Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1342 (07.26 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1302 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 112.81. In der Folge notiert EUR-JPY bei 127.96. EUR-CHF oszilliert bei 1.1408.

Aus Washington erreichen uns leichte Entspannungssignale:

Präsident Trumps Wirtschaftsberater Kudlow sieht eine Zuspitzung des Handelskonflikts mit China als vermeidbar an. Zusätzliche Strafzölle wären nicht in Stein gemeißelt. Diese eher diplomatische Haltung begrüßen wir. Das gilt vor allen Dingen auch deswegen, weil Präsident Trump zuvor noch einmal eskalierte und Zölle auf alle chinesischen Importe im Wert von circa 500 Mrd. USD androhte. Diese Taktik Washingtons der extremen Eskalation kennen wir bereits aus den Konflikten mit Nordkorea, Mexiko und Kanada. Im Anschluss kam es zu Lösungen dieser Konflikte.

Mehr noch betonte Trump nach der Eskalation, dass im Falle einer gütlichen Einigung mit der Führung in Peking viele Zölle zurückgenommen werden könnten.

Fakt ist und bleibt, dass am Ende US-Unternehmen und US-Verbraucher mit den Zöllen belastet werden und würden. Bei 500 Mrd. USD Importen aus China in die USA läge der Schaden bei 10% Zollerhöhung bei 50 Mrd. USD und bei 25% bei 125 Mrd. USD. Beide Größen sind und wären nicht geeignet, den Pfad der Weltwirtschaft zu gefährden. Sie würden aber definitiv den Investitionsstandort der USA nicht positiv beeinflussen! "Food for US-thought!"

Bei dem Thema Iran ergeben sich Entspannungssignale. Die US-Regierung werde mit den Maßnahmen extremen Druck ausüben, sagte Sicherheitsberater Bolton. Das wissen wir! Man wolle aber weder Freunde noch Verbündete schädigen. Man erwäge Ausnahmen für einige Länder. China, Indien und die Türkei, drei der fünf größten Abnehmer des Irans, widersetzen sich ohnehin den US-Forderungen.

Diese Haltung ist eine Verwässerung und damit Ausdruck einer Entspannung!

Federal Reserve will Regulierung fast aller US-Banken lockern:

Die Fed will die verschärfte Regulierung der Banken lockern. Die Vorschläge betreffen Institute mit einer Bilanzsumme von weniger als 700 Mrd. USD. Für die neun größten US-Banken sollen die weicheren Bestimmungen nicht gelten. Die verabschiedeten Vorschläge gehen über die Vorgaben des US-Kongresses zur Aufweichung des Regulierungswerks Dodd-Frank-Act hinaus.

Fed-Bankenaufseher Quarles betonte, dass die neuen Regeln zu deutlich niedrigeren Kosten für die Banken führen würden. Angeblich würden die Risiken im Bankensystem nicht erhöht.

Fed-Gouverneurin Brainard stimmte als einzige der vier Direktoriumsmitglieder gegen den Vorschlag, da er unnötige Risiken mit sich bringe (Widerspruch zu Bankenaufsehern) und über die Vorgaben des Kongresses hinausgehe. Ausländische Banken oder ihre US-Töchter betreffen diese Vorschläge nicht. Man will in naher Zukunft eine Regeländerung vorschlagen.

In einer Phase historisch hoher Unternehmensverschuldung und Verbraucherverschuldung und damit hohen Leverage-Effekten in der US-Wirtschaft sind diese Maßnahmen als ambitioniert zu bewerten.

Geht es hier darum (wie durch die Steuerreform Trumps - noch ein wenig Cash-Flow für gestresste US-Konsumenten) den reifen Kreditzyklus durch regulatorische Laxheit zu verlängern?

Der Rest der Welt ist gut beraten, in der kommenden Zeit bei dem Import von strukturierten Kreditprodukten aus den USA Vorsicht walten zu lassen oder will man den Fehler der letzten Krise wiederholen?

Friedrich Merz: Deutsche Antwort auf Macrons Euro-Vorschläge nicht ausreichend!

Der Zusammenhalt der Eurozone ist nach Ansicht des CDU-Politikers Merz die größte Herausforderung der kommenden Jahre. Wir stimmen absolut zu. Er sei besorgt darüber, dass Frankreichs Präsident Macron zu wenig Antworten auf seine Vorschläge zur Reform der Eurozone erhalten habe. O-Ton: "Ich finde, dass er mehr verdient hat, auch an wirklich substanzieller Antwort aus Deutschland."

Richtig - das aktuelle Konstrukt der EU und Eurozone ist in dieser Form auf lange Sicht nicht zukunftsfähig. Das Europa der zwei Geschwindigkeiten ist bitter notwendig. Dabei ist die Integration im Europa I (Eurozone) essentiell!

Auch das Weißbuch der EU-Kommission zur Reform der Wirtschafts- und Währungsunion hätte viel zu wenig Beachtung gefunden. Merz: "Ich weiß, dass die größte Herausforderung darin besteht, die Eurozone zusammenzuhalten." Er würde sich dazu in den kommenden Wochen noch sehr dezidiert äußern.

Es ist gut, dass Merz die Eurozone und nicht die EU im Fokus hat!

Ewald Nowotny (EZB) spricht gegenüber Rom Klartext!

Nach Ansicht von EZB-Ratsmitglied Nowotny könnte sich der deutliche Rendite-Anstieg bei italienischen Staatsanleihen zu einem Problem entwickeln. O-Ton: "Das Problem ist natürlich, dass diese Wirkungen von den Kapitalmärkten erst mit einer gewissen Verzögerung sich wirklich auswirken, nämlich vor allem dann, wenn Italien wieder auf den Kapitalmärkten entsprechende Geldmittel aufnehmen muss." Wir stimmen zu!

Nowotny betonte, Italien würde 2019 einen erheblichen Finanzierungsbedarf haben. Es wäre derzeit noch nicht absehbar, wie sich das auswirken werde. Es wäre sehr schwierig, die Reaktion der Kapitalmärkte längerfristig vorauszusagen. Richtig! Der Streit über den Haushaltsentwurf Roms ist teuer. Vorgestern wurden drei Anleihen im Gesamtwert von 5,5 Mrd. Euro platziert. Es mussten bei den zehnjährigen Papieren 3,36% Rendite aufgerufen werden - soviel wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr. Vor einem Monat lag die Rendite noch bei 2,9%.

Fakt ist, dass sich Italien seit Jahrzehnten mehr leistet, als es der Leistungsprozess hergibt. Deswegen ist es zu einer Verschuldung in Höhe von 131% des BIP gekommen.

Es wurde also konsumtiv zerwirtschaftet, nicht sinnstiftend investiv agiert. Damit hat man die kommenden Generationen, die nicht wählen konnten, belastet, schwer belastet!

Diese Regierung Roms will den Bambini Italiens durch eine Fortsetzung der verfehlten Politik die Zukunft stehlen. Der Rest der Eurozone ist gut beraten, die Rolle des Anwalts der italienischen Bambini einzunehmen, von denen es ohnehin zu wenig gibt (Demographie/Rentenreform!).

Veröffentlichte Konjunkturdaten der letzten 24 Stunden:

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützung bei 1.1290 - 1.1320 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Viel Erfolg!

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