

Link: https://www.express.co.uk/news/uk/1059243/Brexit-news-latest-EU-UK-deal-Charles-de-Gaulle-margaret-thatcher-membership-spt

Übersetzung der Red.:

"England ist isoliert, maritim, durch seinen Handel, seine Märkte und seine Lebensmittelversorgung mit sehr unterschiedlichen und oft sehr weit entfernten Ländern verbunden. Seine Aktivitäten sind im Wesentlichen industrieller und kommerzieller Art und nur in geringem Maße landwirtschaftlich. Es hat sehr ausgeprägte und originelle Sitten und Gebräuche. Kurz gesagt, die Natur, die Struktur und der wirtschaftliche Kontext Englands unterscheiden sich grundlegend von denen der anderen Staaten des Kontinents. Es ist absehbar, dass der Zusammenhalt all seiner Mitglieder, die sehr zahlreich und sehr unterschiedlich sind, nicht lange anhalten würde und dass am Ende eine kolossale atlantische Gemeinschaft unter amerikanischer Abhängigkeit und Führung erscheinen würde, die die europäische Gemeinschaft bald vollständig verschlingen würde".

Nach 47 Jahren befand man in Großbritannien im Rahmen von grotesken Argumentationen und bösartigen Beleidigungen gegenüber der EU, die weitgehend mit der Realität nicht im Einklang standen, dass man allein besser zurechtkomme. Seit 2016 gab es ein unprofessionelles politisches Gebaren im UK, das Gesamteuropa wirtschaftlich und politisch belastete. Es ist gut, dass dieses Kapitel nun geschlossen wird. Noch mehr Schaden aus dem UK wäre nicht zu rechtfertigen.

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, Ratspräsident Michel und EU Parlamentspräsident Sassoli haben bekräftigt, dass das UK nach dem Austritt aus der EU keinen uneingeschränkten Zugang zum europäischen Binnenmarkt mehr haben könne. O-Ton: "Keine Entscheidung sei folgenlos."

Das ist korrekt, alles andere käme einer Selbstaufgabe als Selbstbedienungsladen des UK gleich. An dieser Stelle darf nicht nivelliert werden, auch wenn es Berlin verführerisch vorkommen mag. Bei der französischen Haltung habe ich keine Sorgen! Zurecht kündigten von der Leyen, Michel und Sassoli an, sich für eine gute gemeinsame Zukunft unter den veränderten Bedingungen als Verbündete, Partner und Freunde stark zu engagieren.

Das UK ist geographisch Teil Europas. Kulturell stehen wir uns grundsätzlich nahe, Murdoch-Presse hin oder her. Die Wirtschaftsstrukturen in einer global vernetzten Welt verlangen nach sinnstiftenden Lösungen, aber auf keinen Fall nach Unterordnung unter britische Interessen.

Der britische Außenminister Raab betonte, dass das UK eng mit der EU zusammenarbeiten wolle. Wir hören die Worte. Wir vergessen aber auch nicht die vielen Worte vor - aber vor allen Dingen auch hinter den Türen - im Verlauf der letzten vier Jahre, denn es geht am Ende auch um nachhaltige, belastbare und ehrliche Verlässlichkeit.

Wir wollen an dieser Stelle auf die freundlichen Worte von Queen Elizabeth I. gegenüber der spanischen Krone verweisen, die bezüglich der Piraterie vorgab, alles zu unterbinden, um die Piraterie im Hintergrund massiv zu betreiben (Sir Francis Drake). Auf dieser Politik basierte das Empire. Nicht an Worten, an Taten soll man messen! Die Äußerungen von Stephen Barclay oder Priti Patel implizieren, dass das zukünftige britische Geschäftsmodell nur wenig mit den Standards der EU im Einklang stehen soll. Vor diesem Hintergrund sind die Äußerungen des britischen Außenministers als nette Gesten zu interpretieren.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es im Zeitfenster der kommenden elf Monate zu einem umfassenden Handelsvertrag kommen wird, ist sehr überschaubar. Der "Hard Brexit" der von vielen Tories favorisiert wird, steht größer im Raum, als es naive Kontinentaleuropäer wahrhaben wollen.

Wie heißt es so erfrischend explizit auf Englisch: The writing is on the wall!

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Überwiegend positiv, Frankreichs BIP-Daten irritieren!

In Deutschland sank die Zahl der Arbeitslosen in der saisonal bereinigten Fassung um 2.000 (Prognose +5.000). Die Quote verharrte erwartungsgemäß bei fünf Prozent.

Die Steuereinnahmen Deutschlands legten im letzten Jahr trotz schwachen Wachstums von 0,6 % um 3,1 % auf 735,87 Mrd. Euro zu.

Die deutschen Einzelhandelsumsätze sanken unerwartet im Dezember im Monatsvergleich um 3,3 % (Prognose -0,5 %, Jahresvergleich +0,8 % nach +2,7 %). Die Verbraucherpreise Deutschlands legten laut Erstschätzung per Januar um 1,7 % (Prognose 1,7 %) nach zuvor 1,5 % im Jahresvergleich zu. Im Monatsvergleich kam es zu einem Rückgang um 0,6 % (Prognose -0,6 %).

Die Arbeitslosenquote der Eurozone sank per Dezember von 7,5 % auf 7,4 %. Damit wurde die niedrigste Quote seit Mai 2008 (Allzeittief bei 7,3 %!) erreicht.

Der Economic Sentiment Index legte unerwartet stark per Januar von 101,3 auf 102,8 zu (Prognose 101,8).

Belgiens BIP legte per 4. Quartal im Quartalsvergleich um 0,4 % (Prognose 03 %) zu. Frankreichs BIP sank per 4. Quartal im Quartalsvergleich laut vorläufiger Berechnung unerwartet um 0,1 % (Prognose +0,2 %, Jahresvergleich +0,8 %).

USA: Okay, aber qualitative Fragezeichen!

Das BIP der USA soll im 4. Quartal 2019 in der annualisierten Fassung laut erster Schätzung um 2,1 % zugelegt haben. Das entsprach der Prognose.

Entscheidender Treiber waren sinkende Importe mit einem Wachstumsbeitrag von 1,32 %. Konsum (Wachstumsbeitrag 1,2 % nach 2,12 %!), Investitionstätigkeit (0,01 % nach -0,14 %) und Lagerhaltung im Privatsektor (-1,09 % nach -0,03 %) enttäuschten dagegen. Die öffentliche Hand legte mit einem Wachstumsbeitrag von 0,47 % nach 0,30 % eine Schippe drauf. Ja, konsumtiv geprägte Defizite kann man in den USA.

CNY: Coronavirus bisher (!) ohne Wirkung

Der von NBS ermittelte PMI für das Verarbeitende Gewerbe sank von 50,2 auf 50,0 Punkte. Der PMI für den Dienstleistungssektor legte von 53,5 auf 54,1 Zähler zu. In der Folge stellte sich der Composite Index auf 53,0 nach 53,4 Punkten.

RUB: Einfach stark!

Die Devisenreserven Moskaus legten in der Berichtswoche per 24. Januar von 558,9 auf 559,8 Mrd. USD zu und markierten den höchsten Stand seit September 2008!

Das BIP legte per Berichtsmonat Dezember im Jahresvergleich um 2,4 % nach 1,9 % (revidiert von 1,6 %) zu.

JPY: Schwaches Bild

Die Verbraucherpreise legten im Jahresvergleich per Januar um 0,6 % nach zuvor 0,9 % zu. Die Kernrate stellte sich auf 0,5 % nach zuvor 0,7 %.

Die Arbeitslosenrate lag per Dezember bei 2,2 % nach 2,2 % (Prognose 2,3 %) Die Einzelhandelsumsätze verzeichneten per Dezember einen Rückgang um 2,6 % (Prognose -1,8 %) nach zuvor -2,1 %.

Neubaubeginne sanken per Dezember im Jahresvergleich um 7,9 % (Prognose -11,5 %) nach zuvor -12,7 %.

Die Industrieproduktion sank im 4. Quartal um vier Prozent.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem US-Dollar favorisiert. Ein Durchbrechen der Unterstützungszone bei 1.0950 1.0980 negiert den positiven Bias des EUR.

Viel Erfolg!