er Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1206 (07:23 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1187 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 111.55. In der Folge notiert EUR-JPY bei 125.04. EUR-CHF oszilliert bei 1.1402.

Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve hat den Leitzins in der Spanne 2,25% - 2,50% belassen und den Einlagenzins für Überschussreserven auf 2,35% gesenkt. Letzteres hat damit zu tun, dass sich die Fed Funds Rate zuletzt am oberen Rand der Spanne bewegte, was dem Offenmarktausschuss offensichtlich nicht passte.

Ein Zinssignal lässt sich daraus zum jetzigen Zeitpunkt nicht ableiten. Seitens der Fed will man geduldig die Lage begleiten. Als Hintergrund für die abwartende Haltung wurde auf gedämpfte US-Inflationsentwicklungen und die unsichere globale Konjunkturlage verwiesen.

Die Bewertung der US-Konjunkturlage fiel marginal optimistischer aus als bei der vorherigen Sitzung. Wir stimmen bezüglich der verfügbaren Arbeitsmarktdaten zu, ohne auf die Qualität der Daten (U-1 versus U-6) einzugehen.

Derzeit wäre solides Wachstum festzustellen. In einer Hinsicht stimmen wir zu. Die Lagerbestände wachsen, der Absatz nicht proportional!

Die schwache Investitionstätigkeit in den USA wurde nur ansatzweise thematisiert. Dass der Hintergrund dieser Schwäche auch mit der aggressiven Handelspolitik der USA korreliert, findet keine angemessene Beachtung.

Das Ausbleiben selbsttragender Kräfte in der Expansion des BIP der USA wird vollständig ausgeblendet.

Als Teilnehmer des Marktgeschehens bedanken wir uns bei dem US-Offenmarktausschuss für dieses politisch korrekte Marketing pro USA, das ein wenig an "Goldlöckchen-Sichtweisen" erinnert ... Mehr gibt es nicht zu sagen.

Es gibt aber durchaus belastbare positive Nachrichten aus den USA. Das Infrastrukturprogramm Trumps wird sukzessiv auf den Weg gebracht. Man einigte sich in Washington parteiübergreifend auf Maßnahmen, die insgesamt einen Umfang von zwei Billionen USD haben sollen. Dazu werde man sich bezüglich der Finanzierung in drei Wochen treffen. Das Ziel ist es, dass der Staat Anschub leistet und am Ende lediglich Mittel in Höhe von 200 Mrd. USD aufwenden will, um das Gesamtvolumen zu gewährleisten.

Diese geplanten Maßnahmen sind sinnvoll. Sie sind investiv. Man darf positive Zweit- und Drittrundeneffekte unterstellen. Die USA bewegen sich damit auf den Pfaden des Aristoteles. Kreditfinanzierungen, die investiv sind, eröffnen Potential und Effizienz.

Dieses Projekt reiht sich in das Konzert der Infrastrukturmaßnahmen aus "One Belt - One Road" ein, die einerseits für aktuelles aber auch perspektivisch nachhaltiges Wachstum sorgen werden. Wir wünschen den USA eine zügige Einigung bezüglich der Finanzierungsfragen und der dann folgenden Umsetzung.

Vielleicht überdenkt man in Washington dann auch die eine oder andere konsumtive Ausgabe mit ökonomischen Einmaleffekten. Meine Kollegen reden zufällig gerade über das Thema Militärausgaben, die in Russland sinken und in den USA steigen. Militärausgaben sind übrigens konsumtiv…

Es gibt bezüglich der Vereinigten Staaten einen weiteren positiven Hintergrund hinsichtlich der Umsetzung von Infrastrukturprojekten. Das öffentliche Recht dominiert dort das dennoch beachtenswerte Individualrecht.

Die USA haben im Vergleich zu Deutschland Glück, sie haben keine deutschen Planfeststellungsverfahren, die administrativ den Wirtschaftskörper lähmen und ultimativ Zukunft der kommenden Generationen kosten.

Sich in einer Zeit, in der sich die Rahmenbedingungen der Welt dynamisch ändern, mit Planfeststellungsverfahren bei Großprojekten von 20-30 Jahren konfrontiert zu sehen, ist grotesk und perspektivisch nicht tolerierbar.

Ich hoffe, dass Berlin zuhört, Deutschland soll doch nicht zum Museum degenerieren, obwohl das durchaus der Plan von der einen oder der anderen Partei, die im Bundestag vertreten ist, sein könnte, wenn man sich deren Positionen anschaut.

Museen gekoppelt mit Naturreservaten sind fraglos kulturell und erholungstechnisch wertvoll, aber kann eine Gesellschaft solitär davon leben, prosperieren und Zukunft generieren? Am Ende kann in einer Gesellschaft nur das verteilt werden, was in der Ökonomie erwirtschaftet wird. Daran hängt übrigens auch der Sozialstaat. Wer diese Zusammenhänge ignoriert, spielt mit der politischen Stabilität!

Deutschland war in der Vergangenheit anfällig für Ideologien. Die Art und Weise, wie sachorientierte Debatten mit der Moralkeule oder der politischen Korrektheit, unterbunden oder karikiert werden, muss als Risiko in diesem Kontext bewertet werden. "Food for thought!"

Datenpotpourri der letzten 48 Stunden:

Asien:

Einkaufsmanagerindices Verarbeitendes Gewerbe per April

  • Südkorea: Der Index stieg von 48,8 auf 50,2 Punkte.

  • Indonesien: Der PMI sank von 51,2 auf 50,4 Zähler.

  • Thailand: Der Index legte von 50,3 auf 51,0 Punkte zu.

  • Malaysia: Der PMI nahm von 47,2 auf 49,4 Zähler zu.

  • Philippinen: Der Index sank von 51,5 auf 50,9 Punkte.

  • Vietnam: Der PMI stieg von 51,9 auf 52,5 Zähler.

  • Myanmar: Der PMI stieg von 52,4 auf 53,7 Zähler.

  • Indien: Der Index sank von 52,6 auf 51,8 Punkte.

Eurozone:

Deutschland: Die Arbeitslosenrate (saisonal bereinigt) verharrte per April bei 4,9%. Die Verbraucherpreise legten per April im Jahresvergleich um 2,0% nach 1,3% zu (Prognose 1,6%).

Italien: Die Arbeitslosenrate sank per März von 10,5% auf 10,2%.

Eurozone: Das BIP legte per 1. Quartal im Quartalsvergleich um 0,3% (Prognose 0,3%) und im Jahresvergleich um 1,2% (Prognose 1,1%) nach 1,1% zu. Die Arbeitslosenrate sank per März von zuvor 7,8% auf 7,7%.

USA:

US-Immobilienpreise stiegen laut Case/Shiller per Februar im Jahresvergleich um 3,0% (Prognose 3,2%) nach zuvor 3,6%. Der Chicago PMI sank per April von 58,7 auf 52,6 Punkte. Der Index des Verbrauchervertrauens (Conference Board) stieg per April von 124,2 auf 129,2 Zähler.

Der Index anhängiger Hausverkäufe stieg um 3,8% (03/19, VM-1,0%). Laut ADP wurden per April 275.000 neue Jobs geschaffen (P. 180.000). Der Markit PMI (Produktion) stieg per 04/19 von 52,4 auf 52,6 Punkte. Der ISM-Index (Produktion) sank per 04/19 von 55,3 auf 52,8 Punkte. US-Bauausgaben sanken per März im Monatsvergleich um 0,9%.

Fazit: Heterogenes und auskömmliches Wachstum in der Weltwirtschaft! Das Chancenprofil für zeitnahes/perspektivisches Wachstum durch Infrastrukturprojekte ist ausgeprägt!

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Währungsrelation EUR/USD favorisiert. Erst ein Ausbruch aus der Bandbreite 1.1100 - 1.1400 eröffnet neue Opportunitäten.

Viel Erfolg!